Gutachten sorgt für Zündstoff

Nahversorgung und Maintal Markt in Dörnigheim weiter ein Streitpunkt im Bauausschuss

Der Maintal Markt im Dörnigheimer Westend könnte den Plänen eines Investors zum Opfer fallen. Die Mitglieder des Bauausschusses sorgen sich um die Nahversorgung der Anwohner. 
Archivfoto: Rainer Habermann
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Der Maintal Markt im Dörnigheimer Westend könnte den Plänen eines Investors zum Opfer fallen. Die Mitglieder des Bauausschusses sorgen sich um die Nahversorgung der Anwohner.

Die Nahversorgung in Dörnigheim sorgt weiter für Diskussionsstoff. Im Bauausschuss wurde der Ton nach der Vorstellung eines Gutachtens rauer.

Maintal - Hintergrund ist der Kauf eines Grundstückes an der Westendstraße, wo sich der Maintal Markt befindet. Der Investor plant den Abriss und will einen Neubau mit 18 Wohnungen errichten (wir berichteten). Bereits in mehreren Sitzungen sorgte sich die Wahlalternative Maintal (WAM) um die Nahversorgung im Quartier, wenn der Maintal Markt wegfallen sollte.

Gutachten über Nahversorgung sieht keine Versorgungsprobleme

Jetzt wurde ein von der Stadt beauftragtes Gutachten diskutiert, in dem eine Handelsberatung die Nahversorgung durchleuchtet hat. Fazit: Auch mit dem Wegfall des Maintal Marktes wäre die Nahversorgung gesichert. Entsprechende Märkte müssen fußläufig in einem Umkreis von 700 bis 1000 Metern erreichbar sein. „Wir haben eine sehr gute Versorgung, teilweise sogar Überschneidungen“, erklärte Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos).

Sollte der Maintal Markt wegfallen, müssten die Bewohner ein Stückchen weiter laufen. Im Gutachten wurde außerdem vorgeschlagen, eine Bäckerei mit Café zu integrieren.

3500 Anwohner wären von Wegfall des Maintal Marktes betroffen

Das brachte vor allem Christian Wolf von der WAM auf die Palme. „So einen Unsinn habe ich selten lesen müssen. Mir fehlen die Worte“, erklärte Wolf. Parteikollege Dieter Winterstein sprach gar von einem „Gefälligkeitsgutachten, um den Markt wegzukriegen“. Beide erinnerten an rund 3500 Anwohner, die von einem Wegfall des Maintal Marktes direkt betroffen wären. Das entspricht der Hälfte der 7000 Einwohner im Westend Dörnigheim. „Sind diese 3500 Einwohner nicht relevant?“, fragte Wolf in Richtung Böttcher.

Die wiederum wies den Vorwurf des Gefälligkeitsgutachtens vehement von sich und verwies noch einmal auf die Schwierigkeiten, einen Nahversorger für das Grundstück zu finden. Die weniger als 500 Quadratmeter Fläche seien für die großen Nahversorger-Ketten schlichtweg zu klein. Außerdem wies sie auf eine weitere Problematik hin. Schließlich könne der Investor auch einfach ein zweigeschossiges Gebäude bauen – dafür bräuchte er auch keinen Beschluss.

Kritik an nicht eingeplanten Sozialwohnungen

Doch die Nahversorgung war nicht der einzige Kritikpunkt aus den Reihen der Ausschussmitglieder. Tobias Lehnert (SPD) bezeichnete den Antrag des Magistrats als „nicht zustimmungsfähig“. Als Grund nannte er die Nichteinhaltung der geforderten Anzahl an Sozialwohnungen. 30 Prozent werden von den Ausschussmitgliedern gefordert. Das wären mindestens fünf der 18 Wohnungen.

Da sich auch die Grünen und die FDP den Kritikpunkten anschlossen, wurde die Magistratsvorlage durch den eingereichten Änderungsantrag der WAM ersetzt. Demnach wird der Eigentümer des Grundstücks aufgefordert, „in seine Planung für den Neubau Flächen zur wohnungsnahen Grundversorgung der Bevölkerung im bisherigen Umfang aufzunehmen“.

CDU und FDP gegen Planungen für Kita an der Rhönstraße

Uneinigkeit herrschte auch beim Tagesordnungspunkt fünf, in dem es um den Bebauungsplan „Am Zimmersee“ ging. Diesen bezeichnete Böttcher als „wichtigen Schritt für die Kita Rhönstraße“. Nach der Vorstellung durch das Planungsbüro äußerten vor allem die CDU und FDP ihre Bedenken. Klaus Gerhard (FDP) sorgt sich um die Mehrbelastung der Anwohner durch den Verkehr, Erik Schächer (CDU) brachte das Thema Kinderlärm wieder ins Gespräch.

Tobias Lehnert zeigte kein Verständnis für die Einwände, schließlich wolle man mit den Kitas in die Wohngebiete, um eben lange Anfahrtswege zu vermeiden. Unterstützung gab es von Hartmut König (Grüne) und Bürgermeisterin Böttcher.

Kita-Standort Fechenheimer Weg wird wieder thematisiert

Für Unverständnis sorgte die Argumentation der CDU, man lehne den Antrag ab, da man seinerzeit bei der Diskussion um den Kita-Standort für den Fechenheimer Weg und gegen die Rhönstraße gestimmt hatte. Auch die FDP brachte den Standort Fechenheimer Weg wieder ins Spiel.

„Das ist eine Geschichte von vor fünf Jahren“, entgegnete Helmut Wassermann (SPD), genauso sah es Lehnert: „Es geht hier nicht mehr um die Standortbestimmung.“ Letztlich wurde der Antrag mit sechs Stimmen und drei Gegenstimmen angenommen und an die kommende Stadtverordnetenversammlung verwiesen.

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