Neue Räumlichkeiten

Raum für mehr Möglichkeiten: Arbeitskreis Asyl in Maintal baut Angebot weiter aus

Freuen sich über die Möglichkeiten in der Klingstraße: Azeeta Sadiq, Martin Haertling, Christine Mayer-Simon und Ilona Eschelbach (von links) vom Arbeitskreis Asyl.
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Freuen sich über die Möglichkeiten in der Klingstraße: Azeeta Sadiq, Martin Haertling, Christine Mayer-Simon und Ilona Eschelbach (von links) vom Arbeitskreis Asyl.

Der Arbeitskreis Asyl – Vielfalt in Maintal füllt sein neues Domizil in der Klingstraße 4 Schritt für Schritt mit Leben. Seit rund einem Jahr ist die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe auf dem ehemaligen Kling-Gelände in Hochstadt beheimatet.

Maintal – Sie hat Haus und Grundstück von der Stadt gepachtet und kümmert sich im Gegenzug darum, beides in Schuss zu halten – eine Aufgabe, die Anknüpfungspunkte für zahlreiche Begegnungsangebote bietet: Beim Gärtnern im internationalen Gemeinschaftsgarten, beim Handwerken in der ehemaligen Kling-Villa, beim Kochen, Spielen und Toben finden Geflüchtete Kontakt zu Einheimischen und oft auch Hilfe bei Problemen. „Hier gibt es immer genug zu tun – und es ist schön, wenn sich für diese Aufgaben Tandems aus Geflüchteten und Einheimischen bilden“, sagt Christine Mayer-Simon, die Sprecherin des Arbeitskreises.

2013 als loser Zusammenschluss engagierter Bürgerinnen und Bürger gegründet, hatte der AK Asyl zuletzt immer wieder mit Raumproblemen zu kämpfen. Ideen und engagierte Bürger sind da, die das Angebot der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe aufrechterhalten und ausbauen wollen. Aber an fehlenden Räumlichkeiten scheiterten bislang einige dringend benötigte Angebote, wie zum Beispiel ein Deutschkurs für Mütter mit angeschlossener Kinderbetreuung. „In der Neckarstraße, der Rhönstraße in Bischofsheim oder im alten Bahnhofsgebäude am Bahnhof Maintal-Ost waren die Räume einfach nicht geeignet oder standen uns nicht mehr zur Verfügung“, erklärt Christine Mayer-Simon.

Umso glücklicher ist sie, den Deutschkurs speziell für Mütter mit kleinen Kindern in Kooperation mit der Integrationsbeauftragten der Stadt und dem Bildungspartner Main-Kinzig in der ehemaligen Kling-Villa anbieten zu können. Im Erdgeschoss des geräumigen Hauses können die Frauen Deutsch lernen, während die Kinder draußen oder oben betreut werden, spielen oder schlafen. Vor allem das Außengelände bietet nicht nur Kindern vielfältige Betätigungsmöglichkeiten: Dort gibt es neben einigen Spielgeräten und viel Platz auch Hühner, Schafe und bald Bienen, um die sich die Gäste kümmern können.

Die Tiere beim AK Asyl erfreuen sich vor allem bei den Kindern besonderer Beliebtheit.

„Wir können hier ganz andere Formate anbieten, für die wir bislang keinen Platz hatten“, freut sich Christine Mayer-Simon. Als der Arbeitskreis im Herbst 2020 einzog, mussten allerdings zunächst einige Hinterlassenschaften des HR-Fernsehens beseitigt werden. Der Sender hatte die Villa für Dreharbeiten gemietet und in ein verlassenes Gebäude aus den 1960er Jahren verwandelt. „Schön sah das nicht aus“, erinnert sich Ilona Eschelbach, ebenfalls Vorstandsmitglied des Arbeitskreises. „Wir mussten mehr renovieren als gedacht.“

Zusätzlich erschwerte Corona den Start an der neuen Wirkungsstätte. Geflüchtete konnten sich zwar jederzeit beraten lassen. Und auch die Lernhilfe fand in Präsenz mit schützenden Plexiglasscheiben und den geltenden Abstands- und Hygieneregeln statt. Aber mit vielen Angeboten konnten die Ehrenamtlichen erst in diesem Jahr richtig starten.

Seitdem gibt es hier eine bunte Mischung aus Begegnungs- und Beratungsangeboten, die von Yoga und Hip-Hop über Deutsch- und Musikkurse bis hin zum gemeinschaftlich bewirteten Gemüsegarten reichen. „Die Tür ist immer offen, wenn jemand von uns hier ist“, sagt Christine Mayer-Simon.

Viele Geflüchtete nehmen die Angebote an, fassen dadurch schneller Fuß, lernen die Sprache und erhalten Hilfe bei der Suche nach Wohnung, Ausbildung und Arbeit. „Es sind mittlerweile andere Fragen und Probleme, mit denen die Menschen zu uns kommen“, berichtet die Sprecherin. Vor allem Corona hat viele Familien, die erst seit Kurzem hier leben, betroffen. Viele sind arbeitslos geworden und haben keine Termine mehr beim Jobcenter bekommen. Einige mussten ihre Ausbildung abbrechen, weil es mit Sprachproblemen noch schwieriger als ohnehin schon ist, an Onlinekursen teilzunehmen. „Vieles läuft gerade wieder an, aber die Arbeitssuche bleibt schwierig“, sagt Christine Mayer-Simon.

Im Sommer wurde im Garten des Geländes ein neues Beet angelegt, das gemeinsam bewirtschaftet wird.

Vor allem die Nachfrage nach Deutschkursen sei ungebrochen hoch. Dafür sucht der Verein übrigens weitere ehrenamtliche Helfer. „Viele warten monatelang und haben in dieser Zeit nichts zu tun. Der Bedarf ist riesig.“ Corona habe außerdem monatelang verhindert, dass die Geflüchteten die gerade erst gelernte Sprache anwenden. Dafür bietet der AK Asyl spezielle Konversationskurse an, die sich bei jedem Treffen um ein Thema drehen.

Doch das ehemalige Kling-Gelände steht nicht nur Geflüchteten und den Ehrenamtlichen, sondern allen Maintaler Vereinen und städtischen Gruppen offen. Große Feste soll es mit Rücksicht auf die Nachbarschaft zwar keine geben. Aber für Vorstandssitzungen oder ähnliche Versammlungen können Vereine die Villa und den Garten vom AK Asyl mieten.

Von Bettina Merkelbach

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