Geschwindigkeitsbegrenzung gefordert

Rumpenheimer Weg: Online-Abstimmung vorzeitig beendet - Anwohner machen Vorschläge

Die Anwohner des Rumpenheimer Weges haben konkrete Vorstellungen zur Umgestaltung der Straße.
+
Die Anwohner des Rumpenheimer Weges haben konkrete Vorstellungen zur Umgestaltung der Straße.

Wer in Bischofsheim häufiger als Fußgänger, Rad- oder Autofahrer unterwegs ist, dem muss man kaum erklären, worum es geht: Der Rumpenheimer Weg ist zwar eine der zentralen Ost-West-Verbindungen durch den Stadtteil, aber eine unwegsame, gefährliche Strecke für alle Verkehrsteilnehmer.

Maintal – Viele Kinder laufen zur Schule, an Markttagen konzentriert sich hier der gesamte Auto- und Busverkehr von der Straße Am Kreuzstein zum Fechenheimer Weg. Um vor allem Fahrradfahrer zu schützen, hat der Magistrat von einem Planungsbüro drei Umgestaltungskonzepte entwickeln lassen, über die die Maintaler Bürger abstimmen sollten. Diese Bürgerbefragung wurde allerdings vor einigen Tagen kurzerhand durch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung beendet: Die FDP hatte einen Dringlichkeitsantrag zum Abbruch der Online-Abstimmung gestellt, den die Stadtverordneten einstimmig annahmen.

Online-Umfrage nicht nur für Maintaler zugänglich

Hauptgrund dafür war, dass jeder Internetnutzer über die Neugestaltungsvorschläge abstimmen konnte – und das so oft er oder sie wollte. Die Gefahr eines verfälschten Ergebnisses war dementsprechend hoch. Bei einem zweiten Anlauf, so der Antrag, sei sicherzustellen, dass „nur Maintaler Bürger an der Befragung teilnehmen können und auch nur einmal ein Votum abgeben können“. Unabhängig von diesem jähen Ende der Abstimmung kritisieren Anwohner des Rumpenheimer Wegs den Zeitpunkt und haben eine eigene Gestaltungsvariante für ihre Straße entwickelt.

Das Problem ist nicht neu: Bis zum Jahr 2005 war der Rumpenheimer Weg als Rennstrecke und Unfallschwerpunkt bekannt. Um den Verkehr zu beruhigen und Unfälle zu reduzieren, wurden Pflanzeninseln und Parkbuchten angelegt, die allerdings einen durchgängigen Fahrradstreifen auf beiden Seiten der Straße verhindern.

Schutzstreifen für Fahrräder

Die drei Umgestaltungskonzepte, die der Magistrat zur Wahl gestellt hat, schlagen daher abschnittsweise Fahrrad-Schutzstreifen, einen durchgehenden Schutzstreifen nur auf der nördlichen Straßenseite oder eben den Rückbau aller Pflanzeninseln und Parkbuchten vor.

Damit versuchen die Umgestaltungsvorschläge die Anregungen aus dem 2018 beschlossenen Integrierten Verkehrsentwicklungsplan umzusetzen, der einen Umbau der Straße mit durchgängigen Schutzstreifen auf beiden Seiten empfiehlt.

Anwohner wehren sich gegen Beseitigung der Pflanzeninseln

Die FDP beantragte 2018 die Beseitigung der Pflanzinseln auf der nördlichen Seite, um einen gleichmäßig rollenden Verkehr zu ermöglichen und einen Fahrrad-Schutzstreifen einrichten zu können. Gegen diesen Plan wehrten sich jedoch die Anwohner damals schon vehement mit einer Sammlung von über 200 Unterschriften, sodass die Stadtverordnetenversammlung beschloss, ein Konzept gemeinsam mit den Bürgern zu erarbeiten. „Darauf hatten wir gehofft“, sagt Roland Hahn, der mit weiteren Anwohnern die aktuelle Beschwerde und ein eigenes Umgestaltungskonzept erarbeitet hat.

„Stattdessen wurden wir von den drei Vorschlägen überrascht, über die alle bis vor einigen Tagen online abstimmen konnten. Wir wurden nicht mit einbezogen und unsere Bedenken nicht berücksichtigt.“ Davon abgesehen halten die Anwohner den Zeitpunkt der Online-Abstimmung in der Weihnachtszeit, über den Jahreswechsel und im aktuellen Lockdown für ungünstig. „Man konnte in der Online-Befragung weder angeben, welches Verkehrsmittel man hauptsächlich nutzt noch welches Ergebnis man sich von einer Umgestaltung erwartet. Das ist aus unserer Sicht allerdings essenziell.“ Dass die Abstimmung hauptsächlich online stattfand, schließe außerdem viele ältere Bürger aus.

Anwohner wollen Geschwindigkeitsbegrenzung

In ihren eigenen Umgestaltungsvorschlägen stellen die Anrainer die Sicherheit, eine „Balance der Mobilitätsanforderungen der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer“ und ihre Wohn- und Lebensqualität in den Mittelpunkt. Dazu plädieren sie vor allem für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h – eine Maßnahme, die die drei städtischen Varianten allerdings mit dem Argument, es läge keine rechtliche Begründung dafür vor, gar nicht in Betracht ziehen.

„Der Rumpenheimer Weg ist eine Hauptschulroute. Das hohe Verkehrsaufkommen und die Dichte der angrenzenden Wohnbebauung hat eine hohe Lärmbelastung zur Folge. Unbekannt ist die Höhe der Schadstoffbelastung – alles Gründe, die in anderen Kommunen Geschwindigkeitsbeschränkungen ermöglichen. Warum nicht in Maintal?“, fragt die Initiative. Radschutzstreifen sehen sie in ihren Vorschlägen nicht vor, weil sie, wenn sie überfahren werden dürfen, das Risiko für Fahrradfahrer eher erhöhten als verringerten.

Halteverbotsbereich soll verlängert werden

Die Zebrastreifen sollten durch blau-weiße Hinweismarkierungen sichtbarer gemacht werden. Damit die Kreuzungen zur Sudetenstraße/Gartenstraße und zur Löwenseestraße/Alte Dorfstraße besser einsehbar werden, schlagen die Anwohner vor, die Kreuzungsbereiche farblich hervorzuheben und den Halteverbotsbereich auf bis zu zwölf Meter zu verlängern. An der Einmündung zur Stichstraße sollte zusätzlich ein Zebrastreifen mit blau-weißen Reflektoren eingerichtet werden. Zudem sollten die Parkplätze nur noch von Pkw, nicht von Lieferfahrzeugen genutzt werden können.

Diese Vorschläge werden von rund 100 Bürgern, die größtenteils im Rumpenheimer Weg wohnen, befürwortet. Die Unterschriftenlisten haben die Anwohner mit ihrer Stellungnahme und ihren eigenen Gestaltungsvorschlägen an den Magistrat und alle Fraktionen des Stadtparlaments geschickt. „Wir erhoffen uns das, was die Stadtverordnetenversammlung eigentlich 2019 schon beschlossen hatte: dass wir in den Dialog treten und unsere Vorstellungen in die Diskussion um eine Umgestaltung des Rumpenheimer Wegs einbringen können“, sagt Roland Hahn für die Anwohnerinitiative.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare