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„Waren abgemagert und verängstigt“: Wildtierfreundin päppelt drei Feldhasen wieder auf

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Die Hasen sollen wieder ausgewildert werden.
Die Hasen sollen wieder ausgewildert werden. © Kristina Bräutigam

Rundum-Service fürs Langohr-Trio: Sonja Niebergall von den Wildtierfreunden Maintal bereitet drei ehemals verwahrloste junge Hasen auf die Auswilderung vor. 

Maintal – Eigentlich ist es sein Wochenende. Doch in Osterlaune ist der kleine Feldhase so ganz und gar nicht. „Ich habe wirklich noch nie so einen bösen Hasen gehabt. Ein richtiger Griesgram“, sagt Sonja Niebergall und lacht. Vorsichtig schiebt sie ihre Hand in den Käfig, um den Rammler zu streicheln, schon beißt er zu, kratzt und verkriecht sich dann wieder in seine Ecke.

Seit zwei Wochen kümmert sich die Vorsitzende der Wiltierfreunde Maintal um drei kleine Feldhasen. Als Niebergall den Rammler und die beiden Häsinnen im Tierheim Frankfurt abholt, sind sie in bemitleidenswertem Zustand. „Es hatte geschneit, die Hasen waren total durchnässt, abgemagert und verängstigt.“

Sonja Niebergall aus Maintal übernimmt die Rolle der Hasen-Mutter

Die beiden weiblichen Jungtiere müssen gerade erst das Licht der Welt erblickt haben, der Rammler ist erst eine, maximal zwei Wochen alt. Wo die Hasen gefunden wurden, ist nicht klar. Leider komme es immer wieder vor, dass Spaziergänger junge Feldhasen mitnehmen, wenn diese scheinbar allein und verlassen am Feldrand sitzen, berichtet Niebergall. Doch in der Regel sei das kein Grund zur Sorge: „Hasen werden mit Fell und offenen Augen geboren und schon kurz danach von ihrer Mutter verlassen“, erklärt Niebergall.

Die Häsinnen besuchen und säugen ihren Nachwuchs regelmäßig, aber immer nur kurz und wenige Male am Tag. So vermeiden sie, dass Beutegreifer auf die Jungtiere aufmerksam werden. Die Jungen warten in der sogenannten Sasse, einer flachen Mulde zwischen Ackerfurchen, drücken sich tief auf den Grund und sind so dank ihrer Fellfarbe für Feinde nahezu unsichtbar.

Die Rolle der Hasen-Mutter hat jetzt Sonja Niebergall übernommen. Weil die Langohren aus Maintal eine Rundum-Betreuung brauchen, nimmt sie die Tiere mit zu sich nach Hause. Damit sie zu Kräften kommen, bekommen die Jungtiere Aufzuchtsmilch aus dem Fläschchen, anfangs auch nachts. Zu fressen gibt es getrocknete Kräuter wie Löwenzahn oder Spitzwegerich. „Hasen sind kleine Feinschmecker“, weiß die 62-Jährige.

Maintal: Hasen-Kinder sollen irgendwann ausgewildert werden

Mittlerweile gibt es nur noch morgens, mittags und abends ein Fläschchen, um 22 Uhr ist Schlafenszeit. Es sei am Ende wie mit echten Babys. „Irgendwann will man ja auch mal wieder durchschlafen.“ Tagsüber nimmt Sonja Niebergall die Hasen in ihren Transportboxen mit auf ihre Arbeitsstelle im Frankfurter Palmengarten. Ein echter Vollzeit-Job.

Mama auf Zeit: Sonja Niebergall, Vorsitzende der Wildtierfreunde Maintal, mit dem kleinen Rammler.
Mama auf Zeit: Sonja Niebergall, Vorsitzende der Wildtierfreunde Maintal, mit dem kleinen Rammler. © Kristina Bräutigam

Namen haben die Hasen ganz bewusst nicht. Das mache sie grundsätzlich nicht, sagt Sonja Niebergall. „Ich will sie nicht zu sehr vermenschlichen. Es sind Wildtiere. Deshalb sollen sie auch wieder in die Natur zurück.“ Die Hasen-Kinder sollen ausgewildert werden, wenn sie etwa zwölf Wochen alt sind. Ein Revier hat die 62-Jährige schon ausgeguckt. Wo es liegt, verrät sie nicht. Irgendwo im Main-Kinzig-Kreis, sagt sie und lächelt.

Maintal: Hasen bekommen Ohrmarken zur Nachverfolgung

Doch bis dahin heißt es abwarten. Denn noch sind die Häsinnen und der Rammler nicht über den Berg. „Oft haben die Tiere Bakterien oder Parasiten“, sagt sie. Dann könne sichder Zustand schnell wieder verschlechtern.

Nicht gerade in Osterstimmung: Der kleine Rammler ist laut Pflege-Mama ein echter Griesgram.
Nicht gerade in Osterstimmung: Der kleine Rammler ist laut Pflege-Mama ein echter Griesgram. © Kristina Bräutigam

Bevor sie zurück in die Freiheit hoppeln dürfen, werden die Langohren gegen noch die Chinaseuche geimpft. Vor den anderen Bedrohungen kann Sonja Niebergall ihre Pflegekinder nicht beschützen. Durch die Intensivierung in der Landwirtschaft verliert der Feldhase immer weiter an Lebensraum und Nahrungsangebot. Äcker werden vollständig abgeerntet, Ackerrandstreifen oder brachliegende Flächen, auf denen der Feldhase Nahrung und Deckung findet, gibt es kaum noch. Feinde wie Greifvögel, Füchse oder Marder haben leichtes Spiel. Die Rote Liste gefährdeter Arten stuft den Feldhasen mittlerweile bundesweit als „gefährdet“ ein.

Die Maintaler Häschen bekommen vor der Auswilderung noch Ohrmarken verpasst. So lässt sich mit ein bisschen Glück ihr Werdegang verfolgen. „Natürlich hofft man bei allen Schützlingen, dass sie alt werden“, sagt Sonja Niebergall, die mit ihrem Team jedes Jahr bis zu 2000 Tiere aufpäppelt. Wenn die drei Feldhasen Glück haben, können sie immerhin bis zu zwölf Jahre durch Feld und Wiesen hoppeln. (Kristina Bräutigam)

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