Hunderte Anfragen

Schon lange an Belastungsgrenze: Arzt aus Maintal über die Pandemie und die Impfstrategie

Im Dauereinsatz: Bei Thomas Blaschek und dem Team vom MVZ-Maintal machen sich die Anstrengungen der Corona-Pandemie längst bemerkbar.
+
Im Dauereinsatz: Bei Thomas Blaschek und dem Team vom MVZ-Maintal machen sich die Anstrengungen der Corona-Pandemie längst bemerkbar.

„Ich persönlich merke, dass die Kräfte nach 15, 16 Monaten schwinden“, sagt Thomas Blaschek. Die Corona-Pandemie verlangt dem Arzt und seinem Team im Medizinischen Versorgungszentrum Maintal alles ab. Doch die Impfkampagne stimmt ihn zuversichtlich.

Maintal – Ende März konnte bei den Hausärzten mit dem Impfen losgelegt werden. Zumindest bei denen, die sich für das Pilotprojekt des Main-Kinzig-Kreises gemeldet hatten. Dazu zählte auch Blaschek, der am ersten Tag bis spät abends 120 Impfungen verabreichte. Mittlerweile sind es insgesamt fast 3000 Impfungen.

„Wir sind mit Impfdosen gut versorgt worden, das lief vorbildlich“, sagt Blaschek. Allein am gestrigen Mittwoch wurden in der Praxis 100 Menschen geimpft. „Das ist der normale Wahnsinn. Das kostet viel Kraft.“ Wie viele andere Hausärzte auch hätte er jedoch gerne noch mehr Impfdosen erhalten. Mittlerweile sei im MVZ ein Großteil der Patienten, die zu den Priorisierungsgruppen gehören, geimpft worden.

Aufhebung der Priorisierung könnte für erneuten Ansturm sorgen

Für eine Entlastung sorgt das jedoch nicht, erzählt Blaschek. Schließlich führt die Aufhebung der Impfpriorisierung dazu, dass sich jeder, der will, für einen Termin anmelden kann. Einen Ansturm auf Termine gab es Anfang der Woche jedoch nicht – oder er wurde gar nicht mehr wahrgenommen.

„Irgendwann kann man es nicht mehr steigern. Wenn man jede Woche hundert Mails mit Anfragen bekommt, machen dann 150 auch nicht viel mehr aus. Viel ist einfach viel“, sagt Blaschek. Um die Nachfrage bewältigen zu können und nicht im Terminchaos zu versinken, wurde im MVZ eine zusätzliche Bürokraft eingestellt. „Die wird sich den ganzen Tag um Termine und Anfragen kümmern“, so Blaschek, „sonst kommen wir einfach nicht hinterher.“

Neben Corona bleibt auch der normale Praxisalltag

Blaschek selbst ist seit Beginn der Pandemie im Dauereinsatz. „Wir haben in unserer Praxis alles mitgemacht, was ging“, erzählt er. Los ging es mit den PCR-Testungen, bei denen das MVZ zur Schwerpunktpraxis wurde. Später wurde man von der Regierung mit der Ankündigung überrascht, dass für Urlauber kostenlose Tests angeboten werden. „Das war Chaos, da gab es wenig Vorbereitung“, erinnert sich Blaschek.

Und schließlich gibt es auch noch den Praxisalltag neben Corona. „Das alles läuft neben dem normalen Geschäft. Es kommen weiterhin Patienten, die Bauchschmerzen haben und in kürzester Zeit kommt es zum Darmverschluss. Das sind Notfälle, die nicht einfach wegen Corona wegfallen. Das macht es natürlich schwieriger“, sagt er.

Blaschek ist zusätzlich regelmäßig im Impfzentrum im Einsatz. Die Einrichtungen hält Blaschek grundsätzlich für gut, allerdings gebe es auch Dinge, die besser hätten laufen können. „Man hätte die älteren Gruppen bei den Hausärzten impfen lassen sollen. Dort herrscht Vertrauen, dort kennt man die Krankenakte. Die jungen Leute sind mobil und spontan, die sollten in die Impfzentren“, stellt er klar. Letztlich seien es die Hausärzte gewesen, die „den Speed in die Impfkampagne gebracht haben.“

Maintal: Arzt kann Kritik an Impfstoffen nicht nachvollziehen

Wenig Verständnis hat Blaschek für Kritik an den Impfstoffen, allen voran an AstraZeneca. „Da gibt es den Preis für das schlechteste Marketing im 21. Jahrhundert“, sagt Blaschek. Viele Menschen seien durch das Hin und Her verunsichert worden, das Vertrauen in den Impfstoff wurde geringer. „Ich hätte mir zu jedem Zeitpunkt jeden Impfstoff geben lassen“, untermauert Blaschek sein Vertrauen. Dass viele ältere Menschen den Impfstoff von AstraZeneca abgelehnt hätten, während viele junge Menschen noch immer auf einen Impftermin warten, habe die Situation nicht leichter gemacht. „Da gibt es große Ungerechtigkeiten, auch zwischen den einzelnen Bundesländern“, sagt Blaschek. Die Sorgen und Ängste der Menschen kommen dann bei ihm an. „Das sind Diskussionen, die nimmt man mit nach Hause.“

Durch die sinkenden Fallzahlen und gelockerten Maßnahmen nahm Blaschek zuletzt eine zunehmende Sorglosigkeit war. „Die Angst und die Anspannung lassen nach, die Menschen werden zunehmend leichtsinnig. Dann kann ich es nicht verstehen, wenn man sich nicht testen lässt. Das Risiko muss man nicht eingehen“, appelliert Blaschek. (Von Michael Bellack)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare