Maintal

CDU und SPD sind für den "Green Tower"

Der Weg für die Planung eines 17-stöckigen Hochhauses auf der Freifläche des Michel-Hotels am Dörnigheimer Ortseingang ist frei. CDU und SPD befürworten das Vorhaben. Luftbild: Axel Häsler

Maintal. Auch Beton kann für heftige Gefühlsregungen sorgen. Zumindest dann, wenn er zu einem Hochhaus verbaut wird. Etwa zu einem möglichen „Green Tower“, der am Ortseingang von Dörnigheim entstehen könnte – und nach dem Willen von SPD und CDU auch tatsächlich entstehen soll.

Von Martina FaustIn der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend unterstützten die Fraktionsvertreter der beiden großen Parteien das Vorhaben, auf dem Gelände des Michel-Hotels im Dörnigheimer Westend ein 17-stöckiges Hochhaus zu errichten. Dafür kassierten sie von WAM, Grünen und FDP heftige Kritik. Und auch der Erste Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) klinkte sich in die emotional geführte Debatte ein und goss durch seine Ausführungen und eine Kurzpräsentation der baulichen Zusammenhänge unbeabsichtigt ordentlich Öl ins Feuer.

Anlass der Auseinandersetzung ist ein gemeinsamer Antrag der SPD- und CDU-Fraktion, die eine „unverzügliche Änderung des Bebauungsplans“ im Bereich der Westendstraße anstreben, damit auf dem Areal neben dem Michel-Hotel das Projekt „Green Tower Maintal“ realisiert werden kann. Dabei handelt es sich um ein Vorhaben des Hotel-Inhabers Ido Michel, der auf einem ungenutzten Teil des Grundstücks durch Nachverdichtung 60 Wohnungen schaffen möchten. Allein aufgrund seiner Größe und Architektur würde der „Green Tower“ den östlichen Ortseingang von Dörnigheim maßgeblich prägen.

Fraktionen liefern sich im Bauausschuss eine emotionale Debatte

Für WAM, Grüne und FDP ist das Projekt eindeutig zu viel des Guten. Sie verwiesen unisono auf das im September 2017 beschlossene und gemeinsam – auch unter Einbeziehung der Bürger – erarbeitete Stadtentwicklungskonzept. Dieses sieht „Qualitätswachstum“ vor. Unter anderem soll bei Wohnbebauungen darauf geachtet werden, „dass die Häuser in der Regel nicht mehr als vier Vollgeschosse aufweisen“.

Auf die Einhaltung dieses Beschlusses pocht die FDP, während SPD und CDU im vorliegenden Fall von der Regel abweichen wollen. „Wir finden das Konzept sehr gut“, stellte Jennifer Gutberlet (SPD) klar. Beide Fraktionen sehen darin die Möglichkeit, für Durchmischung zu sorgen, gegen Wohnungsnot vorzugehen und einen positiven Impuls für das Westend zu schaffen.

"Das Projekt ist für uns eine Ohrfeige", so der Erste Stadtrat Sachtleber

Der Erste Stadtrat arbeitete indessen die Schattenseiten des Projekts heraus. „Das wäre eine fast vollständige Bebauung des Grundstücks“, verwies er auf die 80-prozentige Verwertung der Fläche. Zudem würde sich das Gebäude im Gegensatz zu den jetzigen Hochhäusern nur schwer in das Landschaftsbild einfügen. „Die jetzigen Hochhäuser verstecken sich hinter der Begrünung“, so der Baudezernent. Das wäre mit dem „Green Tower“ nicht möglich. „Das Projekt ist für uns eine Ohrfeige an die stadtplanerischen Bemühungen der vergangenen fünf Jahre“, so Sachtleber.

Auch den Hinweis auf den hohen Bedarf an Wohnraum ließ der Stadtrat nicht gelten und verwies auf die regen Aktivitäten der erst im Oktober gegründeten Maintal Immobilien Gesellschaft (MIG). „In den nächsten fünf Jahren werden rund 500 Wohneinheiten entstehen. Wir sind doch schon schnell. Wir müssen doch jetzt nicht mit 17 Stockwerken rechts überholen. Und wenn, dann nicht im Vorgarten vom Michel-Hotel“, appellierte Sachtleber in einem durchaus emotionalen Redebeitrag, für den er schließlich Applaus erntete – aber nicht von SPD und CDU. Im Gegenteil. „Null Verständnis“ hatte eine sichtbar aufgebrachte Jennifer Gutberlet für den „überflüssigen 22-minütigen Vortrag“.

Endgültige Entscheidung trifft das Parlament

Ebenso für die Bemühungen von FDP, WAM und Grünen, sich umstimmen zu lassen. So wollte Klaus Gerhard (FDP) den Antrag noch einmal schieben, weil er Beratungsbedarf sah – allerdings nicht bei seiner Partei, sondern bei CDU und SPD. Und Thomas Wörner (WAM) bot an, in eine Sitzung der SPD für einen Austausch über dieses Thema zu kommen, was Gutberlet mit dem Hinweis darauf, dass die Sozialdemokraten erwachsen seien und sich nicht an die Hand nehmen lassen müssten, dankend ablehnte.

Mit ihrer Mehrheit stimmten CDU und SPD schließlich für den Antrag und damit für die Änderungen des Bebauungsplans. Das endgültige Votum wird am Dienstag, 11. Juni, um 18 Uhr in der öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten fallen. Dabei ist kaum mit einem anderen Stimmungsbild zu rechnen. Der Weg für eine konkrete Planung des „Green Towers“ wäre damit frei, wobei vor allem die Gegner mit Spannung erwarten dürften, wie der Bauherr die notwendigen 120 Stellplätze realisieren möchte.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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