Sorge vor Spekulanten

Stadt will sich Vorkaufsrecht sichern: Über 400 Wohnungen könnten auf Flurstücken am Ortseingang entstehen

Auf den Grundstücken zwischen Kennedystraße und Kesselstädter Straße gegenüber vom Real könnte ein neues Mischgebiet entstehen. Die Stadt will bei möglichen Käufen die Oberhand haben. Archiv
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Auf den Grundstücken zwischen Kennedystraße und Kesselstädter Straße gegenüber vom Real könnte ein neues Mischgebiet entstehen. Die Stadt will bei möglichen Käufen die Oberhand haben. Archiv

Was derzeit noch Ackerland ist, könnte bald schon teures Bauland werden. Die Fläche gegenüber vom Real-Gelände am Eingang von Dörnigheim ist für die Stadt von hohem Interesse, deshalb möchte sie ein Vorkaufsrecht haben. Dieses Interesse könnte jedoch die Preise in die Höhe treiben. So zumindest die Befürchtungen im Haupt- und Finanzausschuss.

Maintal – „Die Vorlage, die jetzt eingebracht wurde, kommt um Jahre, um Jahrzehnte zu spät“, sagte Thomas Schäfer von der FDP. Durch die Machbarkeitsstudie, die von der Baulandoffensive Hessen erstellt wurde, wisse nun jeder, dass es Planungen für das Gelände gibt. „Jeder kann sich jetzt darauf einstellen, dass das ganze nicht Brachland, sondern Bauerwartungsgebiet ist, jeder hat die Möglichkeit, investiv tätig zu werden“, so Schäfer weiter. „Am Ende muss man hohe Preise für Grundstücke zahlen, die zu Wald und Wiese werden.“

Über 400 Wohneinheiten könnten entstehen

Denn ob auf den beiden Flurstücken zwischen Kesselstädter Straße und Kennedystraße gebaut wird, steht noch lange nicht fest. „Mit der Machbarkeitsstudie hat die Stadt Maintal öffentlich gezeigt, dass sie dort Potenzial sieht“, erklärte Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos). Die Machbarkeitsstudie gebe allerdings nur eine Idee, was möglich sei.

Auf den rund 160 000 Quadratmetern könnte ein Mischgebiet entstehen. 405 Wohneinheiten wären laut der Baulandoffensive denkbar, bestehend aus einer Mischung aus Geschosswohnungsbauten und Einfamilienhäusern. Hinzu kommen Flächen für ein Gewerbegebiet und möglicherweise eine Kita.

Grüne und WAM haben keine Bedenken vor zu hohen Preisen

Problem aus Sicht der Stadt sind die verschiedenen Eigentümer. Um künftig die Kontrolle über die Flächen zu behalten, will der Magistrat nun das Vorkaufsrecht beschließen. „Die Vorkaufssatzung ist ein strategisches Instrument. Es ist wichtig, dass wir hier nicht Zuschauer sind, sondern dass wir mit dabei sind“, so die Sicht von Bürgermeisterin Böttcher. Die Bedenken vor überhöhten Grundstückspreisen und Investoren teilten die Ausschussmitglieder der Grünen und der WAM nicht.

„Grundsätzlich ist ein Vorkaufsrecht für eine Gemeinde nie etwas Schlechtes. Es ist wichtig, dass die Gemeinde eigene Grundstücke besitzt, auch um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, so Jörg Schuschkow (WAM). „Ich würde das nicht mit Bedenken überladen“, führte er aus. Ähnlich sah es Friedhelm Duch (Grüne): „Ich glaube nicht, dass es zu gigantischen Preisen kommt. Das Risiko, auf teuer gekauftem Stück Acker sitzen zu bleiben, ist zu groß für Spekulanten.“ Schließlich sei es möglich, dass auf der Fläche gar nicht gebaut werden soll.

Zahlreiche Bauvorhaben am Ortseingang von Dörnigheim

Der Antrag wurde ohne Beschlussempfehlung an die Stavo am Montag weitergegeben, bei der Abstimmung setzte sich die Dreierkoalition aus CDU, SPD und FDP gegen Grüne und WAM durch. Schäfer hatte angemerkt, dass sich die Fraktionen noch einmal beraten sollen. Schließlich müsse man bei allen Überlegungen auch das Gesamtgebiet mit einbeziehen.

Denn am Ortseingang von Dörnigheim könnte sich eine Menge tun. Schließlich werden auch die Planungen für das Real-Gelände direkt gegenüber vorangetrieben.

Zählt man zusätzlich die geplanten Projekte am Opel-Eck (90 Wohneinheiten) und am Alten Kesselstädter Weg (80 Wohneinheiten) hinzu, könnten in Dörnigheim rund 1000 neue Wohneinheiten entstehen. Das könnte bis zu 3000 neue Einwohner bedeuten – ein Zuwachs in der Größe des Stadtteils Wachenbuchen.

Von Michael Bellack

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