Stadtratswahl in Maintal

Von der Malsburg nennt die vergiftete Atmosphäre als Grund für den Rückzug ihrer Kandidatur

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Marlies von der Malsburg hat bereits am Freitag ihre Kandidatur zurückgezogen.

Marlies von der Malsburg zieht ihre Kandidatur zurück und wird nicht bei der Stadtratswahl am kommenden Montag antreten. Als Gründe nennt die SPD-Kandidatin unter anderem eine „vergiftete Atmosphäre, die die Kommunalpolitik in Maintal bestimmt“.

Die Maintaler SPD wird am heutigen Samstag in einer Sondersitzung des Parteivorstandes und der Fraktion über die Vorkommnisse beraten und die neue Situation bewerten, heißt es in einer Mitteilung. Ob es einen alternativen Kandidaten aus den Reihen der Maintaler Sozialdemokraten für die Wahl geben wird, ist bislang unklar. 

Die Maintaler SPD hatte Marlies von der Malsburg Mitte Januar aufs Schild gehoben. Zuvor hatte es laut Fraktionschef Sebastian Maier eine andere Kandidatur aus Reihen der Partei gegeben, die aber aus beruflichen Gründen wieder zurückgezogen worden sei. Um wen es sich dabei handelt, wollte die SPD nicht sagen. Mit der gebürtigen Westfälin von der Malsburg hatte der Parteivorstand schließlich Ersatz gefunden – und war mit dieser Kandidatur sicher, die Richtige für das Rennen ums Hauptamt gefunden zu haben. 

Von der Malsburg meint, die Grünen seien über das Ziel hinausgeschossen

„Frau von der Malsburg steht für eine progressive, ökologische Politik. In wenigen Wochen hat sie mit großem Einsatz Maintal kennengelernt und sich detailliert in die aktuellen Themen unserer Stadt eingearbeitet“, heißt es in einer Mitteilung der SPD. Und weiter: „Ihre Bereitschaft, im engen Miteinander mit allen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung Maintal und mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt konstruktiv, vertrauensvoll und an der Sache orientiert zu arbeiten, hat sie in vielen Gesprächen untermauert.“ Umso schockierter gewesen sei man über „den unsachlichen Gegenwind, verbunden mit persönlichen Angriffen und Diffamierungen, denen sich Frau von der Malsburg in den vergangenen Wochen ausgesetzt sah“. 

Diese „persönlichen Angriffe“ seien vornehmlich von den Maintaler Grünen ausgegangen. „Mit dem Vorwurf, dass meine 'einzige Qualifikation meine Parteizugehörigkeit' sei, schießen Bündnis 90/Die Grünen weit übers Ziel hinaus“, so von der Malsburg. Sie könne parteipolitischen Streit gut verstehen. „Ich denke, jedes Parteimitglied ist daran interessiert, die Linie der eigenen Partei aus Überzeugung durchzusetzen.“ Harte Diskussionen seien wichtig, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch sie habe mehr und mehr den Eindruck gewonnen, dass es einigen nicht mehr um einen inhaltlichen Diskurs gehe. 

Der Umgang mit der SPD-Kandidatin sei unangemessen

„Ich habe mich in den vergangenen Wochen in die Stadt und ihre Themen eingearbeitet und meine Ideen und Vorstellungen bei diversen Veranstaltungen, zuletzt bei der Podiumsdiskussion, zu der die Grünen eingeladen hatten, dargelegt. Mir dann zu unterstellen, meine einzige Qualifikation sei mein Parteibuch, ist nicht nachvollziehbar und ehrlich gesagt auch beleidigend.“ Sie habe in den letzten Tagen und Wochen festgestellt, dass eine vergiftete Atmosphäre die Kommunalpolitik in Maintal bestimme. 

„Ich persönlich nehme die Art des Umgangs als unangemessen wahr. Deshalb konnte ich für mich persönlich keine Perspektive einer konstruktiven Zusammenarbeit im Sinne einer zukunftsweisenden sozialen und ökologischen politischen Strategie für Maintal erkennen und habe mich deshalb schweren Herzens entschieden, meine Kandidatur zurückzuziehen.“

Friedhelm Duch (Grüne) weist den Vorwurf zurück

 Die Grünen weisen die Vorwürfe von der Malsburgs und der SPD unterdessen zurück. „Wir haben nicht gesagt, dass die Kandidaten von der FDP, CDU und SPD keine andere Qualifikation als ihre Parteizugehörigkeit vorweisen können“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Friedhelm Duch auf Anfrage unserer Zeitung. In der Diskussion rund um das Thema Stadtratswahl sei das Wort „Bestenauswahl“ gefallen. „Und wenn SPD, CDU und FDP jeweils einen Kandidaten aus den eigenen Reihen nominieren, dann muss man sich den Vorwurf der Parteibrille schon gefallen lassen.“ 

Die Fraktion hatte am Freitag zudem gefordert, dass ein Nachfolger von Amtsinhaber Ralf Sachtleber (parteilos) nur von einer breiten Mehrheit gewählt werden solle. „Einen dritten Wahlgang, der mit einer relativen Mehrheit dazu führen könnte, dass eine Frau oder ein Mann mit 14, 15, oder 16 Stimmen in dieses Amt kommt, lehnen wir ab“, so Duch. „Es wäre für egal wen ein denkbar schlechter Start, wenn man sich schon am Abend der Wahl mit der Ablehnung einer Mehrheit der Stadtverordneten konfrontiert sähe. Daher werden wir in diesem und nur in diesem Fall den Abbruch der Wahlhandlung beantragen.“ 

Grüne wollen WAM-Kandidatin Sabine Freter unterstützen

Die Grünen hätten sich den anderen Fraktionen gegenüber dafür ausgesprochen, Sachtleber das Amt kommissarisch noch ein Jahr weiterführen zu lassen, um nach der Kommunalwahl im kommenden Jahr eine Person zu wählen, die das Vertrauen einer breiten Mehrheit der Stadtverordneten genieße, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Monika Vogel. Im Übrigen werde ihre Fraktion die Nominierung der parteilosen Kandidatin Sabine Freter von der Wahlalternative Maintal (WAM) unterstützen. Das hatten die Grünen bereits vor der geplatzten Stadtratswahl Anfang Februar angekündigt. 

Auch die anderen Fraktionen im Maintaler Parlament haben sich zum Rückzug der SPD-Kandidatin geäußert. „Wir möchten ihr ausdrücklich dafür danken, dass sie sich dem demokratischen Wettstreit gestellt hat. Denn nur wenn Menschen den Mut haben, sich einer Wahl zu stellen, kann unser freiheitliches Gemeinwesen bestehen“, so FDP-Fraktionschef Thomas Schäfer auf Anfrage. Die Fraktion halte ihre Nominierung von Anahit Schäfer aufrecht und werbe weiterhin für deren Wahl. 

Auch andere Fraktionen haben sich geäußert

Von der CDU heißt es: „Marlies von der Malsburg wurde vorgeworfen, dass ihre einzige Qualifikation das SPD-Parteibuch sei. Indem man sie auf die Mitgliedschaft in der SPD reduzierte, hat man Frau Marlies von der Malsburg wegen ihrer politischen Grundhaltung diskriminiert. Wir Christdemokraten begrüßen ausdrücklich den demokratischen politischen Wettbewerb und lehnen es entschieden ab, wenn jemand wegen seines Geschlechts, einer demokratischen politischen Haltung, seiner Religion oder seiner Hautfarbe angegriffen wird.“

Die WAM, drittgrößte Fraktion des Maintaler Stadtparlaments, war am Freitag trotz mehrerer Kontaktversuche für die Redaktion nicht erreichbar.

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