Maintal

Thorsten Bergmann ist Feldschütz - wir haben ihn begleitet

Thorsten Bergmann ist nicht nur im Feld, sondern auch am Wasser unterwegs. Am Mainufer überprüft er den Angelschein eines Anglers.Foto: Martina Faust

Maintal. Nostalgisch verklärt ist das Bild eines Feldschützen, das ich vor meinem inneren Auge habe. Ein Mann, am besten in Loden, der sein Gewehr schultert und über die sonnenbeschienenen Hänge der Hochstädter Hartig streift, um auf reife Früchte aufzupassen.

Von Martina Faust

Thorsten Bergmann tritt mir in der Uniform eines Maintaler Ordnungspolizisten entgegen und unternimmt seine Streifzüge nicht zu Fuß, sondern gemeinsam mit seinem Kollegen Karsten Soer im Pkw.

„Für einen Streifengang ist das Gebiet mit 32 Quadratkilometern einfach zu groß“, lacht er. Außerdem umfasst der Feldschutz weit mehr, als nur Obstdiebstahl zu ahnden. Der passiert auf den Maintaler Streuobstwiesen – zumindest im großen Stil – ohnehin äußerst selten. „In dieser Saison ist mir noch kein einziger Fall zu Ohren gekommen“, sagt Bergmann, der seit 1. Juni 2018 die Aufgaben eines Feldschützen wahrnimmt.

Illegale Entsorgung von Abfall ist ein großes Problem

Einen möglichen Grund sieht er in der starken Kontrolldichte. „Seit Mai sind wir auch sonntags im Einsatz“, sagt er. In Kooperation mit einem externen Dienstleister finden auch jenseits der offiziellen Dienstzeit der Ordnungspolizisten, also nach 19 Uhr, Kontrollen in Maintal statt. Denn tatsächlich ereignen sich die meisten Vorfälle in den Abend- und Nachtstunden, sodass die beiden Ordnungsbeamten auf ihren Touren meist nur die Spuren, aber selten die Täter finden.

Wie im Fall von illegalen Abfallablagerungen. „Denn im Feldschutz treffen gleich mehrere Einsatzgebiete aufeinander“, erklärt Soer und nennt als Beispiele Umweltschutz, Verkauf und Konsum von Betäubungsmitteln oder Jugendschutz. Und so jagt das Duo eher selten Apfeldiebe, sondern wird vor allem bei Umweltdelikten tätig. „Allein im vergangenen Jahr hatten wir über 1000 Altreifen im Natur- und Landschaftsschutzgebiet und ich fürchte, dass wir diese Marke knacken werden“, sagt Bergmann.

„Wenn sich die Kontrollen rumsprechen, haben wir schon einiges erreicht“

Ob Bauschutt, Altöl, Autobatterien, Reifen, Haushaltsmüll – es findet sich so ziemlich alles an entlegenen Plätzen, die mit dem Fahrzeug aber gut zu erreichen sind. Oder die lauschigen Plätze, die zum Grillen einladen. Erst vor wenigen Tagen löschte Bergmann ein Glutnest, weil Gefahr bestand, dass sich das Feuer auf die angrenzende trockene Wiese ausbreitet. „Es gibt nur einen öffentlichen Grillplatz, den am Maintaler Surfsee“, unterstreicht Karsten Soer.

An diesem Vormittag nimmt mich das Team mit auf eine Kontrollfahrt, die das breite Aufgabenspektrum anschaulich abbildet. Erste Station ist das Dörnigheimer Mainufer. Von der Kesselstädter Schleuse aus geht es auf dem Leinpfad entlang bis zur Rumpenheimer Fähre. Hier haben beide ein Auge auf mögliche Vandalismusschäden, entsorgten Abfall, aber auch auf die Angler. Nur einen treffen wir an diesem Vormittag an. Bergmann lässt sich dessen Angelschein zeigen. Alles in Ordnung. „Die illegalen Angler kommen eher in den Abendstunden“, sagt der Feldschütz. Trotzdem ist das Team unterwegs. Vorbeugend. „Wenn sich die Kontrollen rumsprechen, haben wir schon einiges erreicht“, erklären sie.

Aufklärung im Gespräch anstelle von Knöllchen

Freundlich erkundigen sich beide nach dem bisherigen Fang – nur ein Rotauge – und wünschen Petri Heil. Der Kontakt zu den Menschen, das Gespräch, liegt ihnen am Herzen. Sie möchten als Partner, nicht als Kontrolleure und Ahnder gesehen werden, auch wenn sich das manchmal nicht vermeiden lässt. „Wir suchen immer zuerst das Gespräch, weil wir so auch Aufklärungsarbeit leisten können“, erläutert Bergmann.

Kooperation statt Konfrontation. „Mit Blick auf die Obstwiesen beispielsweise wissen viele gar nicht, dass es sich hierbei um Privatgrundstücke handelt“, erzählt er. „Es heißt zwar, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, fügt sein Kollege Soer an, „aber gerade in der Feldgemarkung sind die Regelungen komplex. Wenn mir jemand sagt 'Oh, das wusste ich gar nicht', nehme ich ihm das in den meisten Fällen auch ab“.

Ein Mann zum Pferdefangen

So wie bei einem Autofahrer, der auf einem Feldweg ein wenig abseits der Landstraße zwischen Bischofsheim und Niederdorfelden für eine kurze Pause geparkt hat. Beide steigen aus und klären den Fahrer auf, dass er hier nicht stehen darf, und geben ihm einen Tipp, wo er stattdessen kurz parken kann. Der Fahrer bedankt sich freundlich und startet den Motor. Keine Verwarnung, die 30 Euro kosten würde. Eben auch eine Frage des Miteinanders.

Zum Dienst des Feldschützen gehört aber nicht nur die Kontrollfahrt durch Maintal, sondern auch der Innendienst. „Obwohl ich manchmal schon gerne mehr draußen unterwegs wäre“, räumt Bergmann ein, mit dem sich zwar keine Pferde stehlen, wohl aber welche fangen lassen, wenn mal wieder rein Ross ausgebüxt ist. Auch dann ist er mit seinem Kollegen Karsten Soer zur Stelle.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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