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Trommeln von Metallica und den Rolling Stones: Drum Station Maintal ist ein Paradies für Drummer

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Von: Michael Bellack

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Gründer und Nachfolger: Mit Reiner Lendels (links) Musikgeschäft fing vor 27 Jahren alles an. Jetzt hat Joachim Schmidt die Geschäfte der Drum Station übernommen.
Gründer und Nachfolger: Mit Reiner Lendels (links) Musikgeschäft fing vor 27 Jahren alles an. Jetzt hat Joachim Schmidt die Geschäfte der Drum Station übernommen. © Michael Bellack

Auf den ersten Blick fühlt man sich ein bisschen an das Spiel Tetris erinnert, wenn man die Drum Station in der Maintaler Karlstraße betritt. Hier stapeln sich Hunderte Schlagzeugsets, Trommeln, Becken, Trommelstöcke und sämtliches Zubehör, das das Schlagzeugerherz lauterschlagen lässt. Neuer Herrscher über das Schlagzeug-Imperium ist Joachim Schmidt.

Maintal – Im Juli dieses Jahres hat Schmidt die Geschäfte übernommen. Nach 27 Jahren hat Gründer Reiner Lendel den Trommelstock weitergegeben, um sich in den verdienten Ruhestand zu verabschieden. Für den passionierten Schlagzeuger ist es jedoch eher ein Unruhestand, denn der 65-Jährige ist weiterhin tageweise in der Drum Station aktiv. Diese hat sich seit der Gründung 1994, damals noch als Musikgeschäft mit Vollsortiment, zu einem absoluten Spezialisten auf dem Gebiet der Schlagzeuge entwickelt. „Man muss sich spezialisieren, allein schon für die besseren Preise“, sagt Lendel.

Mittlerweile ist die Drum Station nicht nur in Deutschland, sondern europaweit Anlaufpunkt für Musiker. Das gilt für Einsteiger, die ihr erstes Schlagzeug kaufen, ebenso wie für die absoluten Stars im Musikgeschäft. „Für die Größen in der Branche sind wir schon ein Name. Das ist ein bisschen wie im Süßwarengeschäft für Schlagzeuge“, sagt Schmidt.

Vor Kurzem war Helge Schneider Kunde in der Drum Station. Der nahbare Musiker und Komiker war auf der Suche nach einem besonderen Instrument. „Wir haben uns intensiv über Musik und Instrumente unterhalten“, sagt Schmidt. „Er ist ein sehr umgänglicher Mensch.“ Und er ist bei Weitem nicht der erste bekannte Name, der in dem eher versteckt gelegenen Geschäft in der Karlstraße die Schlagzeuge bewunderte.

An den Wänden hängen zahlreiche ausgediente Schlagzeug-Felle mit den Unterschriften und Grußworten der Stars der Szene. Cindy Blackmann war hier, die Schlagzeugerin von Rocksänger Lenny Kravitz. Auch Jürgen Zöller, fast 30 Jahre Teil der Kölschrock-Band BAP, hat sich in der Drum Station verewigt. Grüße vom „Stoneagerocker“ Wolfgang Dziony, Gründungsmitglied der Scorpions, hängen ebenfalls im Geschäft. „Die Nähe zu Frankfurt ist natürlich ein großer Vorteil. Viele schauen hier vorbei, wenn sie zum Beispiel in der Festhalle ein Konzert geben“, weiß Lendel.

Grüße von den Großen: Im stets gut gefüllten Verkaufsraum der Drum Station hängen zahlreiche Grußworte von prominenten Kunden.
Grüße von den Großen: Im stets gut gefüllten Verkaufsraum der Drum Station hängen zahlreiche Grußworte von prominenten Kunden. © Michael Bellack

In der Schlagzeuger-Szene hat sich die Drum Station einen hervorragenden Ruf erarbeitet. „Alles, was auf dem Markt ist, können wir besorgen“, sagt Schmidt. Manchmal finden absolute Unikate den Weg nach Maintal, die in der Sammler-Szene hochbegehrt sind.

Zwei Trommeln des Metallica-Schlagzeugers Lars Ulrich waren schon wieder weiterverkauft, bevor sie überhaupt in Maintal ankamen. „Die Sammler wussten, dass wir zwei dieser Trommeln bekommen. Das hat nur wenige Stunden gedauert“, erzählt Joachim Schmidt. In der Sammler-Szene gebe es viele, „die sich ihren Jugendtraum erfüllen. Das ist ein bisschen wie mit Sportwagen oder Uhren.“ Besondere Stücke können schnell mehrere Zehntausend Euro kosten. Oft landen diese dann bei Sammlern, ohne überhaupt einmal zu erklingen. Aus Sicht eines Musikers natürlich schade. „Grundsätzlich werden die Instrumente ja gebaut, um darauf zu spielen. Die Verschleißteile kann man ja auch ersetzen“, findet der 42-jährige Schmidt, der seit seinem siebten Lebensjahr Schlagzeug spielt.

Zuletzt sorgte eine Trommel der kürzlich verstorbenen Musik-Legende Charlie Watts von den Rolling Stones für Herzrasen bei den Schlagzeug-Fans. In der Drum Station wurde die Trommel, auf der Watts bei einer Tour 2006 gespielt hat, für zwei Wochen ausgestellt. „Viele Menschen kamen vorbei, nur um sich diese Trommel anzuschauen. Das sorgt natürlich für viel Aufmerksamkeit“, sagt Schmidt. Mittlerweile steht sie in einem Museum – der ideelle Wert ist für Sammler kaum zu beziffern.

Mit der Übernahme hat Schmidt die Drum Station vor der Schließung bewahrt, denn das war der eigentliche Plan von Gründer Reiner Lendel. Nun will der Gelnhäuser das Geschäft möglichst lange weiterführen – und freut sich bereits auf die nächsten Besuche von Helge Schneider und Co.

Von Michael Bellack

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