Keine Details bekannt

Trotz Engpässen: „Fassungslos und entsetzt“ – Stadt kündigt Tagesmüttern

Gerade während der Corona-Pandemie herrscht ein Engpass in der Betreuung. 
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Gerade während der Corona-Pandemie herrscht ein Engpass in der Betreuung. (Symbolbild)

In der Kinderbetreuung herrscht gerade durch Corona ein Engpass. Maintal ist da keine Ausnahme. Trotzdem hat die Stadt zwei Tagesmüttern gekündigt. Die betroffenen Familien sind fassungslos.

Maintal – Ein Betreuungsplatz für ein Kind ist eine wertvolle Errungenschaft – erst recht, wenn das Kind jünger als drei Jahre ist. Derzeit werden in Maintal gerade einmal 38 Prozent aller ein- bis dreijährigen Kinder außerfamiliär betreut. Erklärtes Ziel ist es, diesen Versorgungsgrad auf 50 Prozent zu erhöhen.

Obwohl die Stadt die Kapazitäten offensiv ausbaut, können die Kitas den Bedarf bei weitem nicht decken. Tagesmütter und -väter sind daher eine wichtige Ergänzung des Angebots durch die Kindertagesstätten und Krippen. Zudem schätzen viele Familien diese Art der familiennahen, flexiblen Betreuung in einer kleinen Gruppe mit einer festen Bezugsperson für den kleinkindlichen Nachwuchs.

Stadt Maintal hat eigene Servicestelle zur Unterstützung der Tagesmütter

Die Stadt Maintal misst dieser Betreuung hohen Stellenwert zu und hat mit der Servicestelle Kindertagespflege eine eigene Fachberatung eingerichtet, die die Maintaler Tagesmütter mit einem Aus- und Weiterbildungskonzept begleitet, berät, vernetzt und bei der Vermittlung von Tageskindern unterstützt.

Hierfür schließt die Stadt mit den Kindertagespflegepersonen eine Kooperationsvereinbarung, in deren Rahmen sie die Betreuungsplätze auch finanziell mit 1,50 Euro pro Betreuungsstunde fördert. Diese Förderung knüpft die Stadt allerdings an bestimmte Bedingungen und kündigt sie, falls sie diese als nicht erfüllt ansieht, wie kürzlich zwei Tagesmütter feststellen mussten.

Tagesmutter von Kündigung der Stadt Maintal überrascht

„Ich wurde von der Kündigung total überrascht und habe bis heute die wahren Gründe dafür nicht erfahren“, kommentiert eine der beiden das Ad-hock-Ende der städtischen Kooperationsvereinbarung, mit dem ihr beträchtliche finanzielle Einbußen ins Haus stehen. Sie klagt gegen die Kündigung. Die Stadt lädt sie ebenso wie je eine Vertreterin des Fachdienstes Pädagogische Fachberatung Freie Träger und der Servicestelle Kindertagespflege zum Gespräch am runden Tisch.

Es werden zahlreiche Vorwürfe gegen sie erhoben, von Elternbeschwerden über fehlende Kooperationsbereitschaft bis hin zur mangelnden Akzeptanz des Qualifizierungskonzepts. „Die Vorwürfe waren alle aus der Luft gegriffen und konnten von uns ausnahmslos widerlegt werden“, sagt Rechtsanwältin Kerstin Winter, die die Tagesmutter vertritt.

Die städtischen Vertreterinnen sehen das anders und halten an der Kündigung fest. „Ich empfinde die Kündigung als reine Willkür“, sagt die Tagesmutter rückblickend. Sie sieht ohnehin keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und zieht die Klage zurück. „Kein einziger der genannten Gründe ist nachvollziehbar, hier geht es rein um persönliche Machtspielchen“, sagt ihre Anwältin. „Dass es überhaupt möglich ist, die Kooperation so kurzfristig zu kündigen, ist eine Frechheit.“

Ärger in Maintal: Nur ein Monat Kündigungsfrist für Tagesmütter

Die Kündigungsfrist von einem Monat zum Monatsende bestehe allerdings schon seit 2009 und orientiere sich an der vom Main-Kinzig-Kreis vorgegebenen Kündigungsfrist für Tagespflegeverträge, erklärt Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) bei der Stadtverordnetenversammlung am 9. November, in die das Thema durch die CDU-Fraktion in die Fragen an den Magistrat eingebracht wurde.

„Dass das Einkommen der Tagesmütter, die wichtige Arbeit leisten, innerhalb eines so kurzen Zeitraums einfach durch die Kündigung der städtischen Kooperation beträchtlich geschmälert wird, ist ein Zustand der Willkür, den wir so nicht hinnehmen können“, kommentiert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Götz Winter den Fall.

Maintal: Gekündigte Tagesmutter wehrt sich gegen Vorwürfe

Im Fall der zweiten Tagesmutter kommt es erst gar nicht zu einem Gespräch. Sie erhält per E-Mail eine Liste mit ähnlichen Vorwürfen. Auch sie habe das Fortbildungskonzept nicht mitgetragen, steht darin.

„Die von uns geforderten 60 Stunden sind viel, ja, vor allem, weil sie sich ausschließlich auf die von der Servicestelle angebotenen Weiterbildungen beziehen. Ich habe die Vorgabe trotzdem erfüllt und eben noch zusätzlich weitere Fortbildungen besucht, die mich interessiert haben“, sagt die Kindertagespflegerin.

Stadt Maintal nennt keine Details zu Kündigungen

Der Main-Kinzig-Kreis als Träger der Kindertagespflege, fordert lediglich 20 Unterrichtseinheiten und steht ungeachtet der Kündigung der Kooperation durch die Stadt zu beiden Tagesmüttern. „In der Kooperationsvereinbarung der Stadt Maintal ist deutlich beschrieben, welche Leistungen seitens der Kindertagespflegepersonen verbindlich und zuverlässig zu erbringen sind. Der Entscheidung, die Kooperationsvereinbarungen aufzukündigen, ging jeweils ein gründliches Abwägen voraus“, sagt die Stadt.

Welche Leistungen es konkret sind, die die beiden gekündigten Kindertagespflegepersonen nicht wie gewünscht erbracht haben, kann sie aus Datenschutzgründen nicht sagen.

Ärger in Maintal: Betreute Familien sind fassungslos über Entlassung der Tagesmütter

An mangelnder Zufriedenheit der betreuten Familien liegt es allerdings wohl kaum, denn die sind ausnahmslos glücklich mit der Betreuung ihrer Kinder. Verständnis für die Kündigung haben sie keine. „Wir waren fassungslos, entsetzt und traurig über den Umgang der Stadt mit unserer Tagesmutter“, sagt Maike Halbig, die bereits ihr zweites Kind von einer der beiden Tagesmütter betreuen lässt.

„Sie ist liebevoll, fürsorglich und unglaublich zuverlässig; wir wissen unsere Tochter dort in den besten Händen.“ Die Eltern ergreifen selbst die Initiative, schreiben Bürgermeisterin Monika Böttcher an.

Maintal: Enttäuschte Eltern wenden sich an Bürgermeisterin

Die Antworten sind ernüchternd. „Wir fühlen uns von der Stadt im Stich gelassen, weil wir weder schriftlich informiert wurden, noch uns die Beweggründe mitgeteilt wurden“, bemängeln die Eltern. „Auch die Bürgermeisterin konnte nicht alle unsere Rückfragen beantworten, weshalb noch immer Unklarheit über die zukünftige Betreuungssituation herrscht. Wir hoffen und erwarten, dass unseren Kindern keine Nachteile entstehen.“

Hier stehen ganz konkrete Sorgen zum Beispiel zur Vertretungsregelung, wenn die eigene Tagesmutter erkrankt, oder den Übergang in eine Kita in Maintal im Raum. Zumindest diesbezüglich gibt die Stadt Entwarnung: „Auf die Kitaplatzvergabe hat die Kündigung der Kooperation keinen negativen Einfluss“, heißt es aus der Pressestelle.

Nach Kündigungen: Stadt Maintal sucht neue Tagesmütter

Auch die Kolleginnen der beiden Tagesmütter sind verwundert. Sie sei nicht von der Servicestelle informiert worden, weder über die Kündigungen an sich, noch über die Gründe, sagt eine andere Maintaler Tagesmutter. Bleibt die Frage, warum die Stadt, die derzeit wieder aktiv neue Tagesmütter und -väter sucht, zwei derart beliebten Tagesmüttern die Kooperation kündigt.

Beide wollen ungeachtet dessen weitermachen. „Das ist nicht nur mein Beruf, ich habe hier meine Berufung gefunden“, sagt eine der beiden. „Das lasse ich mir nicht kaputtmachen, auch wenn es jetzt finanziell etwas enger wird. Ich trage Verantwortung gegenüber den Familien, die mir ihre Kinder anvertrauen.“ Ob sie allerdings zukünftig mit einer anderen Kommune kooperiert, lässt sie offen. „Maintal liegt auf vielen Arbeitswegen“, sagt sie. Dann wären die Betreuungsplätze für Maintaler Kinder tatsächlich verloren. (Bettina Merkelbach)

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