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Unterbringung von Flüchtlingen in Maintal ist eine aktuelle und zukünftige Herausforderung

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Von: Michael Bellack

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Kurzfristige Lösung: Der Kauf von Wohncontainern für Flüchtlinge ist beschlossen, die Standortfrage wird nächste Woche geklärt.
Kurzfristige Lösung: Der Kauf von Wohncontainern für Flüchtlinge ist beschlossen, die Standortfrage wird nächste Woche geklärt. © Marcus Brandt/DPA

In genau einer Woche entscheidet der Sozialausschuss in einer Sondersitzung über den oder die Standorte von Wohncontainern für Flüchtlinge. Fünf Standorte sind noch in der engeren Auswahl, wie in der Bürgerversammlung vergangene Woche erläutert wurde (wir berichteten). Eine Tendenz ist noch nicht absehbar, bis zum Ende der Woche werden noch die letzten Informationen eingeholt.

Maintal – Im Vorfeld der Entscheidung ist der Magistrat um Transparenz bemüht, das Echo aus der Maintaler Bürgerschaft ist bisher allerdings gering.

Auch Erster Stadtrat Karl-Heinz Kaiser (SPD) hatte bei und im Nachgang der Bürgerversammlung mit mehr Diskussionen und offenen Fragen gerechnet. Von den wenigen Rückmeldungen zeigt sich Kaiser daher bei dem bereits im Vorfeld anberaumten Pressegespräch überrascht. „Man kann dem Magistrat nicht vorwerfen, mit Informationen hinter dem Berg zu halten“, sagt Kaiser. „Wir versuchen, zu einhundert Prozent transparent und offen zu sein.“

Denn die Entscheidung, wo die Wohncontainer für bis zu 96 Flüchtlinge stehen sollen, betrifft natürlich auch die Bürger. Die erhöhte Zuweisung an Flüchtlingen durch den Main-Kinzig-Kreis hat die Stadt zum kurzfristigen Handeln gezwungen – aber auch der Blick in die Zukunft spielt bei den derzeitigen Überlegungen eine Rolle. Ganz wichtig: Die erhöhte Flüchtlingszahl enthält keine Flüchtlinge aus der Ukraine. Auch die Wohncontainer sind nicht für Ukrainer gedacht (siehe Kasten).

In Maintal ist die Situation bereits ohne Ukraine-Flüchtlinge angespannt. Die Gemeinschaftsunterkünfte sind zu über 80 Prozent belegt. Einen Puffer, mit dem man zuvor gearbeitet hat, gibt es kaum mehr. Einer der Gründe für die vollen Unterkünfte: Auf dem freien Markt finden auch anerkannte Flüchtlinge kaum bis gar keine Wohnungen. Sie müssen daher zwangsläufig in den Gemeinschaftsunterkünften bleiben und belegen Plätze, die die nachkommenden Geflüchteten benötigen. Da weiterhin Flüchtlinge nach Maintal kommen, sollen diese jetzt in den Wohncontainern untergebracht werden. Anerkannten Flüchtlingen den weiteren Aufenthalt in den Unterkünften zu verbieten, würde für sie Obdachlosigkeit bedeuten. Und für die Unterbringung von Obdachlosen ist dann ebenfalls die Stadt zuständig. Ein Teufelskreis, der das Problem nur von der einen in die andere Ecke verlagert.

Viele Ukraine-Flüchtlinge privat untergebracht

Stand Anfang April befanden sich circa 220 Flüchtlinge aus der Ukraine in Maintal. Der überwiegende Teil von ihnen, circa 170, ist bei Privatpersonen untergebracht. In Maintal gab es vor der Krise bereits rund 120 gemeldete Ukrainer. 50 Flüchtlinge sind derzeit in der Notunterkunft an der Carl-Zeiss-Straße untergebracht. Die Stadt hatte die Räumlichkeiten als Puffer behalten, zuletzt war dort der Leihladen der Bürgerhilfe beheimatet. Aufgrund der verfügbaren Plätze konnte daher bisher vermieden werden, Sporthallen oder Bürgerhäuser als Notunterkünfte bereitstellen zu müssen. Derzeit stagniert die Zahl der Ukraine-Flüchtlinge in Maintal. Wie sich die Situation entwickelt, ist nicht abzusehen. bel

„Die Containerlösung ist jetzt eine Lösung, die wir eigentlich nicht wollen“, sagt Kaiser. In der Flüchtlingswelle 2016 hatte man in der Sennefelderstraße keine guten Erfahrungen gemacht, zum Beispiel mit Gemeinschaftsküchen und Sanitäranlagen. Beim jetzigen Kauf der Wohncontainer habe man darauf geachtet, dass sie über jeweils eine eigene Küche und einen Sanitärbereich verfügen.

Die Standortsuche habe noch einmal deutlich gemacht, dass die Herausforderungen auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben. Die Stadt selbst verfügt laut Kaiser über „erschreckend wenig eigene Flächen“, auf denen man Flüchtlingsunterkünfte installieren könnte. Diese sollen möglichst nach dem Modell Rhönstraße entstehen, also feste Bauten sein. Aber auch die derzeit bestehenden Gemeinschaftsunterkünfte in festen Bauten werden auf absehbare Zeit nicht mehr verfügbar sein. Die Mietverträge in der Braubachstraße und der Carl-Zeiss-Straße laufen Ende 2023 aus, der Standort an der Neckarstraße wird aufgegeben. „Wir müssen jetzt schon ein Stück weiter denken und nicht nur die Unterbringung für 2022 sicherstellen“, sagt Kaiser.

Mit der aktuellen Standortsuche für die Wohncontainer geht man also bereits den ersten Schritt für mögliche kommende Herausforderungen.

Von Michael Bellack

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