Maintal

"Vollehalle" präsentiert Klima-Konsequenzen

Gesprächsangebot nach satirischer Klima-Show: Martin Oetting, Kai Schächtele, Fabian Wagenbach, Monika Böttcher, Selma Janssen, Paul Wullers, Marco Erlenbeck (von links) diskutierten mit dem Publikum. Foto: Rainer Habermann

Maintal. Mit höchst unbequemen Wahrheiten, zugespitzt in diversen Szenen des „alltäglichen Klima-Wahnsinns“, wartete am Freitagabend das Berliner Team „Vollehalle“ im Bischofsheimer Bürgerhaus auf. Fazit seiner „Klima-Show“ unter dem Motto „Was kann man gegen den Klimawandel allein schon tun? – Aufhören allein zu sein!“

Von Rainer Habermann

Der Einzelne bewirkt und verändert wenig an der globalen Klimakrise. Aber kommt eine Bewegung zustande, wie etwa die „Fridays for Future“, dann sieht das schon ganz anders aus.

Und entscheiden sich immer mehr Menschen, ihr eigenes Leben nur ein klein wenig zu verändern und stärker auf die Konsequenzen ihres Handelns zu achten, dann werden auch zunächst utopisch erscheinende Ziele plötzlich erreichbar. So jedenfalls die Hoffnung der Macher von „Vollehalle“ um den Texter und Campaigner Michael Bukowski, den Produzenten und „Marketing-Mensch“ Martin Oetting oder den Journalisten und Moderator Kai Schächtele.

Themen mit provokanten Szenen deutlich gemacht

Die großen Themen der Klimakrise wie die Vermeidung weiterer Treibhausgas-Emissionen, der Kohleausstieg, die Verkehrs- und Energiewende oder die Forcierung erneuerbarer Energien werden in der Show in teils provokanten Szenen heruntergebrochen auf alltägliche Verhaltensweisen, wobei ein immer gut informiert erscheinender Zeitungsleser den Advocatus Diaboli oder Bedenkenträger spielt.

Mal in Gelbweste, mal in Rage, und zwischendurch auf seinem Ohrensessel immer verborgen hinter der gewissen Anonymität eines großen deutschen Blattes. Bloß, dass der zum Schluss auch am Ende seiner eloquenten Verteidigungsstrategien des Status quo zu sein scheint.

Ein Top besetztes Podium

Für das Team von „Vollehalle“ war das Format im Bischofsheimer Bürgerhaus „etwas völlig Neues“, wie Schächtele, der als Moderator der anschließenden Podiumsdiskussion mit Nicht-Schauspielern, sondern mit realen Maintaler Politikern und Bürgern auftrat, bekannte. Im positiven Sinne, denn der ordentlich gefüllte Saal diskutierte mächtig mit, und bekam auch noch kräftig Futter zur Diskussion: in Form der Präsentation einer Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts der Stadt Maintal aus dem Jahr 2013.

Auf dem Podium saßen neben Moderator Schächtele und Oetting von „Vollehalle“, Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher, der Energieberater Marco Erlenbeck aus Bad Vilbel, der Sprecher der Stadtleitbildgruppe „Maintal aktiv für den Klimaschutz“, Paul Wullers, sowie Selma Janssen, die Projektingenieurin der EnergyEffizient GmbH (e-eff), die zuvor das Klimaschutzkonzept auf der Bühnenleinwand vorgestellt hatte. Mit durchaus positiven Eckpunkten, denn wie sich an den bisherigen Ergebnissen der Studie zeigt, haben die Bemühungen um den Klimaschutz in der Stadt „zwischen begrüntem Mainufer und Streuobstwiesen“ (Böttcher) zwar sehr kleine, doch prinzipiell erkennbare Früchte getragen.

Böttcher lobt die Entwicklung

So sind die gesamten CO2-Emmisionen aller Verursacher in Maintal von nahezu sieben Tonnen pro Kopf der Bevölkerung im Jahr 2011 auf unter sechs Tonnen im Jahr 2018 zurückgegangen; dies bei einem Bundesdurchschnitt von rund 8,7 Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner. Keine Zahlen, auf denen man sich ausruhen kann, aber das sei auch nicht beabsichtigt, wie die Bürgermeisterin betonte. Beispielsweise werde in diesem Frühjahr der erste reine Elektro-Bus in die Flotte der Maintal Verkehrsgesellschaft (MVG) eingestellt; für rund 600 000 Euro.

„Damit liegen wir zeitlich sogar vor der Stadt Hanau, gegenüber der wir im Übrigen auch bei einem anderen Wettbewerb, dem 'Stadt-Radeln', ganz gut aussehen“, sagte das Stadtoberhaupt lächelnd. Einer, der an dieser positiven Entwicklung in Sachen Klimaschutz in Maintal ebenfalls seinen Anteil hat, saß nicht auf dem Podium, sondern im Saal: Fabian Wagenbach, der scheidende Klimaschutzmanager der Stadt Maintal.

Verabschiedung des Klimaschutzmanagers

Der Freitagabend im Bürgerhaus war gleichzeitig sein letzter Arbeitstag, er hatte die Veranstaltung auch mitorganisiert. Sein Vertrag war nach zwei Jahren von der Stadtverordnetenversammlung nicht verlängert worden, weil diese aus haushalterischen Sparerwägungen heraus eine Entfristung abgelehnt hatte. Einen Nachfolger hat Wagenbach nicht, die Stelle ist somit derzeit vakant. Böttcher rief Wagenbach am Ende auf die Bühne und verabschiedete ihn mit einem Blumenstrauß. Mit den Worten „Wir brauchen eigentlich solche Fachleute“, drückte sie ihr Bedauern über die Entscheidung der Stadtverordneten aus.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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