Feuerwehrfrau

Von der Schulbank auf die Wache: Halima Amina kam als Quereinsteigerin zur Feuerwehr Maintal

Hat noch viel vor: Halima Amina will bei der Maintaler Feuerwehr zur Gruppenführerin aufsteigen. Corona versetzt sie derzeit jedoch in eine Zwangspause.
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Hat noch viel vor: Halima Amina will bei der Maintaler Feuerwehr zur Gruppenführerin aufsteigen. Corona versetzt sie derzeit jedoch in eine Zwangspause.

Martinshorn. Die Feuerwehrleute mit Schutzhelm und Maske eilen aus dem Fahrzeug, besprechen die Lage: Ein Unfall mit zwei Pkw, ein Beteiligter ist eingeklemmt. Die junge Frau setzt die hydraulische Rettungsschere an, es knarzt, kracht, der Verletzte ist befreit. In diesem Fall ist es nur eine Übung.

Maintal – Oft ist es aber auch der Ernstfall, in dem Halima Amina Leben rettet. Sie ist Feuerwehrfrau bei der Freiwilligen Feuerwehr Maintal, eine der wenigen Frauen im Bischofsheimer Einsatzteam. „Es bringt nichts, wenn man nur zehn starke Männer hat, wir brauchen von allem etwas“, sagt die junge Bischofsheimerin, die froh ist, dass es mittlerweile immer mehr Kameradinnen in allen Bereichen gibt. „Das einstige Klischee, die Feuerwehr sei ein reines Männerding, verschwindet immer mehr.“

Bei manchen Einsätzen werden Helfer gebraucht, die klein und zierlich sind. Manchmal hilft es den Beteiligten, wenn weibliche Ansprechpartner da sind. Oft sind auch Feuerwehrleute von Vorteil, die verschiedene Fremdsprachen beherrschen und sich vor Ort mit ausländischen Betroffenen verständigen können. „Es ist wichtig, dass wir eine große Vielfalt abdecken“, sagt die junge Frau, die mütterlicherseits afrikanische Wurzeln hat. „Ich selbst bin Quereinsteigerin und per Zufall hier reingeschlittert.“

Maintal: Feuerwehrfrau Amina wird an der Schule angeworben

Anders als viele Kameradinnen und Kameraden war sie nicht bei der Jugendfeuerwehr und ist in die Einsatztruppe hineingewachsen, sondern wurde als Teenager von der Schulbank weg angeworben. Sie ist 17, als die Feuerwehr an ihrer Schule, dem Albert-Einstein-Gymnasium in Maintal, für sich wirbt. „Zwei Freundinnen und ich dachten uns, wir probieren das einfach mal aus“, erzählt sie. Die beiden Freundinnen haben sich mittlerweile anders orientiert. Amina bleibt.

Der Start ist ein Sprung ins kalte Wasser. Niemand in ihrer Familie ist Feuerwehrfrau oder -mann. „Ich war schon vorher in Sportvereinen, tanzen, habe Basketball gespielt. Aber in dem Alter war ich auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Freizeitbeschäftigung, bei der ich etwas Sinnvolles für die Gesellschaft mache.“ Sie probiert einen Besuchsdienst im Altersheim, schnuppert bei Greenpeace rein – und landet schließlich bei der Feuerwehr.

Vielfalt der Aufgaben reizt die Feuerwehrfrau

„Mich fasziniert die Vielfalt der Aufgaben. Hier muss man mit anpacken und ist körperlich gefordert.“ Vor Corona waren jeden Freitag Übungen. Es reizt sie, nicht zu wissen, welches Szenario sie abends am Feuerwehrhaus im Dörnigheimer Weg erwartet. „Wir üben Einsätze, mit denen wir im Ernstfall jemandem helfen. Das ist spannend und jedes Mal eine neue Herausforderung.“

Berührungsängste gegenüber den überwiegend männlichen Kameraden hatte sie nie. „Ich bin mit zwei Brüdern aufgewachsen, ich bin nicht zimperlich“, sagt sie. Obwohl einige altgediente Kameraden anfangs skeptisch waren, ob sie es ernst meint, wurde sie herzlich aufgenommen und fand schnell Freunde.

Beruf Feuerwehrfrau ist trotzdem keine Option

Direkt in ihrem ersten Jahr ist sie nach dem Grundlehrgang bei der Jugendfeuerwehr als Betreuerin eingestiegen. Die Arbeit mit den Kindern macht ihr Spaß. Noch in der Schulzeit schloss Halima Amina einige Lehrgänge wie Truppmann, zu Funk, Atemschutz oder mit dem Chemikalienschutzanzug CSA an.

Im Einsatz: Mit ihren Kameraden stand Halima Amina für eine Dokumentation vor der Kamera.

Das Hobby zum Beruf zu machen, kommt dennoch nicht in Betracht. Sie kennt den Beruf, denn ihr Partner ist Werkfeuerwehrmann. Aber der Schichtdienst schreckt sie ab. Sie wählt einen kaufmännischen Beruf. Im Moment ist sie mit ihrem fast dreijährigen Sohn in Elternzeit und wartet auf einen Kindergartenplatz. Im Einsatzfall kann sie auch auf die Großeltern setzen. Freitags, wenn Übungen sind, ist traditionell „Oma-Tag“.

Feuerwehrfrau hat in Maintal noch viel vor

Wenn nach Corona wieder Lehrgänge möglich sind, will sie ihr Ziel in Angriff nehmen und Gruppenführerin werden. „Dafür fehlen mir noch einige Lehrgänge“, erklärt die Hauptfeuerwehrfrau. Bei der hessischen Feuerwehr ist genau geregelt, welche Ausbildungsinhalte man bis zu diesem Dienstgrad absolvieren muss. Doch derzeit kann sie sich nicht vorstellen, mindestens eine Woche ohne ihr Söhnchen in Kassel zu verbringen, wo die Feuerwehrausbildung stattfindet.

Dass die junge engagierte Frau Vorbildcharakter hat, darauf wurde das Redaktionsteam von Funk, dem Online-Netzwerk von ARD und ZDF, durch ihr Instagram-Profil aufmerksam. Einen ganzen Tag lang begleitete das Kamerateam die Maintalerin zu Hause und zur Feuerwehr-Übung für eine Tru-Doku-Videoreportage über sie.

„Ein Einsatz ist mir im Kopf geblieben und hat mich geprägt“, erzählt Amina vor der Kamera. Die Einsatzkräfte werden zu einem Zugunglück gerufen. Eine Person ist beteiligt, die nur noch tot geborgen werden kann. Sie kennt das Opfer und ist persönlich betroffen. „Ich bin froh, dass wir Seelsorger als Ansprechpartner haben, die uns helfen, solche Erlebnisse zu verarbeiten“, sagt sie rückblickend. Die komplette Videoreportage ist auf dem YouTube-Kanal Tru Doku anzusehen.

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