Maintal

Waldserie: Eichen ersetzen in Maintal abgestorbene Eschen

Wo einst Eschen standen, wachsen nun junge Eichen heran. Am Simmetsweg in Wachenbuchen sorgte das Eschentriebsterben für einen Kahlschlag. Die gefällten Bäume (im Hintergrund, links) werden nun zu Hackschnitzeln verarbeitet. Auf der Freifläche hat Förster Heiner Koch junge Eichen pflanzen lassen, die noch durch einen Zaun geschützt werden. Foto: Axel Häsler

Maintal. Stärke und Beständigkeit. Diese Attribute gelten seit Jahrhunderten für die Eiche. Sie trotzt sowohl der Vielzahl an Schädlingen als auch den klimatischen Veränderungen. Daher ruht in Zeiten, in denen die Esche aus den heimischen Wäldern zu verschwinden droht, die Hoffnung auf der Eiche. Auch im Maintaler Stadtwald.

Von Martina Faust

Wo einst dichter Baumbewuchs dominierte, klafft jetzt eine Lichtung gleich einer Wunde im Wald nahe den Simmetsweg in Wachenbuchen. Mehrere Meter hoch türmen sich am Wegesrand die kahlen, gefällten Eschen, die hier einst gen Himmel strebten. Sie waren – wie die meisten ihrer Artgenossen – vom Eschentriebsterben befallen. „Demnächst werden sie zu Hackschnitzeln für die Holzhackschnitzelanlage auf dem Betriebshof verarbeitet“, erklärt Revierförster Heiner Koch. Doch wo die Eschen weichen mussten, recken sich bereits neue Bäume zaghaft der Sonne entgegen: Eichen. Etwa 4000 Stück wurden auf der knapp 0,4 Hektar großen Fläche gesetzt. Im dichten Grün der Gräser sind sie kaum auszumachen. „Daher setzen wir die Bäume in Reihen“, sagt Koch.

Intensive Pflege in den ersten Jahren

Denn in den ersten drei bis vier Jahren müssen die jungen Eichen intensiv gepflegt werden. Damit die zarten Bäumchen nicht unter den Freischneider geraten, wenn das Areal vom Unterwuchs befreit wird, damit die Eichen ausreichend Licht und Luft erhalten, gibt die Pflanzung in einer Reihe Orientierung. „Die Reihen haben einen Abstand von zwei Metern, darin sitzt alle 50 Zentimeter eine Pflanze“, erläutert Koch. Die dichte Bepflanzung sorgt außerdem für Qualitätswachstum. „Andernfalls würden die Bäume in die Breite statt in die Höhe wachsen und zu viele Äste ausbilden“, erklärt der Förster.

Irgendwann bekommen die heranwachsenden Bäume dann aber doch den nötigen Raum, um sich entfalten zu können. „Wir sortieren die weniger starken Bäume aus, indem wir sie fällen und das Holz nutzen. Das ist der gleiche Prozess wie in der Natur, wo man von intraspezifischer Selektion spricht, also einer natürlichen Auslese innerhalb einer Baumart“, erklärt Koch. Von 10 000 Eichen, die einst pro Hektar gepflanzt wurden, sind so nach 160 Jahren nur noch 250 übrig.

Ein Hektar voller Eichen kostet 20 000 Euro

Noch umgibt ein Zaun das Areal. Zum Schutz der jungen Eichen vor hungrigen Wildtieren wie dem Reh, das sich vorsichtig aus dem Schatten des Waldes traut und dem Drahtgeflecht nähert. „Wenn die Bäume in vier bis fünf Jahren aus dem Äser raus sind, also nicht mehr verbissen werden, entfernen wir den Zaun“, erläutert der Förster. Bis dahin gilt es, den grünen Schatz zu schützen. Denn eine solche Pflanzung ist nicht günstig. „Eine einzelne Eiche, wie wir sie hier gesetzt haben, kostet etwa 1,70 Euro netto inklusive Pflanzung und Pflege. Das liegt auch daran, dass die Eiche hohe Ansprüche in der Anzucht stellt. Für einen Hektar sind das also Kosten von rund 20 000 Euro“, rechnet Koch vor.

Für die Fläche in Wachenbuchen profitierte die Stadt dabei von Fördergeldern. „85 Prozent der Kosten wurden von einem Fonds übernommen, weil wir einen Bereich aufgeforstet haben, in dem vorher Eschen gestanden haben, die abgestorben sind“, fügt Koch hinzu. Doch nicht überall, wo einst Eschen standen, lässt sich der Bestand problemlos mit Eichen verjüngen. Denn die Esche bevorzugt im Gegensatz zur Eiche feuchtere Standorte. „Daher können wir nicht eins zu eins ersetzen“, sagt Koch.

Eiche sät sich selbst aus

Neben der Pflanzung als gängigster Methode zur Verjüngung der Eichenbestände, sät sich die Eiche auch selbst aus – mit ein wenig Nachhilfe sogar sehr aussichtsreich, wie etwa auf einer kleinen Fläche am Waldrand nahe der drei Anglerseen zwischen Wilhelmsbad und Dörnigheim. „Hier haben wir den Unterstand rausgeschlagen, vor allem Hainbuchen, denn die Eiche braucht viel Licht“, sagt der Förster und deutet zufrieden auf den Waldboden. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich auf dem zunächst karg wirkenden Areal ein dichter Teppich aus winzigen Eichen. „Wie die Haare auf dem Hund, sagt man“, erklärt Koch lachend.

Dass die Naturverjüngung gelingt, ist trotz der reichen Mast im vergangenen Jahr, aus der die jungen Eichen hervorgegangen sind, nicht selbstverständlich. „Wir müssen dranbleiben. Spätestens im nächsten Jahr müssen wir wieder für Licht sorgen und verhindern, dass die Brombeeren alles überwuchern“, erklärt er. Und dann gibt es da auch noch klimatische Unwägbarkeiten, etwa einen heißen trockenen Sommer, der den jungen Eichen stark schaden könnte. „Die Eiche ist eine wahnsinnig komplizierte Baumart, sehr arbeitsintensiv durch den hohen Pflegeaufwand. Aber es lohnt sich, weil Eichen am klimaresistentesten sind, durch ihre Langlebigkeit ökologisch sehr wertvoll und aufgrund der vielseitigen Verwendbarkeit des Holzes auch sehr wirtschaftlich sind“, erklärt der Förster.

Esche hat weiter eine Zukunft

Die Eiche als sinnvollster Ersatz für die Esche bedeutet aber nicht, dass letztere gänzlich aus unseren Wäldern verschwinden wird. „Einzelne Eschen lassen wir stehen, weil sie Resistenzen gegenüber dem Pilz zeigen, der für das Triebsterben verantwortlich ist. In Schöneck etwa gibt es einen Eschenbestand, der völlig gesund ist“, sagt Koch. Und so ruht die Hoffnung in Zeiten der stärkeren Verbreitung von Pilzen und Schädlingen und dem Klimawandel nicht allein auf der Eiche.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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