Maintal

Winzerverein Hochstadt zufrieden mit Qualität des Jahrgangs 2019

Eine neue Presse hat beim 1. Hochstädter Winzerverein dafür gesorgt, dass die diesjährige Weinernte in Rekordzeit verarbeitet werden konnte. Allerdings mussten die Winzer auch einen großen Rückgang an Weintrauben verzeichnen. Maintaler Weinliebhaber können sich dennoch schon auf den „Roten Hochstädter“ und acht weitere Weinsorten freuen. Foto: Lennart Nickel

Maintal. Wie verabredet empfängt Gerhard Koffler den Autor dieses Artikels um 14 Uhr im Hinterhof an der Bischofsheimer Straße, wo der Erste Hochstädter Winzerverein auch das Keltern seiner Weintrauben vollzieht. Aber dank der neuen Hydropresse ist dieser Arbeitsschritt auf dem Weg zum neuen Jahrgang schon größtenteils erledigt!

Von Lennart Nickel

Doch das ist kein Grund, wieder umzukehren, schließlich gilt es auch, aus erster Hand herauszufinden, ob denn erneut ein guter Jahrgang zu erwarten ist.

Die rekordverdächtige Zeit von weniger als vier Stunden, die das Keltern der Trauben in Anspruch genommen hat, liegt maßgeblich an der bereits zitierten, erstmals verwendeten Presse. „Für 500 Kilogramm Maische haben wir früher drei bis vier Maschinen und zwei Pressvorgänge benötigt, jetzt reicht ein Vorgang und eine Maschine,“ erklärt Winzervereins-Vorsitzender Koffler die Vorteile des neuen Geräts. „Zirka 15 Leute haben beim heutigen Keltern geholfen, da geht´s dann flott,“ ergänzt der 74-Jährige, der seit ungefähr 17 Jahren im Verein aktiv ist.

Keltern bereits am Samstag

Unerfreulicher ist jedoch ein weiterer einleuchtender Grund für die geringere Arbeitszeit: Weniger als die Hälfte, nämlich 2000 statt 4700 Kilogramm Trauben, konnten dieses Jahr im Vergleich zu 2018 geerntet werden. Vor allem der späte Frost im Mai, aber auch die Dürre, als es im Sommer 14 Tage lang extrem heiß war, und der viele Regen kurz vor der Erntezeit sind dafür verantwortlich.

Per Hand wurden die Trauben Am Hohen Rain, dem Weinberg, von dem ein großer Teil der Ernte stammt, am vergangenen Donnerstag und Freitag gelesen, unverzüglich folgte am Samstag das Keltern.

Es gelte Vorkehrungen gegen Frostschäden zu treffen

Gerhard Koffler weist während einer stärkenden Pause, die sich die Hochstädter Winzer wohl verdient haben, daraufhin, dass anhand der früheren Ernte – beispielsweise der Sorte Riesling – sich auch hierzulande die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar machen würden. Riesling sei früher erst Ende Oktober reif gewesen, mittlerweile ist er das teilweise sogar schon Ende September.

Auf die Nachfrage, ob denn durch die steigenden Temperaturen wenigstens das Frostrisiko geringer werde, winkt der Kenner ab. „Es wird dennoch immer wieder Frostschäden geben, es gilt einfach, Vorkehrungen zu treffen.“

Qualität statt Quantität

Zurück bei der Hydropresse gibt es tatsächlich doch noch etwas zu tun. In Teamarbeit werden Trauben, aus denen später der „Rote Hochstädter“ wird, verarbeitet. Mit dabei ist auch Manfred Lapp, der sich bei dieser Tranche um die Qualitätskontrolle kümmert. Mit einem kleinen Gerät kontrolliert er den Öchslegrad, also den Zuckergehalt der Trauben, anhand dem Rückschlüsse auf die Qualität des künftigen Weins gezogen werden können.

Quantitativ ist dieses Wein-Jahr wohl eher enttäuschend für den Hochstädter Winzerverein. Aber: „Von der Qualität her sind wir äußerst zufrieden, wenn auch die Öchsle-Zahl letztes Jahr ein klein wenig besser war“, bilanziert Vereinsvorsitzender Koffler.

Federweißenfest am Wochenende

Insgesamt neun verschiedene Weinsorten werden nach Gärung und Filtration im Februar oder März nächsten Jahres in Flaschen abgefüllt werden. Im Frühjahr beginnt dann wiederum die Arbeit in und an den Reben – frei nach dem von den Hochstädter Winzern zitierten Motto: „Der Wingert will den Winzer jeden Tag sehen.“

Nun steht am Wochenende, Samstag und Sonntag, erst einmal das traditionelle Federweißenfest des Hochstädter Winzervereins an. Im urigen Hof an der Bischofsheimer Straße 9 können dann die Weine der vorigen Jahre, allerlei leckere Speisen sowie natürlich Federweißer und Zwiebelkuchen probiert und genossen werden.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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