Kein Kükenschreddern mehr

Tierwohl: Inklusionsbetrieb Hofgut Marjoß geht neue Wege

Ein Herz für Tiere: Hofgut-Mitarbeiter Pascal Ziegler nimmt sich am mobilen Hühnerstall im Spessart Zeit für das Geflügel.
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Ein Herz für Tiere: Hofgut-Mitarbeiter Pascal Ziegler nimmt sich am mobilen Hühnerstall im Spessart Zeit für das Geflügel.

Das vom Behindertenwerk Main-Kinzig betriebene Hofgut bei Steinau-Marjoß ist im gesamten Kreis bekannt. Selbst Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky bezieht die Hühnereier von dort, weil die Tiere entlang der Jossa großzügige Auslaufflächen haben und artgerecht gehalten werden. Und gleichzeitig wird die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung unterstützt.

Steinau - Es sind Bio-Eier, die im Spessart produziert werden. Für eine wirtschaftliche Produktion werden reichlich Legehennen genötigt. „Wir haben rund 1450 von ihnen“, sagt Dietrich Hunsmann, der Leiter des Hofguts. „Bei unserer Betriebsstruktur ging es noch nie um die Masse. Das Tierwohl spielt eine wichtige Rolle.“ Das Hofgut produziert nicht nur Eier, sondern auch Hühnerfleisch. Und weil das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht ab Anfang 2022 verboten ist, geht der Inklusionsbetrieb neue Wege. Das „Kükenschreddern“ soll es nicht mehr geben.

Steinau: Zeichen gegen das Töten von Küken

„Wir setzen bei Legehennen und Hähnchenmast auf Zweitnutzungshühner“, erklärt er das Pilotprojekt, das bereits angelaufen ist. Nun scharren 220 Hühner der Rasse „Coffee and Cream“ auf dem Gelände des Bioland-Betriebs. „Indem wir in das System der Zweitnutzung einsteigen, setzen wir ein deutliches Zeichen gegen das ethisch inakzeptable Töten von männlichen Küken“, betont er.

Im Klartext: Neben den neuen Hühnern werden auch Hähne großgezogen. Sie haben 17 Wochen Auslauf und werden dann geschlachtet – in konventionellen Betrieben werden Masthähnchen nach rund 35 Tagen zu Lebensmitteln verarbeitet. Eine Handvoll der Gockel darf jedoch bleiben und wird in die Legehennengruppen integriert.

Damit wird ein neuer Weg zur sinnvollen Verwendung von männlichen Küken eingeschlagen – es müssen keine Küken mehr sterben. Diese Brüderhähne können mehr Fleisch ansetzen.

Allerdings muss sich noch zeigen, ob sich diese neue Bewirtschaftung rentiert, wenn absehbar ist, dass beispielsweise zu viel Hähnchenfleisch produziert wird. Der Vorteil ist zwar, dass bei der Zweitnutzung die Hennen mehr wiegen. Der Nachteil: Die Haltung der Hennen und die Mast der Hähne ist aufwendiger als in der herkömmlichen Bioeier-Produktion. Diese werden für 65 oder 68 Cent verkauft. „Ich bin aber sicher: Die Kunden werden überzeugt sein“, so Hunsmann, der auf Akzeptanz des neuen Weges für mehr Tierwohl setzt.

Die Eier aus der Zweitnutzung des Hofguts Marjoß gibt es vorerst nur in den Unverpackt-Läden „Mittendrin“ in Hanau und im „Marktplatz im MKK-Forum“ in Gelnhausen. Am Sonntag, 19. September, ist wieder ein Tag der offenen Tür auf dem Hofgut geplant. (Von Thorsten Becker)

Die ersten Eier des neuen Projekts: Dietrich Hunsmann, Leiter des Hofguts in Marjoß, setzt auf mehr Tierwohl.

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