Unwetter

Nach dem Unwetter: Feuerwehr mit über 120 Einsätzen rund um Hanau bis zum Nachmittag auf Trab

Parkplatz wurde zur Seenlandschaft: Wer am Montag in einem der Geschäfte am Kinzigbogen einkaufen wollte, bekam mitunter schnell nasse Füße.
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Parkplatz wurde zur Seenlandschaft: Wer am Montag in einem der Geschäfte am Kinzigbogen einkaufen wollte, bekam mitunter schnell nasse Füße.

Gewitter und Starkregen hielten gestern in der Region die Einsatzkräfte der Feuerwehren in Atem. Vor allem im Bereich Hanau wurden Keller und Straßen geflutet, darunter auch das Kellergeschoss des Hanauer Klinikums, in dem Gerätschaften der Nuklearmedizin und Lagerräume untergebracht sind. Zudem musste die Feuerwehr Hanau laut Pressesprecher drei Autos bergen, die in überfluteten Unterführungen am Nordbahnhof und in der Dettinger Straße stecken geblieben waren und zwei umgestürzte Bäume aus dem Weg räumen. Insgesamt meldete die Feuerwehr Hanau über 120 wetterbedingte Einsätze. Hier lag auch laut Kreispressestelle das Gros der Hilfeleistungen, die noch am Montag abgearbeitet werden mussten, rings um die Brüder-Grimm-Stadt war es deutlich weniger.

Main-Kinzig-Kreis - Während in Hanau bereits einige Keller ausgepumpt wurden, wurden die Einsatzkräfte zusätzlich zu einem Gebäudebrand gerufen. In den frühen Morgenstunden brannte das Vereinsgebäude am „Alemannia Sportplatz“ in Klein-Auheim. Als Brandursache vermutet die Polizei einen technischen Defekt.

„Der Schwerpunkt der Einsätze lag in der Nacht definitiv im Westkreis, allen voran in Hanau“, berichtet Kreispressesprecher Frank Walzer. In der Zentralen Leitstelle des Main-Kinzig-Kreises, die alle Alarmierungen koordiniert, hätten sich zahlreiche betroffene Bürger gemeldet. „Außerhalb von Hanau sind es insgesamt 36 Einsatzstellen gewesen“, so Walzer. Allen voran hatte die Freiwillige Feuerwehr Großkrotzenburg am meisten zu tun, denn es waren 14 Häuser, in denen Wasser abgepumpt werden musste. Außerdem waren die Wehren in Langenselbold (acht Einsätze), Rodenbach (sechs), Bruchköbel (17) sowie Erlensee, Ronneburg und Schöneck (je einen) in der Nacht beschäftigt. In Maintal gab es keinen witterungsbedingten Einsatz.

Bis nachmittags war die Feuerwehr in Hanau im Einsatz

Böse Überraschung: So sah es in vielen Kellern am Montagmorgen in Hanau aus.

Bis zum Nachmittag war die Feuerwehr in Hanau noch damit beschäftigt, Keller auszupumpen. Dabei gingen die ersten Anrufe wegen Überschwemmungen gegen zwei Uhr nachts bei der Feuerwehr ein. Einer der ersten Anrufe sei vom Hanauer Klinikum ausgegangen. Hier liefen alle Gebäudeteile des Untergeschosses mit Wasser voll. Betroffen waren unter anderem Lagerräume sowie die „alte Nuklearmedizin“ – zwar werden dort Patienten nicht direkt behandelt, aber dort untergebrachte Gerätschaften sind noch in Gebrauch. Die Geräte sind aufgrund der Überschwemmung kurzzeitig ausgefallen, wodurch es zu Verzögerungen im Stationsbetrieb kam. Gegen Mittag gab Kliniksprecherin Michaela Farr Entwarnung. Das Wasser hatte die Feuerwehr abgepumpt, die ersten Geräte konnten wieder in Betrieb genommen werden.

Auch in der Karl-Rehbein-Schule liefen sowohl im Hauptgebäude als auch in Dependance am Schlossplatz in der Unwetternacht die Keller voll Wasser. „Es stand gut fünf Zentimeter hoch in den Räumen“, sagt Schulleiter Jürgen Scheuermann. Klassenzimmer seien aber nicht betroffen gewesen. Dank des Einsatzes des Hausmeisters und Bediensteter der Stadt Hanau habe man die Situation, die den Schulneustart unter Corona-Bedingungen zusätzlich belastete, aber gut in den Griff bekommen.

Das Wasser sammelte sich in den Vertiefungen der Grünstreifen und flutete von dort aus den Parkplatz.

Gebäudebrand in Hanau stellt Feuerwehr vor zusätzliche Herausforderung

Die Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr rückten am Montagmorgen außerdem zu einem Gebäudebrand nach Klein-Auheim aus. Hier erschwerten Dauerregen, Gewitter und starke Windböen die Löscharbeiten. „Am Alemannia Sportplatz“ brannte es laut Polizeiangaben gegen sechs Uhr in dem zum Sportverein gehörenden ebenerdigen Gebäude, in dem sich eine Bar befindet. Personen befanden sich nicht im Haus. Während der Löscharbeiten wurden die Bewohner in Klein-Auheim, Großauheim und Steinheim über eine Rundfunkwarnmeldung gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Der Schaden wird auf 90 000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache übernommen und geht nach erster Spurensuche von einem technischen Defekt aus. Die Feuerwehr Hanau wurden durch Einsatzkräfte aus Großkrotzenburg und Klein-Krotzenburg unterstützt.

Während die Feuerwehr Hanau im Stadtgebiet erste Keller ausgepumpt hat, wurde sie in den frühen Morgenstunden wegen eines Gebäudebrandes in Klein-Auheim gerufen.

Die überschwemmten Straßen prägten noch bis zum Abend – wie auf dem Parkplatz des Fachmarktzenrums Kinzigbogen – das Stadtbild. Wer hier einkaufen wollte, musste sich eine trockene Stellfläche suchen. 90 Prozent aller Einsätze waren vollgelaufene Keller. Zeitweise waren an den Arbeiten im Stadtgebiet 150 Einsatzkräfte beteiligt.

So wurde Bruchköbel von dem Unwetter getroffen

Die Feuerwehr Bruchköbel berichtete von Starkregenschauern mit bis zu 60 Litern pro Quadratmeter. Gegen ein Uhr waren die Einsatzkräfte nach einem ersten Starkregen zu einem überfluteten Keller in die August-Bebel-Straße gerufen worden.

Vollgelaufene Keller und Garagen hielten in der Nacht auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr Bruchköbel auf Trab.

Gegen zwei Uhr nachts folgte das nächste Wolkenband mit ergiebigem Regen und Gewittern. „Innerhalb einer Stunde liefen beson-ders im Südosten der Innenstadt mehrere Keller voll“, teilt die Feuerwehr Brucköbel mit. „Stellenweise stand in den Kellern und Garagen 40 Zentimeter hoch das Wasser“, berichtete ein Sprecher am Morgen. Zum Abpumpen der Wassermengen waren die Feuerwehrleute etwa neun Stunden im Dauereinsatz.

Das sind die Folgen des Unwetters in Maintal und Langenselbold

In Maintal habe man wenig von dem starken Unwetter mitbekommen. Wie Stadtbrandinspektor Andreas Matz auf Anfrage mitteilte, beliefen sich die Wassermengen in der Messstation der Feuerwehr für die gesamte Nacht auf lediglich zehn Liter. „Wir sind Gott sei Dank verschont geblieben“, so Matz. Die Feuerwehr Maintal rückte in der Nacht nur zu einem Fehlalarm eines Rauchmelders in der Philipp-Reis-Straße aus.

In Langenselbold war die Feuerwehr fünf Stunden lang mit dem Auspumpen einer Kellerwohnung beschäftigt. Diese sei im Laufe der Nacht vollständig mit Wasser vollgelaufen.  jj/leg/cs/thb

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