Feuerhack tritt für die Neuberger Liste an

Bürgermeisterwahl Neuberg: Tausendsassa Jens Feuerhack

Jens Feuerhack Neuberger Liste
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Jens Feuerhack wil Bürgermeister von Neuberg werden.

Neuberg – Jens Feuerhack tritt für die Neuberger Liste an und will am 14. März zum Bürgermeister von Neuberg gewählt werden. Bereits 2015 hat er 55-Jährige schon einmal kandidiert. Damals verlor er deutlich gegen Amtsinhaberin Iris Schröder

Es ist zwar nur die alte schmale Straße, die von Ravolzhausen nach Ronneburg führt. Doch an diesem wolkenlosen Nachmittag herrscht Rushhour auf dem Asphalt. Alle paar Minuten rollen Radfahrer heran. Mal Solisten, mal ein ganzes Peloton. Die latente Gefahr, von einem der lautlosen und rasanten Pedaleure über den Haufen gefahren zu werden, macht den geplanten Spaziergang mit dem Bürgermeisterkandidaten zu einer holprigen Angelegenheit.

„Weit sind wir ja noch nicht gekommen“, sagt Jens Feuerhack nach einer Weile und lacht. Kurz vorher hat er sicherheitshalber noch einmal über seine Schulter geschaut,

Feuerhack der Menschenfreund

Keiner der Vorbeifahrenden entkommt dem Bürgermeisterkandidaten der Neuberger Liste ohne ein Lächeln oder einen freundlichen Gruß. Wahlkampfgehabe? Man täte ihm unrecht, würde man seine Freundlichkeit darauf reduzieren wollen. Feuerhack, das wird im Gespräch am Fahrbandrand schnell deutlich, ist ein Menschenfreund. Und besondere Sympathien hegt er für Radfahrer. Er war selbst mal einer. Ein richtig guter sogar. „Auch wenn man das heute nicht mehr unbedingt vermuten würde“, sagt er und beweist beim Blick auf die Konturen seines Leibs durchaus Selbstironie. In seiner Jugend war er auf den zwei Rädern so schnell unterwegs, dass er sogar in den Leistungskader berufen wurde. Damals, als seine Heimatstadt in der ehemaligen DDR noch offiziell Karl-Marx-Stadt hieß. Für die Chemnitzer sei die Stadt jedoch schon immer Chemnitz gewesen, betont Feuerhack.

Würde man die Identifikation mit einem Ort nach Lebensjahren bemessen, dann wäre Feuerhack mit seinen 55 Lenzen heute mehr Neuberger als Chemnitzer. Seit 1990 lebt er in der Gemeinde, die nach der Wende gleich seine erste Anlaufstation im Westen war. Seine Biographie ist bunt und wohl auch typisch für eine Ost-Generation, die im darniederliegenden Arbeiter- und Bauernstaat plötzlich vor dem Nichts stand. Um im wiedervereinten Deutschland Fuß zu fassen, musste Feuerhacks Generation im Osten vor allem eines sein: anpassungsfähig. Die Liste seiner erlernten Berufe ist lang: Diplomgesellschaftswissenschaftler, Stahlbauschlosser, Arbeitserzieher, Systemischer Berater sowie – und dies gilt bis heute – Pädagogischer Mitarbeiter und Standortbeauftragter bei einem hessischen Bildungsträger. Dort kümmert er sich um alles, am liebsten aber um die Bedürfnisse seiner Schützlinge. Das sind Menschen unter 30, die das allgemeinbildende Schulsystem ohne Abschluss beendet haben und die er nun zumindest zum Hauptschulabschluss bringen soll.

Studienzeit vom Wechselwind umweht

Feuerhack hat keine seiner beruflichen Etappen bereut. Jede habe ihn bereichert, menschlich und fachlich weitergebracht, sagt der Kommunalpolitiker, der den Schwerpunkt seines geisteswissenschaftlichen Studiums einst auf die Ästhetik- und Kulturtheorie legte und im Rahmen seiner Diplomarbeit die Wirkung der Belletristik auf das Bewusstsein des Menschen untersuchte. Seine Studienzeit, berichtet Feuerhack, sei dann schon vom Wechselwind, von Glasnost und Perestroika umweht gewesen. Doch ein Nostalgiker sei er nicht. Der alten DDR habe er wegen des korrumpierten Parteiapparats keine Träne nachgeweint. Doch im Gegensatz zu vielen „Wendehälsen“, die den Systemwechsel nahtlos überstanden hätten, habe er sich den Traum von der sozialen Gerechtigkeit bewahrt. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass es für ihn ein Versuch wert gewesen wäre, den damals von Hans Modrow und Oskar Lafontaine propagierten dritten Weg zu gehen und aus den beiden deutschen Staaten einen neuen, einen ganz anderen zu machen.

Aber das sei nun Schnee von gestern, schlägt er die Brücke in die Gegenwart. Statt an der großen gesellschaftlichen Veränderung versucht sich Feuerhack am Wandel im Kleinen. Seit acht Jahren sitzt er für die Linken im Kreisausschuss. Noch länger gehört er der Neuberger Liste an, die weniger ideologisch, dafür aber pragmatischer orientiert sei. Bei der letzten Kommunalwahl musste Feuerhack für den Ruf seiner Wählergemeinschaft kämpfen, nachdem Bürgermeisterin Iris Schröder (SPD) den Zugewinn der NL in einem Zeitungsinterview damit erklärte hatte, dass es in Neuberg ja keine AfD gebe, mit der die Wähler die Volksparteien hätten abstrafen können. „Da mussten wir uns natürlich wehren“, sagt er. Die Neuberger Liste, die mit Lieselotte Schaffer auch die Vorsitzende der Hanauer Lebenshilfe in ihren Reihen hat, sei eine sozial-engagierte Gruppierung, findet Feuerhack. Soziales Engagement zeigt auch er selbst. Neben Job und all der politischen Arbeit leistet er sich als Schöffe am Landgericht ein weiteres zeitaufwendiges Ehrenamt. Dazu sei er eher zufällig gekommen. Die Linken hatten ihn gefragt, ob er sich nicht vorstellen könne, dafür zu kandidieren. Die Chance, dass er berufen werde, sei ja ohnehin gleich null, hieß es. Mittlerweile sitzt er seit zwei Jahren regelmäßig bei Gericht. Auch das bereue er letztlich nicht.

Nein sagen ist nicht seine Stärke

Nein sagen gehört nicht unbedingt zu seinen Stärken, meint der Kümmerer, während er einem plötzlich auftauchenden, pfeilschnellen E-Bike-Fahrer mit einem Satz auf die angrenzende Wiese ausweicht. Doch neulich, als sich zusätzlich zu all seinen Aufgaben durch die dringend sanierungsbedürftige Wohnung seines Schwiegervaters eine weitere Baustelle auftat, da musste der Tausendsassa die Reißleine ziehen. „Da habe ich gemerkt, dass ich an meine Grenzen komme“, sagt er. Feuerhack legte mit sofortiger Wirkung sein Amt als Fraktionsvorsitzender und auch sein Mandat im Gemeindeparlament nieder. Nicht jedoch, ohne seinen Parteifreunden in einem umfangreichen Schreiben alle seine Beweggründe zu erklären.

Für viele kam es dann überraschend, dass der Vater eines erwachsenen Sohnes trotz der offensichtlichen Überlastung seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl aufrecht erhielt. „Ich glaube, es ist wichtig, dass alle im Parlament vertretenden Parteien und Gruppierungen einen Kandidaten stellen“, begründet er seine Entscheidung. Inhaltlich gebe es eine Nähe zu eigentlich alle Parteien, vor allem aber unter den ehemaligen Fusionsgegnern von CDU, Grünen und Neuberger Liste. Da sei schon ein Wille da, die SPD-Herrschaft nach nunmehr 50 Jahren zu beenden. Dass es am Ende nicht zu einem gemeinsamen Kandidaten gekommen sei, sei teils auch Corona geschuldet. „Wir haben uns nicht mehr so oft gesehen, jeder hat so sein Ding gemacht.“

2015 bekam er 17 Prozent

Für Feuerhack ist es das zweite Mal, dass er für das Amt des Verwaltungschefs kandidiert. Vor fünf Jahren hatte er als einziger Herausforderer gegen Iris Schröder keine Chance. Gerade einmal 17 Prozent stimmten für ihn. „Da war die Wahlbeteiligung aber auch unterirdisch. Diesmal werden die Karten ganz neu gemischt“, baut er darauf, dass es in etwas mehr als einer Woche keinen Bonus für einen Amtsinhaber gibt. Und wenn er dann am 14. März, oder was wahrscheinlicher wäre, in der Stichwahl gewählt würde, dann hätte er „richtig Bock auf den Job“. Bürgermeister, das wäre doch was. Und vor allem wäre es ein Job, den er bisher noch nicht gemacht hat. (Holger Weber)

Hier geht es zu den Porträts von Walter Bernges (CDU), Melanie Esch (Grüne) und Jörg Schachtner (SPD)

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