Kommunal- und Bürgermeisterwahl Neuberg

Neubergs künftiger Bürgermeister setzt auf Kooperation

Hatten am Wahlabend allen Grund zum Anstoßen: Neubergs neuer Bürgermeister Jörn Schachtner und seine Frau Nina.
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Hatten am Wahlabend allen Grund zum Anstoßen: Neubergs neuer Bürgermeister Jörn Schachtner und seine Frau Nina.

Neuberg – Am Tag nach dem Sieg begann für Jörn Schachtner bereits das Abschiednehmen. Die Kollegen in der Schule haben ihm gratuliert. Und der 46-Jährige Politiklehrer hat ihnen mitgeteilt, dass er seinen Schuldienst zum 1. Juli zumindest für längere Zeit beenden wird. Denn dann muss der frisch gekürte Neuberger Bürgermeister seinen Dienst im Rathaus antreten.

Seit gestern steht nun auch fest, dass er sich für seine Politik in Neuberg Mehrheiten suchen muss. Denn obwohl die SPD ihr Ergebnis von 2016 um 1,6 Prozent verbesserte und ihre Sitze im Parlament um einen auf nunmehr elf erhöhte, reichte es für die Sozialdemokraten am Ende nicht ganz zur absoluten Mehrheit. Ein Umstand, dem Schachtner nicht unbedingt negativ gegenübersteht, wie er sagt. „Mein Ziel ist es ohnehin, den Konsens zu suchen und möglichst eine breite Mehrheit hinter die Entscheidungen zu bekommen.“

Neuberger sind nicht nachtragend

Dass die SPD ein Jahr nach der gescheiterten Fusion mit der Stadt Erlensee ein solches Ergebnis hinlegt, ist die große Überraschung dieser Wahl und zeigt, dass die Neuberger nicht nachtragend zu sein scheinen. Offenbar haben sie den Sozialdemokraten sehr schnell verziehen, dass sie einen Zusammenschluss mit dem großen Nachbarn befürwortet hatten. Zur Erinnerung: 80 Prozent der Neuberger hatten sich gegen eine Fusion mit Erlensee ausgesprochen.

Alle Seiten, sowohl Sieger als auch Verlierer, versuchten sich gestern daran, das Phänomen der schnellen Wiederauferstehung der Sozialdemokraten zu analysieren. Eine wirkliche Erklärung dafür habe er nicht parat, gestand Federico Theilen, der Spitzenkandidat und bisherige Fraktionsvorsitzende der CDU. Er sei fest davon ausgegangen, dass es für die SPD eine Klatsche geben werde. Die gab es zwar auch nicht für seine Partei, dennoch gehörte die CDU zu den Verlierern der Wahl. Sie büßte 2,4 Prozent im Vergleich zu 2016 und einen Sitz ein.

Theilen: SPD hat enormen Aufwand betrieben

„Ich kann es mir nur so erklären, dass der enorme Aufwand, den die SPD im Wahlkampf betrieben hat, einen Ausschlag dafür gegeben hat. Wir haben dagegen ja nur ein paar hundert Euro ausgegeben“, rechnet Theilen vor. Inhaltliche Fehler sieht der Spitzenkandidat bei seiner Partei nicht.

Bürgermeisterin Iris Schröder glaubt, ein wichtiger Faktor sei, dass man die Entscheidung der Bürger bei der Fusion akzeptiert und damit auch abgehakt habe. „Im Wahlkampf spielte sie bei uns überhaupt keine Rolle mehr. Es galt für die Partei, nach vorne zu blicken.“ Dafür hätte auch gesprochen, dass sich die Partei vor den Wahlen stark erneuert habe, glaubt Wahlsieger Schachtner. Von den 23 Kandidaten seien 13 neue dabei gewesen.

Grüne freuen sich über Zugewinn von 5,7 Prozent

Ein weiteres Phänomen dieser Wahl ist zweifellos auch das Ergebnis der Grünen und ihrer Spitzenkandidatin Melanie Esch, die mit 13,5 Prozent ein Prozent hinter dem Ergebnis ihrer Partei blieb. Offenbar konnten sich nicht alle Wähler der Ökopartei mit ihr als Kandidatin für das Bürgermeisteramt anfreunden. Esch war weder am Wahlabend noch gestern telefonisch zu erreichen. Die Grünen freuten sich jedoch auf ihrer Facebookseite über den deutlichen Zugewinn von 5,7 Prozent.

Katzenjammer herrschte dagegen bei der Neuberger Liste, die offenbar mit ihren Themen den Nerv des Wählers nicht getroffen habe, wie Spitzenkandidat Bernd Meininger resümierte. „Im Nachhinein wäre es besser gewesen, wir hätten gleich im Anschluss an den Bürgerentscheid über die Fusion einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten mit CDU und Grünen präsentiert. Diese Chance auf den Wechsel haben wir alle verpasst“, so Meininger.

Koalition unwahrscheinlich

Eine Koalition wird es in Neuberg jedoch voraussichtlich in der kommenden Wahlperiode nicht geben. Schachtner und seine SPD müssen sich für ihre Projekte somit auch künftig punktuell Mehrheiten besorgen. Die CDU sei dafür aufgeschlossen, versicherte Theilen. Voraussetzung sei, „dass es sich um vernünftige Anträge handelt“. Gleichzeitig forderte er von der SPD mehr Initiativen ein. „Bisher waren wir es, die mit Anträgen Ideen formuliert haben.“ Theilen würde es begrüßen, wenn sich der Bürgermeister um die Ansiedlung von Gewerbe kümmern würde.

Und auch Bernd Meininger hat Hoffnung, mit der SPD zu kooperieren. „Wir werden uns Gesprächen nicht verschließen“, sagte er. Und die Grünen ließen wissen: „Wir sind gespannt, wie es nun für Neuberg weitergeht und freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit.“ (Von Holger Weber)

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