Iris Schröder über besondere Momente

Ein Blick in den Rückspiegel

Neuberg – 18 Jahre stand Iris Schröder ihrer Gemeinde als Bürgermeisterin vor. Unsere Zeitung hat sie gebeten, die besonderen Momente ihrer Amtszeit zu beschreiben, die schönen, aber auch die tragischen. Die emotionalen und auch die enttäuschenden:

Traurig

„Schwierig waren zweifellos alle Momente, die mit dem Tod und dem Abschiednehmen zu tun hatten. Erst zuletzt mussten wir in unserer Gemeinde von einer liebenswerten Erzieherin Abschied nehmen, die viel zu früh von uns gegangen ist. Auch der plötzliche Tod unseres Ersten Beigeordneten Norbert Geiger hat mich damals sehr getroffen. Das waren Momente, in denen es mir schwerfiel, die richtigen Worte zu finden.“

Lustig

„Lustig ging es immer zu, wenn die Kleinen aus den Kitas oder der Grundschule bei uns im Rathaus zu Besuch waren. Die Kinder denken ja, du bist die Königin von Neuberg. Und ihre Fragen, die hatten es immer in sich. Aber auch bei den Vereinsfesten habe ich mich immer wohlgefühlt und viele lustige und gesellige Abende verbracht.“

Rührend

„Gerührt hat mich besonders das Abschiedsgeschenk von Martin Scholz, dem Ehemann meiner Sekretärin Petra Scholz: eine Flasche Gin mit dem Emblem der Offenbacher Kickers. Dazu muss man wissen, dass ich seit Kindheitstagen eine leidenschaftliche Anhängerin der Kickers bin. Und Martin Scholz aus tiefstem Herzen Eintracht-Fan.

Gerührt hat mich zudem, als meine damals zweijährige Enkelin mir nach meiner zweiten Wiederwahl einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt hat. Das war ein unvergesslicher Moment. Und natürlich der Abschied, den mir meine Mitarbeiter im Rathaus bereitet haben. Der hat mich sehr berührt.“

Peinlich

„Einer der peinlichsten Momente ist noch gar nicht so lange her. Ich habe den neuen Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Hanau bei seinem Antrittsbesuch in Neuberg nicht erkannt und ihn für einen normalen Mitarbeiter der Sparkasse gehalten. Normalerweise pflegte ich mich bei Besuchen im Rathaus immer auf den Besuch vorzubereiten. Aus irgendeinem Grund habe ich es in diesem Fall nicht getan. Ich habe seinen Begleiter gefragt, ob er auch bald in Rente geht und seinen Nachfolger mitgebracht hat. Das war wirklich peinlich.“

Wichtig

„Zweifellos war meine erste Wahl zur Bürgermeisterin sehr wichtig. Ich war damals 46, so wie heute Jörn Schachtner. Dass ich gewählt wurde, kam zwar nicht überraschend, weil ich ja schon zuvor lange in der Neuberger Kommunalpolitik engagiert war, dennoch war es ein schöner und wichtiger Augenblick. Ich hatte zuvor als Ausbildungsleiterin in der Industrie (Degussa und Heraeus) gearbeitet und einen gut bezahlten Job sowie eine 35-Stunden-Woche aufgegeben. Ich habe die Entscheidung nie bereut, Bürgermeisterin zu werden, auch wenn der Job sehr zeitintensiv und anstrengend war.“

Enttäuschend

„Die größte Enttäuschung meiner Amtszeit war sicherlich der Bürgerentscheid über die Fusion mit Erlensee. Ich war enttäuscht, dass wir die Menschen mit unserer Idee nicht erreicht haben. Ob wir Fehler gemacht haben? Ja, das haben wir sicherlich. Aber man macht Fehler ja nicht fahrlässig, sondern oft guten Glaubens. Stefan Erb und ich haben bei dem Prozess auf die falschen Partner gesetzt. Dennoch bin ich immer noch davon überzeugt, dass es wichtig war, dass wir mit dem Konzept vorangegangen sind. Bürgermeister sind auch dafür da, Impulse zu setzen. Versöhnlich hat mich letztlich gestimmt, dass die SPD trotz allem die Wahl in Neuberg so deutlich gewonnen hat und die Wähler mich und die Partei nicht abgestraft haben, was ja durchaus zu befürchten war. Es zeigt auch, dass man grundsätzlich mit unserer Politik zufrieden war.“ (how)

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