Er kandidiert für die SPD

Bürgermeisterwahl Neuberg: Der Politik-Neuling Jörn Schachtner

Noch unterrichtet der gebürtige Neuberger Jörn Schachtner Sport und PoWi, hofft aber, neuer Bürgermeister seiner Heimatkommune zu werden.
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Noch unterrichtet der gebürtige Neuberger Jörn Schachtner Sport und PoWi, hofft aber, neuer Bürgermeister seiner Heimatkommune zu werden.

Jörn Schachtner wartet schon am Eingang der Lindenauschule. Es sind fast 20 Grad. T-Shirt-Wetter. Schachtner bringt seine Jacke noch schnell zu einer Schülerin. Seit 2019 ist er Lehrer an der Integrierten Gesamtschule im Hanauer Stadtteil Großauheim. Am Morgen hatte er Unterricht, nachher ist er noch mal dran. Die Mittagspause hat der 46-Jährige heute extra für den HANAUER ANZEIGER reserviert.

Neuberg – Wer ist der Mann, der bei der Bürgermeisterwahl am 14. März für die Neuberger Sozialdemokraten kandidiert und Amtsinhaberin Iris Schröder, die nach 17 Jahren nicht mehr antritt, beerben möchte?

Jörn Schachtner ist ein Politik-Neuling. Daraus macht er keinen Hehl. Warum auch? In die SPD ist er erst 2017 eingetreten. Er habe schon länger überlegt, sich parteipolitisch zu engagieren, sagt Schachtner. Nach der Flüchtlingskrise und dem Einzug der AfD in den Bundestag sah er den richtigen Zeitpunkt dafür gekommen. Warum die SPD? „Weil ich denke, dass die Sozialdemokraten noch die meisten Antworten auf aktuelle Fragen haben“, erklärt der Bürgermeisterkandidat und schiebt dann hinterher: „Ob sie das in der Bundespolitik auch umsetzen können, bleibt – im Moment zumindest – abzuwarten.“

Schachtner ist viel draußen unterwegs

Im Januar 2020 war der Name Schachtner erstmals aufgetaucht in der Debatte um die Nachfolge von Iris Schröder. Vorstand und Mitglieder stimmten für den gebürtigen Neuberger, der seine Bewerbung in dem parteiinternen Verfahren eingereicht hatte. Schachtner lebt mit seiner Frau Nina, die als Grundschullehrerin an der August-Gaul-Schule in Großauheim arbeitet, und den beiden Kindern Till (8) und Philine (10) in Ravolzhausen. Hier, im Neubaugebiet unweit des Limes, wo auch die Grünen-Kandidatin Melanie Esch zu Hause ist, haben die Schachtners 2006 gebaut. In der Familie geht es tierisch zu, denn neben Hund Sid gehören noch vier Hühner, zwei Hasen und Pony Frida dazu. Letztere steht auf dem Sophienhof und wird von Nina Schachtner und ihrer Tochter regelmäßig geritten.

Auch der Sozialdemokrat ist viel draußen unterwegs, dann allerdings nicht im Sattel, sondern in Turnschuhen. Schachtner läuft leidenschaftlich gern und konnte auch seinen Freund, den SPD-Landtagsabgeordneten Christoph Degen, fürs Laufen begeistern. Jeden Sonntag um 8 Uhr drehen sie eine gemeinsame Runde, egal wie das Wetter ist. Sportlich ist der 46-Jährige auch sonst. Er spielt Tennis, vergangenes Jahr noch mit Bruchköbel in der Hessenliga, diese Saison beim TC Neuberg, wo er auch Jugendwart ist.

Sport spielt im Leben von Schachtner eine große Rolle

Auch als Fußballer war Schachtner viele Jahre aktiv, spielte in der Jugend beim OFC (gegen Oka Nikolov, der im gleichen Jahrgang war), ging dann nach Oberissigheim und später zur Spielvereinigung Langenselbold, wo er in der Landesliga zwischen den Pfosten stand. Fußball-Profi? Schachtner lacht. „Das wär’s gewesen.“ Nachdem er sich in seiner letzten Saison beim FSV Neuberg dreimal an der Hand verletzt hatte, hängte er die Torwarthandschuhe an den Haken.

Sport spielt für den studierten Pädagogen auch im Berufsalltag eine große Rolle. An der Lindenauschule, vorher war er viele Jahre an einem Gymnasium in Heusenstamm, lehrt Schachtner Sport sowie Politik und Wirtschaft (PoWi) und ist Fachbereichsleiter der Gesellschaftswissenschaften. „Es ist das einzige Fach, in dem man den jungen Leuten etwas fürs Leben beibringen kann“, findet der 46-Jährige, der Teil des Schulleitungsteams ist und hier unter anderem das Abitur koordiniert.

Gestaltende Politik motiviert Schachtner

Selbst Politik zu machen anstatt nur darüber zu reden? „Ja, das ist schon etwas anderes“, räumt Schachtner ein. Seine Kandidatur sei auch Thema im Unterricht gewesen. Die Frage, wie lange er noch da sei, wenn er gewählt werden würde, beschäftige die Schüler – in Corona-Zeiten vielleicht sogar noch mehr, als sie es sonst tun würde. „Corona schlägt bei den Kindern durch“, sagt Schachtner. Während der soziale Hintergrund am Gymnasium stark sei, merke man an der Lindenau, dass viele Kinder allein gelassen würden.

Unterwegs an der Lindenauschule in Großauheim: Jörn Schachtner spricht mit Redakteurin Yvonne Backhaus-Arnold über seine Motivation, den Sport und Neuberg.

Das System Schule – für den Sozialdemokraten ist es „immer noch relativ starr“. Bei all den Vorgaben von Ministerium und Schulamt könnten sich Schulen gar nicht so entfalten, wie sie das vielleicht gern tun würden. „Ich habe die Illusion, dass das als Bürgermeister vielleicht nicht einfacher geht, aber das man an dieser Stelle doch deutlich mehr bewegen kann als in der Schule“, sagt der 46-Jährige und erzählt dann vom Neuberger Haushalt, der vor einigen Tagen mit großer Mehrheit beschlossen worden sei und unter anderem die Errichtung eines Waldkindergartens vorsehe. Dinge entscheiden und dann umsetzen – für Jörn Schachtner ist genau das gestaltende Politik, es ist das, was ihn motiviert hat, um das Bürgermeisteramt zu kandidieren.

Gescheiterte Fusion müsse abgehakt werden

Seine Chancen? Bei den Gartenzaungesprächen, die er Mitte vergangenen Jahres geführt habe, seien die Rückmeldungen überwiegend positiv gewesen. „Deshalb bin ganz zuversichtlich, dass ich bei der Wahl gute Chancen habe.“

Die gescheiterte Fusion ist für den SPD-Kandidaten kein Thema mehr. 70:30 sei eine klare Entscheidung. „Das muss abgehakt werden“, sagt er, „und es müssen Rückschlüsse daraus gezogen werden, wie man die beiden Ortsteile, die bisher nebeneinander bestanden, zusammenführen kann. Das müssen wir jetzt angehen.“ Das Ziel, eine Ortsmitte zu schaffen, steht auch auf der Agenda der anderen Bürgermeisterkandidaten ganz weit oben.

Kein Verständnis für den rauen Ton im Wahlkampf

Wie auch das Thema interkommunale Zusammenarbeit. Hier soll im Herbst geprüft werden, ob Neuberg, das aktuell noch von Erlensee mitversorgt wird, dem neu gegründeten Ordnungsamtsbezirk Ronneburg, Hammersbach, Niederdorfelden, Limeshain beitreten kann. Dann würden für die 5400-Einwohner-Kommune beispielsweise wieder mehr Hilfspolizisten zur Verfügung stehen, um den ruhigen und laufenden Verkehr zu überwachen, erklärt Schachtner.

Dass der Ton im Wahlkampf derart rau, aber vor allem unsachlich ist, kann der 46-Jährige nicht verstehen. Die Angriffe, die vor allem die Grünen-Kandidatin Melanie Esch immer wieder via Facebook platziere, ließen ihn ratlos zurück, „zumal wir uns nicht persönlich kennen und noch nie ein Wort miteinander gewechselt haben“. Sein offizielles Gesprächsangebot im März 2020 hätten sowohl Grüne als auch Neuberger Liste abgelehnt. „Seitdem“, sagt Schachtner, „torpedieren sie alles.“ Egal auf wen die Wahl am 14. März (eine Stichwahl wäre am 28. März) falle, der- oder diejenige werde die große Aufgabe haben, die verhärteten Fronten wieder zusammenzuführen.

Schachtner sieht sich als Teamplayer

Jörn Schachtner, der 2013 den Frankfurt Marathon („Ausdauernd möchte ich auch in der Politik sein“) mitgelaufen ist, sieht sich selbst als Teamplayer -– nicht nur im Sport. Er sei kein Mensch, der Entscheidungen alleine fälle, sagt der Sozialdemokrat, der sich selbst als verantwortungsbewusst, verlässlich, kompromissbereit beschreibt.

Sportlich geht es für den Lehrer auch am Tag unseres Spaziergangs weiter. Auf ihn warten heute Mittag noch die Schüler des Leistungskurses Sport. Theorie auf dem Stundenplan. Muskelgruppen und Kräftigungsübungen. Im Wahlkampf-Endspurt, der jetzt eingeläutet wird in Neuberg, schaden die sicher nicht. (Von Yvonne Backhaus-Arnold)

Hier geht es zu den Porträts von Walter Bernges (CDU), Melanie Esch (Grüne) und Jens Feuerhack (Neuberger Liste).

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