Corona-Pandemie

Gemeinsam allein: Single-Club MKK gibt Mitgliedern in der Krise Halt und Trost

Zuletzt im Sommer trafen sich einige Mitglieder des Single-Clubs auf der Minigolfanlage, damals noch ohne Maskenpflicht. Clubgründer Stefan Simon (Mitte vorne) vermisst wie die anderen die gemeinsamen Unternehmungen.
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Zuletzt im Sommer trafen sich einige Mitglieder des Single-Clubs auf der Minigolfanlage, damals noch ohne Maskenpflicht. Clubgründer Stefan Simon (Mitte vorne) vermisst wie die anderen die gemeinsamen Unternehmungen.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Gerade in schwierigen Zeiten sucht er Halt bei vertrauten Personen, Freunden und Familienmitgliedern. Dabei ist die Familie oftmals eine der wichtigsten Größen. „Der eigene Hausstand“ heißt das in den vielen Verordnungen zur Corona-Pandemie. Aber was ist mit Menschen, die alleine in ihrem Hausstand leben und Single sind? Ohne Partner oder Kinder.

Region/Neuberg – Die Zahl der Single-Haushalte steigt in den vergangenen Jahren stetig an: Rund 17,6 Millionen Menschen in Deutschland lebten im Jahr 2019 alleine. 2018 waren es noch 17,3 Millionen, teilt das Statistische Bundesamt mit. Der Anteil der Single-Haushalte steig zwischen 1991 und 2019 von 34 auf 42 Prozent. Laut dem Statistischen Bundesamt ist vor allem der Männeranteil bei den jüngeren Singles bis 49 Jahren auffällig hoch.

Stefan Simon ist einer dieser Männer. Der Neuberger gründete schon vor elf Jahren den Single-Club Main-Kinzig-Kreis. Aktuell hat der Verein 46 Mitglieder, erzählt Simon im Gespräch mit dem HA – so viele wie noch nie. Denn gerade durch die Corona-Pandemie hat der Club ein halbes Dutzend neue Mitglieder bekommen. Denen sei in den Monaten des ersten Lockdowns die Decke auf den Kopf gefallen, berichtet Simon. „Wir haben sie herzlich aufgenommen, wie wir das immer tun.“

Kontakt läuft virtuell

Normalerweise trifft sich der Club wöchentlich zum Stammtisch in Cafés oder Restaurants, die Mitglieder unternehmen viel zusammen: Kino- und Flohmarktbesuche, Kegeln und Ausflüge. „Unsere Treffen fehlen uns allen“, sagt Simon. Aktuell können die Singles, die aus dem ganzen Main-Kinzig-Kreis kommen, nur über digitale Medien Kontakt halten. „Vieles geht über WhatsApp und abends wird besonders viel gechattet“, beschreibt Simon die Situation der Singles. Aber persönliche, ungezwungene Treffen könnten durch Handy-Kommunikation nicht ersetzt werden.

Die Einsamkeit und der gerade notwendige soziale Abstand geht vielen der Club-Mitglieder an die Substanz. „Einige sind depressiv geworden, wir versuchen, ihnen darüber hinweg zu helfen. Aber die Situation ist sehr beklemmend“, erzählt der 46-jährige Clubgründer. Die Mitglieder kommen unter anderem aus Neuberg, Langenselbold, Hanau, aber auch Freigericht und Rodenbach.

Treffen im kleinen Rahmen

Am Wochenende treffen sie sich manchmal zu zweit oder zu dritt und gehen zusammen spazieren oder Radfahren – mit sicherem Abstand. „Dann kann man mal den Kopf frei kriegen.“ In der öffentlichen Diskussion werden Menschen, die alleine leben und für die ihre sozialen Kontakte vor dem Lockdown überwiegend im öffentlichen Raum stattgefunden haben, zumeist vergessen. Sie hätten leider keine Lobby, bedauert auch Simon. Der Neuberger, der im vergangenen Jahr für sein ehrenamtliches Engagement im Club vom Radiosender HR4 zu einem von Hessens Helden des Jahres gekürt wurde, engagiert sich auch unter Corona, so weit es geht. „Es rufen mich auch oft Clubmitglieder an, um sich den Frust wegen Corona von der Seele zu reden.“

Er und alle Singles im Club wünschen sich, dass normale Treffen wieder möglich sind. „Dass wir uns alle bei einem großen Treffen wiedersehen und die Zeit unbeschwert zusammen genießen können.“

Über die Homepage können Interessierte Kontakt zum Club aufnehmen. (Von Monica Bielesch)

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