Aus dem Vereinsleben

Schachfreunde in der Bredouille: Die Neuberger Denksportler verlieren mit Gemeindehaus ihr Zuhause

Warten auf den genialen Zug: Die Schachfreunde suchen eine Lösung, um aus dem (Raum-)Dilemma heraus zu kommen.
+
Warten auf den genialen Zug: Die Schachfreunde suchen eine Lösung, um aus dem (Raum-)Dilemma heraus zu kommen.

Neuberg – Die Schachfreunde sind das sportliche Aushängeschild der Gemeinde Neuberg. Seit vielen Jahren pendeln die Spieler zwischen zweiter Bundesliga und dritter Liga. „Wir sind so etwas, was man im Fußball als eine Fahrstuhlmannschaft bezeichnet“, sagt Norbert Seifert, der Vorsitzende des Clubs, schmunzelnd. Aber in Neuberg ist man zu Recht stolz auf das Erreichte. Denn im Gegensatz zu anderen Spitzenmannschaften in deutschen Schachsport zahlen die Neuberger ihren Spielern kein Geld.

Nun aber steht der Club vor einem Problem, was mit dem Sport nichts zu tun hat. Die Schachspieler werden durch den Verkauf des evangelischen Gemeindehauses in Ravolzhausen ihre Spielstätte verlieren. Bereits seit 1978, als das Gemeindehaus eröffnet wurde, treffen sich die Mitglieder des Vereins im Obergeschoss zu ihren Trainingsabenden. Und auch die Spiele werden dort ausgetragen. Die Kirchengemeinde hat den Schachfreunden die Räumlichkeiten vermietet. Auch deshalb, weil die Neuberger Schachspieler eine engagierte Jugendarbeit betreiben und vielen Kindern und Jugendlichen aus Rüdigheim und Ravolzhausen, aber auch aus den umliegenden Kommunen eine Heimat bieten.

Die Kirchengemeinde möchte sich von ihrem Gemeindehaus trennen, weil das Gebäude in der Unterhaltung zu teuer geworden ist, weil es kaum noch von den kirchlichen Gruppen genutzt wird und weil die Kirche laut Kirchenvorstand viel Geld in die energetische Sanierung des Gebäudes stecken müsste. Bis zum Ende des kommenden Jahres will der Kirchenvorstand eine Lösung gefunden haben.

Abriss unumgänglich

Die Frage ist, ob das 42 Jahre alte Gebäude abgerissen oder von einem neuen Eigner einer anderen Nutzung zugeführt wird. Die Kirchengemeinde hat ein Unternehmen beauftragt, dass sich dieser Frage annehmen soll. Klar ist jedoch: Die Schachfreunde werden die Bretter einpacken und sich eine neue Bleibe suchen müssen.

„Und das ist gar nicht so einfach“, sagt auch Neubergs Bürgermeisterin Iris Schröder (SPD). Die politische Gemeinde ist von Beginn an in die Gespräche über den Verkauf des evangelischen Gemeindehauses eingebunden gewesen. Eine Übernahme des Gebäudes kommt für Schröder nicht in Betracht, weil es für das Gebäude in seiner jetzigen Form seitens der politischen Gemeinde keine Verwendung gebe und man vor allem die notwendige Investition scheut. Die Suche gestaltet sich schwierig, weil die Schachspieler mindestens eine Fläche von etwa 150 Quadratmetern benötigen. Orte mit einer solchen Grundfläche gibt es nur wenige in Neuberg. Etwa die Kommende, die ebenfalls im Besitz der Kirchengemeinde ist, an den Wochenenden, an denen die Meisterschaftsspiele ausgetragen werden, jedoch meistens ausgebucht ist. Und auch auf dem Belegungsplan des Bürgerhauses in Rüdigheim gibt es kaum freie Stellen.

Senioren-Dependance zu klein

Das Begegnungszentrum der Senioren-Dependance, das Schröder den Schachspielern angeboten hat, sei ebenfalls zu klein, bedauert Seifert. Norbert Heck, mehr als 30 Jahre lang im Vorstand der Schachfreunde und so etwas wie das Urgestein des Clubs, fürchtet nun um die Zukunft des „bisher intakten und gesunden Vereins“.

Zu den räumlichen Problemen gesellt sich nun noch Corona, das den Spielbetrieb völlig zum Erliegen gebracht hat. In der Liga wird schon seit dem ersten Lockdown keine Spielfigur mehr gerückt und die Trainingsabende finden seit Anfang November höchstens noch online statt. Heck und Seifert befürchten, dass viele Kinder den Spaß verlieren könnten. Ausgerechnet jetzt, wo die Schachfreunde wieder eine starke Jugend aufgebaut haben und mit dem erst neun Jahre alten Alexis Buchinger, Dritter bei den deutschen Jugendmeisterschaften, auch ein großes Talent in ihren Reihen haben.

Seifert hegt die Hoffnung, dass der Schachverein durch die geplante Zusammenlegung der Feuerwehren und den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses Platz im derzeitigen Gerätehaus in Rüdigheim finden könnte. Aber dies wäre voraussichtlich erst 2025 der Fall. Bis dahin müsste eine Übergangslösung gefunden werden. „Ich bin da noch guter Dinge“, lässt sich Seifert den Optimismus nicht nehmen.

Von Holger Weber

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare