Zu teuer, sanierungsbedürftig

Trennung vom Gemeindehaus: Kirchengemeinde will das Gebäude bis Ende 2021 loswerden

Würden in dem Gemeindehaus am liebsten eine soziale Einrichtung sehen: Pfarrer Daniel Geiss (links) und Kirchenvorstandsmitglied Claus Diegel
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Würden in dem Gemeindehaus am liebsten eine soziale Einrichtung sehen: Pfarrer Daniel Geiss (links) und Kirchenvorstandsmitglied Claus Diegel

Die Unterhaltung des Gebäudes ist zu teuer, es wird nicht mehr genutzt wie früher, und es ist zudem dringend sanierungsbedürftig: Die evangelische Kirchengemeinde in Neuberg will sich bis zum Ende kommenden Jahres von ihrem Gemeindezentrum in Ravolzhausen trennen. Das ist bereits beschlossene Sache. Die Frage ist nur noch, ob das Gebäude abgerissen oder einer anderen Nutzung zugeführt wird. Letzteres würden Pfarrer Daniel Geiss sowie der Kirchenvorstand der Gemeinde begrüßen. „Am liebsten wäre uns eine soziale Nutzung, sagt Geiss. Er denkt dabei an Kinderbetreuung, eine Seniorentagespflege oder auch ein Arztzentrum, das in der Gemeinde ja dringend gebraucht werde.

Neuberg – Der Kirchenvorstand hat nun eine Projektgesellschaft mit der Vermarktung des Gebäudes beauftragt. Das gleiche Unternehmen war auch schon für die Kirchengemeinde in Dörnigheim tätig. Dort ist ein Gebäude des Gemeindezentrums veräußert worden, um mit dem Erlös das Gemeindehaus zu sanieren. Eine Sanierung käme in Neuberg allerdings nicht infrage. Da sind sich Pfarrer Daniel Geiss und auch Claus Diegel vom Kirchenvorstand einig. Die Kosten dafür wären nicht tragbar. Zu groß wäre die Baustelle: Dach und Elektroinstallationen, Küche und sanitäre Anlagen, Heizung und die Gebäudeisolierung müssten in absehbarer Zeit erneuert werden. Das Haus sei zudem 1978 für eine wachsende Gemeinde gebaut worden, mittlerweile habe sich ein gegenläufiger Trend eingestellt, viele Kreise und Gruppen gebe es nicht mehr. Auch externe Gruppen seien weniger geworden. Man habe sich in den vergangenen 20 Jahren vergeblich darum bemüht, neue Nutzer zu finden. Hinzu kommt, dass die Neuberger Gemeinde mit der Kommende in Rüdigheim ein weiteres Gebäude im Besitz hat. Schon vor Jahren habe eine Erhebung der Landeskirche ergeben, dass eine kleine Gemeinde wie Neuberg keine zwei Gemeindehäuser brauche. Und auch die Praxis spiegelt dies wider. In den vergangenen Jahren sei das Gemeindezentrum kaum noch zu privaten Feiern genutzt worden. Auch Tröster-Kaffees würden gut und gerne in der örtlichen Gastronomie angeboten, so Pfarrer Geiss. Zudem sei die kleine Küche für große Veranstaltungen ohnehin nicht geeignet. Das zeige sich immer wieder beim Gemeindefest und auch beim Fischessen des Fördervereins für die Ravolzhäuser Kirche. Auch dort müsste kräftig investiert werden.

Im Gemeindebrief sind die Mitglieder der Kirchengemeinde schon frühzeitig über die Pläne des Kirchenvorstands informiert worden. Überhaupt seien alle Gruppen, die das Gebäude nutzen, früh in Kenntnis gesetzt worden. „Wir wollen mit größter Transparenz agieren“, sagt Kirchenvorsteher Claus Diegel. Das Echo sei größtenteils positiv gewesen. Manch einer sei sogar erleichtert gewesen, dass die Kirche eine Einrichtung abstößt, die mehr Geld kostet, als in ihr erwirtschaftet wird. Zudem: Pfarrgarten, Pfarrhaus und die dazugehörige Remise blieben der Gemeinde ja erhalten, so Diegel

Vor einem Problem steht künftig jedoch der Neuberger Schachverein, der sich ein neues Zuhause suchen muss. Schon seit der Neueröffnung des Gemeindezentrums trainieren und spielen die Aktiven des Zweitbundesligisten im Obergeschoss des Gebäudes. Und das für eine recht günstige Pacht, so die Gemeindeverantwortlichen.

Man habe den Schachspielern angeboten, auch in die Kommende umzuziehen. Das Problem sei jedoch, dass Turniere und Spiele in der Liga immer am Wochenende stattfinden. Und da sei die Kommende ausgebucht. Hochzeiten, Geburtstage und andere Anlässe werden in dem schmucken Gebäude gefeiert. Reserviert werde mit großer Vorlaufzeit.

Im Gemeindebrief bedauert der Vorstand die Schließung: „Das ist ein sehr schmerzlicher Schritt für die ganze Gemeinde. Doch wir gehen diesen Schritt in der Verantwortung für die uns anvertrauten Mittel. Und wir wollen als Kirchengemeinde auch in Zukunft handlungsfähig bleiben“, heißt es.

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