Neuberg

Neuberger kettet sich an Baum und rettet Linde vor Umpflanzung

Hat sich durchgesetzt: Klaus-Peter Emmel hat die Linde am Kreisel in Ravolzhausen einst gestiftet und nun verhindert, dass sie umgebettet wird. Foto: Claus Diegel

Neuberg. Auf dem „Lindenhof-Kreisel“, direkt vor dem Gasthaus „Lindenhof“ an der Kreuzung Hüttengesäßer/Langenselbolder Straße in Ravolzhausen steht seit etwa 20 Jahren ein Lindenbaum. Dass er jetzt immer noch dort steht, ist dem beherzten Eingreifen von Klaus-Peter Emmel zu verdanken.

Von Claus Diegel

Emmel ist ehemaliger „Lindenhof“- Gastwirt, Anwohner und zugleich Stifter und Pate des betreffenden Lindenbaums.

Die Arbeiter des Bauhofs waren am Montagmorgen angerückt, um den Baum „umzusiedeln“, wie sie verlauten ließen. So wie sie dabei vorgegangen seien, hätte das wohl zum gleichen Ergebnis geführt, meint zumindest ein Fachmann.

Klaus-Peter Emmel, der im ehemaligen Lindenhof wohnt, wurde durch den Baulärm am Montagmorgen geweckt. „Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, was ich da sah“, ist er immer noch auf Betriebstemperatur. „Sofort bin ich zu den Arbeitern und habe dafür gesorgt, dass der Unsinn gestoppt wird. Sie haben mir gesagt, dass der Baum versetzt werden soll und in Rüdigheim in ein Renaturierungsgebiet eingepflanzt werden soll. Dafür soll auf dem Kreisel eine Blühwiese entstehen.“

Große Wurzel bereits beschädigt

Da er die Bürgermeisterin zunächst nicht erreichen konnte, rief er bei der Unteren Naturschutzbehörde an und erfuhr, dass dort zwar die Aktion Blühwiese bekannt war, aber nicht das Versetzen des Lindenbaums. Seine Rückfrage bei einer Baumschule bestätigte seinen Unmut: „Dort wurde mir gesagt, eine Entnahme eines so großen Baums zu dieser Jahreszeit sei Unsinn, solange der Baum noch Blätter habe, und würde ihm wahrscheinlich großen Schaden zufügen“. Außerdem müssten solche Arbeiten von einer Fachfirma vorgenommen werden.

Emmel rief sogar die Polizei an, die die Aktion unterbinden sollte und kettete sich symbolisch an den Baum an, damit die schon weit fortgeschrittenen Arbeiten nicht weitergingen. Bei den Arbeiten des Bauhofs wurde nach Auskunft Emmels schon eine große Wurzel des Baumes beschädigt. Die Pflanze wäre wohl kurze Zeit später nicht mehr zu retten gewesen, befürchtet der Ravolzhäuser.

Noch am späten Nachmittag, als unser Foto entstand, waren die Anwohner ob dieser Aktion sehr verärgert. Ingrid Best, ebenfalls direkte Nachbarin am Kreisel befürchtete: „Ohne den Baum fahren die ersten Raser, wie in Erlensee mehrfach passiert, sicher auch hier mitten über den Kreisel.“

Als Pate eingegriffen

Lukas Kroll, 20-jähriger Zimmermanns-Azubi, meinte: „Man kann doch die Blühwiese, die sicher eine gute Sache ist, auch um den Baum herum anlegen.“ Genau dies wird jetzt auch passieren. Denn, wie Bürgermeisterin Iris Schröder auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, wird der Baum nun stehen bleiben. Zwar hätte sie sich gewünscht, der Baumpate wäre im Rathaus gegenüber ihren Mitarbeitern etwas konzilianter aufgetreten, doch wolle man nun nichts weiter unternehmen. Der Baum sei bei den Planungen der Blühwiese schlichtweg nicht mit einbezogen worden, so die Verwaltungschefin. Der Kreisel soll mit Unterstützung des Main-Kinzig-Kreises jetzt neu gestaltet werden.

Ohne das Eingreifen des Baumpaten Emmel wäre der Baum wohl jetzt nicht mehr da. Aber für so etwas sind Paten ja schließlich auch da.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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