Kein Nachfolger für Dr. Stein

Noch keine Lösung in Sicht: Neuberg sucht weiter nach einem neuen Hausarzt

In Neuberg gibt es bald nur noch einen Hausarzt: Gemeinde und Kreis suchen fieberhaft nach einem Mediziner, der sich in der Gemeinde niederlässt.
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In Neuberg gibt es bald nur noch einen Hausarzt: Gemeinde und Kreis suchen fieberhaft nach einem Mediziner, der sich in der Gemeinde niederlässt.

Neuberg – Die Suche nach einem neuen Hausarzt für Neuberg hält an. Die Gemeinde bemüht sich jetzt gemeinsam mit dem Main-Kinzig-Kreis um eine Lösung für den sich abzeichnenden Ärztemangel in Rüdigheim und Ravolzhausen.

Der Allgemeinmediziner Dr. Hartmut Stein hatte bekanntlich vor drei Monaten angekündigt, dass er aus Altersgründen seine Hausarztpraxis in Rüdigheim zum Ende des Jahres schließen wird. Stein praktiziert bereits seit rund 30 Jahren in der Gemeinde und teilt sich die Patienten mit seinem Kollegen Dr. Rüdiger Tippe aus Ravolzhausen. „Ich habe jetzt bereits mit der Abwicklung der Praxis begonnen“, sagte Stein gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwei seiner drei Sprechstundenhilfen haben demnach bereits neue Arbeitsstellen gefunden. Die Hoffnung, bis zum Ende des Jahres einen Nachfolger zu finden, gibt er zwar nicht auf. Groß sei sie jedoch nicht, sagt er.

„Die Suche nach Ärzten erfordert Geduld“, meint auch Julia Fock, die seit vergangenem Jahr beim Main-Kinzig-Kreis als Koordinatorin für die ärztliche Versorgung arbeitet und dazu beitragen soll, dass die Bürger in den Gemeinden und Städten ausreichend Ärzte finden.

Junge Ärzte bevorzugen nach Focks Erfahrung größere Städte und die Arbeit in einem Verbund wie beispielsweise einer Gemeinschaftspraxis. Die Gründung einer Einzelpraxis komme für immer weniger Ärzte in Frage. „Gute Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Freizeitgestaltung und eine gute Kinderbetreuung wünschen sich laut Umfragen viele Medizinstudenten“, so Fock. Neue moderne Räumlichkeiten seien ebenfalls entscheidend. Auf diese Bedürfnisse sollten Kommunen eingehen und gegebenenfalls dort, wo sie könnten, das Angebot verbessern, so Fock.

Dr. Stein wickelt seine Praxis schon ab: Zwei seiner Sprechstundenhilfen haben bereits eine neue Arbeit gefunden.

Die Koordinatorin arbeitet eigenen Angaben zufolge mit einem Netzwerk aus verschiedenen Institutionen des Gesundheitswesens zusammen. Dazu gehören Kassenärztliche Vereinigung, Main-Kinzig-Kliniken, Hausärzteverband, Gefahrenabwehr, Klinikum Hanau, Land Hessen und die Leitstelle für ältere Bürger. Ein gemeinsamer Austausch finde regelmäßig statt. Es sei ein beratendes Gremium, das dann auch im jeweiligen Fall seine Expertise einbringen könne. Als Koordinatorin ist Fock auch Ansprechpartnerin für Medizinstudenten, Ärzte in Weiterbildung und interessierte Ärzte, die im Kreis arbeiten möchten. Für Letztere hält der Kreis auch Fördermittel bereit.

Er ermöglicht eine finanzielle Unterstützung bei Neuniederlassungen, einer Gründung von Gemeinschaftspraxen, Medizinischen Versorgungszentren oder Zweigpraxen sowie bei der Anstellung von Ärzten. Die Förderungen würden bisher sehr gut angenommen. In Meerholz und Schöneck wurden zuletzt Lösungen gefunden. Und auch Langenselbold bekommt bekanntlich ein Ärztehaus.

Die Gemeinde Neuberg hofft zwar auf die Hilfe des Kreises, will aber selbst nicht untätig bleiben: Bürgermeisterin Iris Schröder möchte vor allem die Rahmenbedingungen verbessern. Im Neubaugebiet Weingartsweide gibt es noch zwei im Besitz der Gemeinde befindliche Grundstücke, wovon eines für den Bau einer Gemeinschaftspraxis zur Verfügung gestellt werden könnte.

Auch ein Erbpachtmodell sei denkbar, sagt Schröder, die trotz der Vakanz optimistisch ist, dass man einen Nachfolger für Dr. Stein finden wird: „Wir sind eine attraktive Gemeinde in guter Lage und Nähe zur Metropole Frankfurt, haben eine Schule, Kitas und ein attraktives Freizeitangebot. Da muss doch was zu machen sein“, sagt die Verwaltungschefin.

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