So plant Iris Schröder ihren Ruhestand

Neubergs Bürgermeisterin ist dann mal weg

Ein letzter Gruß aus dem Rathaus: Iris Schröder ist in Rente gegangen.
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Ein letzter Gruß aus dem Rathaus: Iris Schröder ist in Rente gegangen.

Neuberg – Der Wechsel ist vollzogen. Iris Schröder, Neubergs bisherige Bürgermeisterin, hat ihren Platz nach 18 Jahren geräumt und diesen ihrem Nachfolger Jörn Schachtner (ebenfalls SPD) überlassen.

Es ist Donnerstagmittag, der Tag, nach dem Iris Schröder offiziell aus ihrem Amt ausgeschieden und ihr Nachfolger Jörn Schachtner als neuer Bürgermeister von Neuberg vereidigt worden ist. Schröder quittiert die leichte Verspätung des HA-Redakteurs zum verabredeten Termin lächelnd: „Ich habe ja Zeit“, sagt sie, „ich bin ja schließlich Rentnerin.“

An diesen Begriff muss sie sich freilich erst noch gewöhnen. 18 Jahre lang hat sie in diesem Büro gesessen und die Geschäfte ihrer Heimatgemeinde geführt.

In den vergangenen Tagen das Büro geräumt

Der Raum hat sich verändert, er ist leerer und nüchterner als sonst. Die Stimmen im Raum hallen nach. „Man glaubt ja gar nicht, wie viel Privates sich im Laufe der Zeit in einem Arbeitszimmer ansammelt“, sagt Schröder. In den letzten Wochen hat sie ihr Büro Stück für Stück ausgeräumt, um ihrem Nachfolger, der zum 1. Juli seinen Dienst antritt, ein bestelltes und geordnetes Feld zu überlassen.

Mit uns hat Iris Schröder über die besonderen Momente ihrer Amtszeit gesprochen.

Ist sie im Büro fertig, will sie zu Hause gleich weitermachen. „Ich werde mein Haus auf den Kopf stellen, dazu bin ich all die Jahre ja nie gekommen“, sagt sie.

Die Frage, was man so tun möchte nach dem Arbeitsleben, die hat sich wohl jeder Mensch schon einmal gestellt. Und auch Iris Schröder fallen auf Anhieb tausend Dinge ein: Lesen. Zunächst einmal die dicken Biographien von Bruce Springsteen und der amerikanischen Schriftstellerin Susan Sontag, die schon lange darauf warten, in die Hand genommen zu werden, aber dann doch immer wieder im Regal landeten, weil wieder mal keine Zeit war. Die Frankfurter Museen will sie durchstreifen: die Schirn, das Städel, das Jüdische Museum. Nicht so, wie sie es bisher getan hat: im Schnelldurchgang, etwa bei einer Sonderaustellung. „Nein, in aller Ruhe, vielleicht sogar einen ganzen Tag in einem einzigen Museum ohne Hetze“, sagt sie. Und da ist natürlich ihre Familie, ihr Mann Willi, die Tochter Annika sowie die beiden Enkelkinder Maila (8) und Livia (6), die Ansprüche anmelden, jetzt, wo sie ja mehr Zeit haben wird.

Für den den Ruhestand vorgesorgt

Nicht allen Menschen gelingt der Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand. Besonders solche, die von hundert auf null runterbremsen, fallen oftmals in ein tiefes Loch. Iris Schröder fürchtet das nicht, sie hat vorgesorgt und wird nicht völlig auf die Bremse treten. Sie bleibt dem Kreisausschuss erhalten. Mindestens einmal pro Woche wird sie also auch noch Politik machen. Und sie wird auch ihrem SPD-Ortsverband als Beisitzerin treu bleiben. „Ich habe gesagt, wenn ihr mich braucht, dann bin ich da. Und dazu stehe ich“, sagt sie. Aber sie hat das Gefühl, dass die neue Generation ihrer Hilfe gar nicht mehr bedarf. Schon im Wahlkampf habe sie sich sozusagen als graue Eminenz zurückgehalten und die Jungen machen lassen. „Ich war von mir selbst überrascht, dass ich kein Problem damit hatte, loszulassen.“

Jörn Schachtner habe ja recht, wenn er wie in seiner Antrittsrede sage, dass er nicht in alle ihre Fußstapfen treten, sondern einige auch liegen lassen wolle. „Ja, da ist ein Unterschied von 20 Jahren. Es ist ganz natürlich und auch gut so, dass er mit neuen Ideen kommt, dass er viele Dinge anders machen wird als ich.“ Den Übergang erleichtert hat ihr sicherlich die Corona-Krise. Termine an den Wochenenden fanden im letzten Jahr so gut wie keine statt. „Da musste ich ja gezwungenermaßen runterfahren.“ Dennoch hat sie in dieser Zeit gelitten. „Die Sozialkontakte haben mir so gefehlt. Wie sehr habe ich es vermisst, auf dem einen oder anderen Vereinsfest mit den Leuten beim Bier zusammenzusitzen.“

Landrat Thorsten Stolz hat bei der Amtseinführung gesagt, der Beruf des Bürgermeisters sei eigentlich der schönste, den es auf der Welt gibt. Und da hat Iris Schröder bei sich so gedacht: „Ja, da hat er vollkommen recht.“ (Holger Weber)

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