Neuberg

Volles Haus bei der Podiumsdiskussion zur Fusion

Hatte die Runde als Moderatorin fest im Griff: stellvertretende HA-Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold (rechtes Bild, links) lässt hier Bürgermeisterin Iris Schröder zu Wort kommen. Fotos: Häsler

Neuberg. Die Gegner der Fusion von Neuberg und Erlensee hatten in den zurückliegenden Jahren immer wieder beklagt, dass sie als Diskussionsteilnehmer bei Bürgerversammlungen nicht vorne an der Kopfseite sitzen durften und in offizieller Funktion gehört wurden.

Von Holger Weber

Am Freitagabend nun schufen sich der Neuberger CDU-Ortsverband sowie die Bürgerinitiative Neuberger für Neuberg ihre eigene Plattform im Bürgerhaus in Rüdigheim. Gut eine Woche vor dem Bürgerentscheid am 10. November hatten sie dort zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Die Kräfteverhältnisse waren jedoch ungleich: Auf der Bühne nahmen neben den Gastgebern Andreas Weiß (CDU) und Olaf Siebeck (BI) auch Melanie Esch (Bündnis 90/Die Grünen) und Herbert Flötenmeyer (Neuberger Liste) auf der Seite der Fusionsgegner Platz. Den Gegenpart bildeten Neubergs Bürgermeisterin Iris Schröder sowie SPD-Fraktionschef Thomas Mutschler. Und als externen Experten hatte man den ehemaligen Bürgermeister von Neu-Anspach, Klaus Hoffmann, eingeladen, der von seinen Erfahrungen in der interkommunalen Zusammenarbeit berichtete. Moderiert wurde die Veranstaltung von der stellvertretenden HA-Chefredakteurin Yvonne Backhaus-Arnold.

Hoffmann bringt neue Aspekte in die Diskussion

Vor großer Publikumskulisse, der Saal war brechend voll, entwickelte sich eine lebhafte und auch durchweg interessante Diskussion, obgleich es nichts wirklich Neues gab und die Argumente beider Seiten die gleichen waren, die die vielen Gäste auch schon bei den vorherigen Versammlungen zu hören bekommen hatten. Schröder führte einmal mehr die Synergieeffekte, die Zahlungen des Landes Hessen, rund elf Millionen Euro, sowie die Vorteile beim Kommunalen Finanzausgleich ins Feld.

Die Gegner monierten den Verlust politischer Selbstbestimmung und Identität und äußerten einmal mehr die Befürchtung, als Juniorpartner in einer neuen Kommune untergebuttert zu werden. Zudem wurde immer wieder die Endgültigkeit und auch die noch nicht absehbare Ausgestaltung einer Fusion betont. Klaus Hoffmann, der von der interkommunalen Zusammenarbeit seiner Heimatstadt Neu-Anspach und Usingen berichtete, brachte hingegen ein paar neue Aspekte in die Diskussion ein. Dort werde so eng kooperiert, dass man fast von einem Gemeindeverwaltungsverband sprechen könne, berichtete Hoffmann.

Alte Geschichten wurden wieder aufgewärmt

„Es gibt zwei Parlamente, deren Administration schon zusammengefasst ist. Wir sind eigentlich da, wo wir hin wollten.“ Eine solche Kooperationsform war von Schröder und ihrem Erlenseer Amtskollegen Stefan Erb bisher immer abgelehnt worden. Und auch die Verfasser der Machbarkeitsstudie, die die beiden Kommunen auf Kosten des Landes Hessen erstellen lassen hatten, hatten davon abgeraten, einen solchen Verbund einzugehen. Hoffmann warb dafür und gab viele Beispiele, die man in der Diskussion in Erlensee und Neuberg so noch nicht gehört hatte.

Und natürlich wurde auf der Bühne auch wieder darüber gesprochen, wie die Fusion in Erlensee und Neuberg vor nunmehr zweieinhalb Jahren zum Thema wurde. Für kurze Zeit hatte man geglaubt, das Trauma sei überwunden. Doch dann, fast zum Ende der Veranstaltung hin, wurde die Geschichte, wie die Fusionspläne von Iris Schröder und Stefan Erb damals durch ein Exklusiv-Interview in unserer Zeitung ans Tageslicht kamen, wieder aufgewärmt.

Kränkung der Bürger ist noch groß

Bei allen Diskutanten, die der Fusion ablehnend gegenüber stehen, merkte man deutlich, wie der Emotionspegel plötzlich nach oben schnellte. Minutiös wurde der Ablauf von damals noch einmal wiedergegeben. Da war klar: Die Kränkung, nicht informiert worden zu sein und erst gemeinsam mit der Öffentlichkeit aus der Zeitung von diesen historischen Plänen erfahren zu haben, ist immer noch groß.

Wenn also Stefan Erb und Iris Schröder im Fall, dass die Fusion nicht zustande kommt, einmal Bilanz ziehen und darüber sinnieren, warum ihr Traum nicht in Erfüllung gegangen ist, dann werden sie auch darüber sprechen müssen. Es war wohl dieser Fehler, nicht alle von Beginn an mitgenommen zu haben, der die Atmosphäre der nachfolgenden Diskussionen für alle Zeit vergiftete.

Quelle: Hanauer Anzeiger

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare