Neue Chancen durch neue Grenzen

Hanau und Bruchköbel machen Grundstücksdeal

Freuen sich über eine Win-win-Situation: Hanaus OB Claus Kaminsky und Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun.
+
Freuen sich über eine Win-win-Situation: Hanaus OB Claus Kaminsky und Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun.

Bruchköbel/Hanau – Die Gemarkungsgrenze zwischen Hanau und Bruchköbel soll neu gezogen werden und den beiden Kommunen neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. Bruchköbel soll ein Streifen Land bekommen, der bisher noch auf Gebiet der Brüder-Grimm-Stadt liegt.

Neue Entwicklungsmöglichkeiten: Am westlichen Rand Bruchköbels darf vielleicht bald gebaut werden.

Hintergrund ist, dass durch den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 45 ein Flurstück der Gemarkung Mittelbuchen so durchschnitten worden war, dass das Areal nun nicht mehr durch eine Straße an das Hanauer Stadtgebiet angeschlossen werden kann. Von Bruchköbel hingegen ist ein Anschluss möglich. Dem entsprechenden Vertrag, der neben der Grenzänderung auch die künftige Verwertung regelt, haben die Magisträte der beiden Städte bereits zugestimmt. Jetzt haben die Stadtverordneten und das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde das letzte Wort. Und nicht zuletzt die Eigentümer der besagten Flächen am westlichen Rands Bruchköbels.

Nicht genutztes Brachland soll erschlossen werden

„Für uns ist es nicht nutzbares Brachland, für Bruchköbel dagegen eröffnen sich auf dem gleichen Gelände wichtige Entwicklungschancen“, bezeichnet Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky den Deal als eine Win-win-Situation. Bruchköbel könne auf diese Weise die Planungshoheit für das rund 193 000 Quadratmeter große Areal erhalten, während Hanau finanziell an der künftigen Verwertung beteiligt werde. „Es zeugt von einem gut nachbarlichen Miteinander, dass sich die Stadt Hanau so offen für unseren Wunsch gezeigt hat, die Grenze zu unseren Gunsten zu verschieben“, meinte Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun und ergänzte: „Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die künftige Entwicklung als Gewerbe- und Wohngebiet geschaffen.“

Braun betonte, dass die Stadt dringend neue Flächen zur Entwicklung von Wohn und Gewerbegebieten brauche. Das Gewerbegebiet Lohfeld ist nahezu vollständig entwickelt, auch Baugebiete hat die Stadt nur noch bruchstückhaft. Das nun anvisierte insgesamt 193 000 Quadratmeter große Gebiet entspricht etwa 27 Fußballfeldern und besteht aus landwirtschaftlichen Flächen, Feldwegen, einer Wasserfläche und dem Deponiekörper der Altdeponie „An der B 45“, deren Stilllegungspflichten dem Main-Kinzig-Kreis obliegen. Die Eigentumsverhältnisse an den Grundstücken in diesem Gebiet verteilen sich den Angaben zufolge auf Privateigentümer, die Bundes- und Landesstraßenverwaltung, die Stadt Bruchköbel und hinsichtlich der Feldwege und Wasserfläche auf die Stadt Hanau. Von der Grenzänderung seien keine Einwohner betroffen. Im Regionalen Flächennutzungsplan/Regionalplan Südhessen 2010 ist die Fläche als Vorranggebiet für die Landwirtschaft und als Vorbehaltsgebiet für Klimaschutzfunktionen ausgewiesen. Damit die Stadt Bruchköbel ihren Plan, rund 64 000 Quadratmeter der Fläche gewerblich zu entwickeln und ein weiteres Teilstück von 58 000 Quadratmetern für Wohnbebauung freizugeben, umsetzen kann, benötige sie die Planungshoheit, die sie mit der neuen Grenzziehung erhalte.

Die ganze Region soll profitieren

In der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung hat sich Hanau im Gegenzug für sein Einverständnis einen finanziellen Anteil an der dann möglichen wirtschaftlichen Entwicklung zusichern lassen. „In Zahlen heißt das, wir werden bei Ausweisung eines Gewerbegebietes für 15 Jahre mit 30 Prozent an der Gewerbesteuer beteiligt, die sich aus der Neuansiedlung dort ergibt“, präzisiert OB Kaminsky den finanziellen Vorteil, der sich für Hanau ergibt und ergänzt: „Sollte die Stadt Bruchköbel darüber hinaus wie geplant im Grenzänderungsgebiet Wohnbebauung zulassen, erhöht sich der Gewerbesteueranteil um weitere zehn Prozentpunkte.“ Schließlich erhält die Stadt Hanau für eine kleine Teilfläche des Brachlandes, das derzeit in ihrem Besitz ist, einen Kaufpreis in Höhe von rund 37 000 Euro. „Es gibt nichts, was dagegen spricht“, werden Kaminsky und Braun in einer Pressemitteilung zitiert.. Und weiter: „Die neue Grenzziehung nutzt Bruchköbel, sie nutzt Hanau. Und letzten Endes nutzt sie dann der ganzen Region, die von einer positiven Entwicklung profitieren würde.“ (Holger Weber)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare