Corona-Pandemie

Flugbegleiter Nicolas Müller Jubaro ist bei der Rückholaktion von Urlaubern mittendrin

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Immer ein Lächeln aufgelegt: Mit guter Laune will Flugbegleiter Nicolas Müller Jubaro die Passagiere aufheitern.

Es ist die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik: die Operation „Luftbrücke“ des Auswärtigen Amts. 200 000 Deutsche waren im Zuge der Corona-Krise im Ausland gestrandet.

Einreisebeschränkungen sowie ökonomisch bedingte Kürzungen der Flugpläne diverser Airlines hatten dafür gesorgt, dass Reisende zeitweise nicht nach Deutschland kamen. Auch zahlreiche Urlauber aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis kamen aus dem Urlaub nicht mehr so leicht zurück, wie Flugbegleiter Nicolas Müller Jubaro erzählt. Innerhalb von drei Wochen gelang es dem Auswärtigen Amt jedoch, bereits einen Großteil der Reisenden, nämlich insgesamt 194 000 Menschen, nach Deutschland zu bringen.

Airlines fliegen Sonderziele an

Eine Mammutaufgabe auch für die beteiligten Airlines wie Lufthansa und Condor, die derzeit neben dem Betrieb des Ersatzflugplans zahlreiche Sonderziele anfliegen, die eigentlich nicht auf dem Plan stehen. So fliegt der im Kreis Offenbach lebende Flugbegleiter Nicolas Müller Jubaro am  Samstag beispielsweise mit knapp 200 Reisenden von der thailändischen Insel Phuket zurück nach Frankfurt.

Phuket bildet als Flugzeug- und Crew-Drehkreuz der Airline Condor einen wichtigen Knotenpunkt der Luftbrücke. Hier kommen nämlich auch die Touristen der Langstreckenflüge von Australien und Bali an, die von dort aus mit neuer Besatzung weiterfliegen. So konnte die Airline bereits über 67 500 Reisende zurückholen.

Fluggäste sind vorsichtig und tragen Mundschutz und Handschuhe

Für Flugbegleiter Nicolas, der am liebsten Nic genannt wird, ist es bereits der vierte Rückholflug, auf dem er die Gäste im Service betreut. In den letzten Wochen ist er bereits nach Palma de Mallorca, Santo Domingo, Sansibar und Mombasa geflogen, um von dort aus Reisende abzuholen. „Das Arbeiten in der Corona-Krise ist jetzt natürlich für uns alle sehr ungewohnt“, sagt er. „Von 240 Fluggästen tragen bestimmt 140 einen Mundschutz und Handschuhe. Die Leute sind sehr vorsichtig geworden, auch im Umgang mit uns.“

Neben der Sorge vor der Ansteckung mit dem Coronavirus sein vor allem aber die Freude und Erleichterung der Reisenden spürbar: „Die Leute sind sehr dankbar, dass es endlich nach Hause geht“, sagt Nic. „Wir werden oft von Applaus begleitet, bekommen 200 Mal Danke gesagt und erfahren sehr viel Respekt und Wertschätzung für das, was wir tun. Das gibt jedem Einzelnen viel Kraft und ein gutes Gefühl.“

Corona-Krise: Airlines reagieren mit besonderen Maßnahmen an Board

Um im Flugzeug die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, wurden auch zirka 10 000 Meter über der Erde die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. „Wir sind natürlich auch mit Hygienemitteln beladen“, erzählt Nic. „Jeder bekommt Handschuhe und wer möchte, kann einen Mundschutz tragen. Den trage ich allerdings nicht so gerne, weil die Fluggäste mich sonst schlecht verstehen und weil ich mich nicht vor ihnen verstecken möchte. Ich finde, gerade in diesen schweren Zeiten braucht es ein Lächeln und Zeichen zwischenmenschlicher Nähe auf Distanz.“

Um den nötigen Sicherheitsabstand zu den Fluggästen zu wahren, wurde zum Beispiel die Service-Frequenz halbiert. An Bord gibt es Snackbeutel und geschlossene Trinkflaschen, der Bordverkauf wurde eingestellt. „Wir versuchen den Kontakt zu den Fluggästen zu reduzieren und haben den Service etwa auf die Hälfte zurückgefahren. Natürlich weisen wir keinen ab und hören gern zu. Jetzt allerdings aus etwa zwei Metern Distanz“, erzählt Nic.

Viele Menschen können sich die Lage in Deutschland nicht vorstellen

Manche Passagiere seien so lange im Ausland gewesen, dass sie gar nicht mitbekommen hätten, wie sehr das gesellschaftliche und öffentliche Leben in Deutschland im Zuge der Corona-Pandemie heruntergefahren wurde. „Ein Mann zum Beispiel war drei, vier Monate in Afrika und wusste gar nicht, was in seiner Heimat auf ihn wartet. Als ich ihm von Hamsterkäufen und Kontaktsperre erzählt habe, konnte er sich nicht vorstellen, was in seinem eigenen Land los ist.“

Die meisten Gäste seien jetzt allerdings eher zurückhaltend und würden viel Rücksicht auf das Kabinenpersonal nehmen. „Die Leute halten Abstand und erzählen momentan auch nicht so viel, was sie in ihrem Urlaub erlebt haben“, sagt Nic.

Flugbegleiter sehnt Normalbetrieb herbei

Diese Distanz fühlt sich für den 26-Jährigen besonders ungewohnt an. Seit knapp zwei Jahren arbeitet er als Flugbegleiter bei Condor. Der Kontakt mit den Menschen macht ihm dabei besonders viel Spaß. „Ich rede unheimlich gern mit den Leuten. Da erfahre ich jeden Tag etwas Neues“, sagt er. Zuvor hatte er vom Boden aus in der Luftfahrtbranche gearbeitet, als Speditionskaufmann. „Ich habe jahrelang Fracht in alle Länder dieser Erde geschickt, da hat es mich einfach gereizt, auch mal Passagiere auf ihrem Weg in den Urlaub mit meinem Humor zu begleiten.“ 

Das ist es auch, worauf er sich am meisten freut, wenn nach der Corona-Krise wieder der Normalbetrieb einkehrt. „Ich freue mich einfach, wenn wir alle wieder ganz normal miteinander lachen können, wenn man die Angst der Gäste vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht mehr spürt und wir auch als Kollegen wieder eine tolle Zeit zusammen haben können.“

Keine Angst vor einer Ansteckung

Angst vor einer Ansteckung im Flugzeug hat er nicht. „Nein, höchstens Respekt. Man könnte sich überall anstecken. Ich mache meinen Job unwahrscheinlich gern und bin stolz, ein Teil der Rückholaktion zu sein“, sagt Nic. Bereits am Donnerstag ist er in einem Leerflug mit der siebenköpfigen Besatzung nach Phuket geflogen. „Der Flug dauert je nach Wetterlage etwa zehneinhalb bis vierzehn Stunden, aber kein Weg ist zu weit, um Hilfe zu leisten“, sagt er und lacht.

 „Da nimmt man das gerne in Kauf. Das ist für uns alle ein sehr spannendes und intensives Projekt, bei dem einem natürlich auch einiges abverlangt wird. Wir versuchen jeden Einzelnen gesund und sicher nach Hause zu holen und mit guter Laune einen Lichtblick in dieser schweren Zeit zu geben.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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