Ehrenbriefe für Mitglieder der Windecker Vogelfreunde

Drei Nidderauer für intensiven Einsatz um die Tierwelt ausgezeichnet

Die drei mit Ehrenbriefen ausgezeichneten Vereinsmitglieder der Vogelfreunde Windecken (von links): Gotthard Heuritsch, Ulrike Schielke, die für ihren erkrankten Ehemann Siegfried Schielke die Urkunde überreicht bekam, und Walter Neubert.
+
Die drei mit Ehrenbriefen ausgezeichneten Vereinsmitglieder der Vogelfreunde Windecken (von links): Gotthard Heuritsch, Ulrike Schielke, die für ihren erkrankten Ehemann Siegfried Schielke die Urkunde überreicht bekam, und Walter Neubert.

Für ihr jeweils fast 60-jähriges Engagement für den Verein und dadurch auch gleichzeitig für die Natur wurden drei Mitglieder der Vogelfreunde Windecken mit Ehrenbriefen durch den Landrat des Main-Kinzig-Kreises ausgezeichnet.

Nidderau – „60 Jahre Vereinszugehörigkeit ist heutzutage schon recht selten. Dann aber dabei auch noch Verantwortung im Verein zu übernehmen, das verdient schon eine besondere Auszeichnung“, lobte Landrat Thorsten Stolz den Einsatz der drei Vereinsmitglieder der Vogelfreunde Windecken Gotthard Heuritsch, Walter Neubert und Siegfried Schielke am Donnerstagabend bei ihrer Jahreshauptversammlung.

Heuritsch war kurz vor Erscheinen des Landrats zum Vorsitzenden der Vogelfreunde Windecken wiedergewählt, oder genauer erneut gewählt worden. Denn er hatte den Verein bereits von 2009 bis 2017 als Vorsitzender geleitet, hatte dann aber Platz machen wollen für Jüngere. Heuritsch war zu diesem Zeitpunkt 75 Jahre und eine seiner prägenden Taten war die Anlage des Naturpfads in Ostheim.

Wenige der 450 Mitglieder sind aktiv

Doch die Ruhe währte nicht lange, denn sein Nachfolger verzichtete nach nur drei Jahren aus beruflichen Gründen auf seine Wiederwahl als Vereinsvorsitzender. „Unser Verein zählt zwar mittlerweile fast 450 Mitglieder, doch leider sind die wenigsten von ihnen aktiv und noch weniger wollen Verantwortung übernehmen. Uns fehlt einfach die Jugend “, beklagt sich der Heuritsch. Der inzwischen 78-Jährige ist ein Windecker Urgestein und gehört dem Verein bereits seit 57 Jahren an, davon dem Vorstand als Schriftführer seit mehr als vier Jahrzehnten.

Dem Verein ist er als 22-Jähriger eigentlich nur beigetreten, weil eine Arbeitskollegin seiner Frau sehr engagiert für den Verein geworben hatte und er der Bitte damals nicht widerstehen konnte. Doch mit der Zeit ist die Liebe zur Natur und zu den Vögeln bei ihm zum echten Hobby gereift. „Ich habe seither den größten Teil meiner Freizeit im Wald bei den Tieren verbracht“, berichtet Heuritsch im Beisein einer Reihe von Vereinsmitgliedern. Und die nicken alle zustimmend.

400 Nistkästen müssen gewartet werden

Dabei sei der Aufenthalt im Wald nicht immer ein reines Vergnügen, denn der Verein hat mittlerweile über 400 Nistkästen, die gewartet, gereinigt und oftmals auch ersetzt werden müssen. „Sie glauben gar nicht, wie viel kriminelle Energie manche Menschen aufbringen, um etwas zerstören zu können“, berichtet der wiedergewählte Vereinsvorsitzende weiter. Diebstahl von Nistkästen sei ebenfalls ein Posten, der zu Buche schlage. Allein in diesem Jahr seien schon zwischen 15 und 20 Nistkästen aus dem Windecker Bürgerwald geklaut worden.

Die kann man dann oftmals, so berichtet Heuritsch weiter, in den Gärten der Nachbarschaft wiederfinden. Besorgt zeigt er sich auch hinsichtlich des Naturschutzes. „Auf unseren Futterplätzen waren früher immer um die 150 Vögel der verschiedensten Arten anzutreffen. Heute sind es nur noch wenige Meisen und Spechte.“ Heuritsch, der Zeit seines Lebens als Kaufmann tätig war und seine Liebe für die Vogelwelt nur rein zufällig entdeckte, führt den Rückgang der Vogelarten auf die Monokulturen in der Landwirtschaft, aber auch auf das vermehrte Auftreten von Wildtieren wie Waschbären zurück.

Fast 60 Jahre bei den Vogelfreunden aktiv

Auch seine beiden anderen Vereinskollegen Walter Neubert (82 Jahre) und Siegfried Schielke (88 Jahre), die zwar ebenfalls annähernd 60 Jahre den Vogelfreunden Windecken angehörten, aber während dieser Zeit nie Mitglied des Vorstands waren, wurden an diesem Abend durch den Landrat geehrt. Sie erhielten aber nicht den Ehrenbrief des Landes Hessen (dafür muss man mindestens zwölf Jahre Vorstandsarbeit nachweisen können) wie Heuritsch, sondern den Ehrenbrief des Main-Kinzig-Kreises. Denn auch sie hatten sich in all den Jahren intensiv um die Tierwelt gekümmert.

In seiner Dankesrede beklagte Stolz, dass nicht nur immer weniger Menschen bereit seien, in Vereine einzutreten, sondern dass es darüber hinaus noch weniger Personen gebe, die dann auch noch Verantwortung für den Verein übernehmen würden. „Es reicht nicht, mit einer Demo mal einen Nachmittag durch die Stadt zu ziehen. Viel wichtiger ist das persönliche Engagement vor Ort“, so Stolz. Vom Ersten Stadtrat Rainer Vogel erhielten die drei Geehrten auch Anerkennungsurkunden von der Stadt.

Von Jürgen W. Niehoff

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare