Nidderau

B45: Ratlosigkeit nach erneutem Unfall - Familie sucht Antworten

Trotz der reduzierten Geschwindigkeit und dem Hinweis auf den Unfallschwerpunkt gab es am Donnerstagmorgen auf der Ortsumgehung Nidderau am Abzweig Karben erneut einen Zusammenstoß mit vier Verletzten. Foto: Jan-Otto Weber

Nidderau. Benjamin Passehl ist fassungslos. Wieder ein Unfall auf der Ortsumgehung. Wieder beim Abbiegen in Richtung Karben. Und das, obwohl an dieser Stelle seit einer Woche Tempo 50 gilt.

Von Jan-Otto Weber

„Wir schütteln nur noch den Kopf“, schildert der 33-Jährige aus Altenstadt seine Gefühlslage. „Natürlich diskutieren wir das Thema nach wie vor intensiv in der Familie und suchen nach Antworten.“Vor gut drei Wochen, am 30. Oktober, verunglückte an dieser Stelle Passehls Vater mit seinem Motorrad tödlich. Ein entgegenkommender Lieferwagen war vor ihm links in Richtung Karben abgebogen. Der 65-Jährige, der von Altenstadt kommend Vorfahrt hatte, konnte nicht mehr ausweichen und fuhr in das Fahrzeug hinein. Er verstarb noch an der Unfallstelle.

„Letzten Freitag fand die Trauerfeier statt“, berichtet Passehl. „Nun wollen mein Bruder und ich uns wieder verstärkt der Aufarbeitung des Unfallgeschehens an der Ortsumgehung widmen.“

Die Familie steht in Kontakt mit Politikern und sammelt Zeitungsberichte der letzten Monate. „Wir wollen verstehen, was mit unserem Vater passiert ist. Warum ist da nicht schon vorher etwas unternommen worden? Das ist die Frage, die mich umtreibt.“

Probleme bei Bauprojekten

Man höre ja überall in den Medien von Problemen bei Bauprojekten wie dem Berliner Flughafen BER oder Stuttgart 21. „Aber wenn man selbst davon betroffen ist, dann fühlt man sich ohnmächtig. Diese Bürokratie wird auf dem Rücken der Gesellschaft ausgetragen. Wer hatte über die Verkehrsmaßnahmen zu entscheiden? Haben diese Leute die ganze Zeit Däumchen gedreht?“

Und dann am Donnerstagmorgen wieder ein Schreckmoment als im Radio der Unfall auf der B45 vermeldet wird. „Mein Herz hat gepocht. Ich wusste, dass meine Frau schon auf der Arbeit war“, erzählt Passehl. „Aber auch die Freundin meines Bruders fährt jeden Tag da lang. Ich hab gleich eine Nachricht geschrieben, ob es ihr gut geht.“

In den sozialen Netzwerken häufen sich derweil die Kommentare. Neben Betroffenheit gibt es wie bei jeder Unfallnachricht auch immer wieder Spottkommentare. Ein Nutzer berichtet von riskanten Überholmanövern, die gerade durch die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 50 provoziert würden. Andere äußern sich verächtlich über die Fahrkenntnisse der Unfallbeteiligten. Mit Absicht bringt sich jedoch sicher niemand in Lebensgefahr.

Ratlosigkeit wegen Unfall

Auch Benjamin Passehl ist angesichts des gestrigen Unfalls ratlos. „Ich kann's mir einfach nicht erklären. Mit der Fahrausbildung, die wir hier in Deutschland genießen, sollte man an dieser Stelle keine Probleme haben.“

Er selbst ist in den vergangenen Tagen öfter auf der Strecke unterwegs gewesen und ist auch die verschiedenen Abbiegevorgänge nachgefahren. „Am Dienstag war ich zum Beispiel beim Baumarkt in Windecken, weil ich sehen wollte, wie das mit Tempo 50 ist. Ich war positiv überrascht, wie viele Leute tatsächlich 50 gefahren sind.“

Dennoch hält er die Geschwindigkeit nicht für die eigentliche Ursache. „Ich denke, es ist ein Wahrnehmungsproblem der Linksabbieger, so wie es auch Bürgermeister Schultheiß in einem Artikel im HANAUER beschrieben hat. Die Ampel wird das Problem hoffentlich lösen.“

Doch die wird noch mindestens ein halbes Jahr auf sich warten lassen, wie die Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte (siehe Infokasten). Benjamin Passehl, der im Maschinenbau tätig ist, kann den zeitlichen Ablauf des Verfahrens ein Stück weit nachvollziehen. „Die Planung ist bei diesen technischen Dingen nicht so einfach und auch die Ausschreibung ist nun mal vorgeschrieben. Vielleicht wäre die Einrichtung einer Baustellenampel für die Zwischenzeit eine Lösung. Hauptsache es gibt keine Unfälle mehr.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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