53,23 Prozent

Bürgermeisterwahl Nidderau: Andreas Bär (SPD) gewinnt Wahlkrimi

Andreas Bär (SPD, Mitte) kurz nach seiner Wahl zum Bürgermeister von Nidderau am 29. November 2020. Er folgt im Mai 2021 auf Parteifreund Gerhard Schultheiß (rechts). Es gratuliert auch Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne, links).
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Andreas Bär (SPD, Mitte) kurz nach seiner Wahl zum Bürgermeister von Nidderau am 29. November 2020. Er folgt im Mai 2021 auf Parteifreund Gerhard Schultheiß (rechts). Es gratuliert auch Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne, links).

Einen so knappen Wahlausgang hatten wohl nur wenige der erfolgsverwöhnten Nidderauer SPD-Wähler erwartet. Schließlich wurde die Stadt in ihrer 50-jährigen Geschichte immer von Sozialdemokraten geführt. Zuletzt hatte Amtsinhaber Gerhard Schultheiß im Jahr 2014 den Rathaussessel gegen CDU-Bewerber Andreas Frenzel mit 60,41 Prozent der Stimmen behauptet. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 41,97 Prozent.

Nidderau - Doch mit 53,23 Prozent der Stimmen für Andreas Bär sorgten die Wähler am Sonntag für eine knappe Entscheidung. Konnte Schultheiß 2014 noch alle Wahlbezirke in Heldenbergen für sich entscheiden, gingen diesmal drei von vier an den CDU-Kandidaten Studebaker.

Auch in seinem Heimatort Windecken, wo Schultheiß vor sechs Jahren noch klar gepunktet hatte, musste Bär Stimmen lassen. Die Bürger in Erbstadt und Eichen stimmten seinerzeit schon mehrheitlich für den in Erbstadt wohnenden Frenzel. Es waren jedoch die beiden einzigen der damals 15 Wahlbezirke (inklusive Briefwahl), die der CDU-Bewerber gewinnen konnte.

CDU-Kandidat holt sieben von 19 Wahlbezirken

Auch diesmal hatte die SPD mit Bär in den beiden kleinsten Stadtteilen das Nachsehen. Ostheim hingegen konnte der Sozialdemokrat für sich verbuchen. Insgesamt fällt jedoch auf, dass Studebaker mit sieben von diesmal insgesamt 19 Wahlbezirken deutlich an Boden gut machen konnte.

„Ich bin zunächst glücklich, dass ich die Wahl gewinnen konnte“, sagte Andreas Bär am Sonntagabend unserer Zeitung. „53 Prozent sind ein anständiges Ergebnis vor dem Hintergrund der Intensität, mit der dieser Wahlkampf geführt wurde.“ Sowohl die CDU Main-Kinzig als auch die CDU Hessen hätten sich stark eingebracht.

Wahlkampf in Nidderau wurde mit harten Bandagen geführt

„Ich hoffe, dass mit dem heutigen Tag die Angriffe auf mich und meine Familie ein Ende haben“, sagte Bär, der die Wahlauszählung coronabedingt zuhause über den Internet-Ticker verfolgt hatte. „Ich nehme natürlich zur Kenntnis, dass ich nicht alle Wahlbezirke gewonnen habe.“

Es dauerte rund eineinhalb Stunden, bis die Wahlurnen in den Nidderauer Wahllokalen wie hier im Familienzentrum das Ergebnis nach Auszählung am Sonntagabend endlich preisgaben.

Generell habe er das Gefühl, dass die Wahl zu einer vorgezogenen Kommunalwahl hochstilisiert worden sei. Es sei viel über die allgemeine Stadtentwicklung der vergangenen Jahre gesprochen worden, weniger über die Personen. Aber zunächst müsse das Ergebnis analysiert werden. „Auf jeden Fall möchte ich nun daran arbeiten, dass die politischen Gräben in Nidderau wieder zugeschüttet werden.“

CDU-Kandidat gratuliert nach Wahlniederlage

Auch CDU-Kandidat Phil Studebaker mochte am Sonntagabend noch keine Vermutungen über Gründe für den Ausgang der Wahl benennen und sprach sich zunächst für eine Analyse aus. „Unser Team hat super Arbeit geleistet, und wir haben ein tolles Ergebnis eingefahren“, so der 41-Jährige. „Aber natürlich hätte ich gern gewonnen. Ich habe Herrn Bär gratuliert und wünsche ihm ein gutes Händchen.“

Coronabedingt herrschten diesmal besondere Vorsichtsmaßnahmen in den 15 Wahllokalen.

Auch der grüne Koalitionspartner gratulierte dem SPD-Fraktionsvorsitzenden am Abend per Mitteilung. „Es war ein langer und harter Wahlkampf, der einige Besonderheiten hatte. Und nicht alle waren Corona geschuldet“, so die Grünen. „Der fast schon amerikanische Stil, in dem sich der Gegenkandidat aber keiner einzigen öffentlichen Diskussion stellte, stieß offensichtlich viele potenzielle Wähler vor den Kopf, so lag die Wahlbeteiligung nur bei 58,5 Prozent.“

Ära Schultheiß endet nach über 20 Jahren

Auf Andreas Bär komme jetzt die große Aufgabe zu, all seine erworbenen Kompetenzen einzubringen und nach der langen „Ära Schultheiß“ Änderungen einzuleiten, die nach jeder langen Amtszeit nötig sind, Bewährtes zu behalten und sich mutig der Aufgabe zu stellen, Bürgermeister aller Nidderauer zu werden. „Hier gilt es tiefe Gräben zu überwinden, die der Wahlkampf unnötigerweise aufgerissen hat“, so die Grünen.

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