Debatte um Gymnasien

Auch Nidderau wirft Hut ins Rennen als Standort

Die Bertha-von-Suttner-Schule in Heldenbergen, eine Integrierte Gesamtschule des Main-Kinzig-Kreises, könnte nach Ansicht der Nidderauer Stadtverordneten durch eine gymnasiale Oberstufe gestärkt werden. ARCHIV
+
Die Bertha-von-Suttner-Schule in Heldenbergen, eine Integrierte Gesamtschule des Main-Kinzig-Kreises, könnte nach Ansicht der Nidderauer Stadtverordneten durch eine gymnasiale Oberstufe gestärkt werden.

Bruchköbel tut es, Schöneck tut es, Maintal und Langenselbold ebenso. Und seit Donnerstagabend beteiligt sich auch Nidderau an der seit Wochen laufenden Diskussion um den Ausbau des gymnasialen Angebots im westlichen Main-Kinzig-Kreis.

Nidderau – „Der Magistrat der Stadt Nidderau wird gebeten, bezüglich der Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Bertha-von-Suttner-Schule in Nidderau mit der Schulleitung der Bertha-von-Suttner-Schule, dem Staatlichen Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis in Hanau sowie dem Schuldezernenten des Main-Kinzig-Kreises, Herrn Winfried Ottmann, in Kontakt zu treten“, lautete ein Antrag der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. „Da die Bertha keine eigene gymnasiale Oberstufe hat, wechseln Jugendliche, die das Abitur machen wollen, nach der 10. Klasse an ein Gymnasium oder eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.“ Mit Blick auf die gegenwärtige Diskussion und die Bewerbung anderer Kommunen, wolle die CDU Nidderau hier keine Gelegenheit verpassen.

SPD-Fraktionschef Andreas Bär, selbst Oberstudienrat am Hanauer Karl-Rehbein-Gymnasium und zehn Jahre lang Mitglied im für Schulentwicklung zuständigen Kreisausschuss, stimmte zwar zu, dass dieses Ansinnen auch im Hinblick auf die von Nidderau angestrebte Heraufstufung zum Mittelzentrum zwar wichtig sei, die CDU sich mit dem Antrag in dieser Form jedoch „auf ganz dünnes Glatteis“ begebe.

SPD-Fraktionschef Bär nimmt CDU-Antrag auseinander

Hauptadressat sei Kreisschuldezernent Winfried Ottmann, ebenfalls CDU. Dieser habe jedoch schon Anfang Januar klargestellt, dass der Main-Kinzig-Kreis keine Hinweise einzelner Fraktionen oder Bürgermeister brauche. Tatsächlich schrieb Ottmann in einer Pressemitteilung Anfang Januar: „Wir brauchen eine sachliche Erörterung aller Optionen, und genau das läuft intern seit geraumer Zeit. Ein öffentlicher Markt der Möglichkeiten ist die falsche Plattform.“

Auch mit dem „Huxit“, also mit der von Hanau angestrebten Kreisfreiheit, habe das Thema nichts zu tun, so Bär. Vielmehr gehe es um einen Kooperationsvertrag des Main-Kinzig-Kreises mit der Stadt Hanau, der zum 31. Dezember 2024 ausläuft und in dem der Besuch von Schülern aus dem Kreisgebiet auf Hanauer Gymnasien geregelt ist. „Es gibt eine gewachsene und komplexe Schulstruktur“, so Bär. „Mit zu forschem Auftreten kann man die Dinge auch verschlechtern. Das Thema ist in Schulgemeinden und Familien zu emotional verhaftet, als dass es sich zum Wahlkampf eignen würde.“

Stadtverordnete befürworten gymnasiale Oberstufe an der Bertha

CDU-Fraktionschef Andreas Frenzel dankte für die „Belehrung“. „Das ist Ihr Fachgebiet, das haben Sie ausgespielt. Aber wir sind uns in der Sache einig.“ Zudem versicherte Frenzel, dass es sich beim Antrag seiner Fraktion nicht um eine abgestimmte Wahlkampfkampagne der CDU in den Kommunen handele, sondern die CDU nach bestem Wissen und Gewissen und zum Wohle der Stadt handelte.

Nach einigem Hin und Her einigte man sich schließlich auf einen Änderungsantrag Bärs, der auf Wunsch der CDU noch umformuliert wurde. Die Stadtverordnetenversammlung begrüße, dass die Stadt Hanau nach eigenen Angaben vom 19. Januar weiterhin jährlich 350 Schülerinnen und Schülern aus dem Umland, darunter Nidderau, an Hanauer Gymnasien und Gymnasialzweigen aufzunehmen plane. Zudem bekennt sich die Stadtverordnetenversammlung zu einer Etablierung eines gymnasialen Bildungsgangs in Nidderau. Eine Erweiterung der Bertha-von-Suttner-Schule um eine gymnasiale Oberstufe erscheint als eine sinnvolle Möglichkeit zu Stärkung des Bildungsstandorts Nidderau, ebenso im Hinblick auf die Aufstufung Nidderaus zum Mittelzentrum. Zudem wird der Magistrat gebeten, mit der Bertha-von-Suttner-Schule Möglichkeiten und notwendige Rahmenbedingungen hinsichtlich einer eventuellen Erweiterung zu erörtern. (Jan-otto Weber)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare