Ausschuss ist skeptisch

Nidderau: Planung für barrierefreien Ausbau des Ostheimer Bahnhofs vorgestellt

Barrierefrei geht anders: Derzeit gelangen Fahrgäste am Bahnhof Ostheim nur über eine Treppe auf die andere Seite der Gleise.
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Barrierefrei geht anders: Derzeit gelangen Fahrgäste am Bahnhof Ostheim nur über eine Treppe auf die andere Seite der Gleise.

Das Hickhack um den barrierefreien Ausbau des Ostheimer Bahnhofs und eine fahrgastfreundliche Busanbindung hat viele Akteure und dauert – nicht zuletzt deshalb – schon Jahre an. Die Verwaltung überraschte nun im Ausschuss für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Klimaschutz mit einer bereits sehr detaillierten Planung, die endlich den Durchbruch bei dem Thema bringen könnte.

Nidderau – Der Zug ist also noch nicht abgefahren. Vielmehr könnte er aus Verwaltungssicht jetzt erst so richtig ins Rollen kommen. Allerdings wurden Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) und die ÖPNV-Beauftragte Katja Adams in der Sitzung in der Willi-Salzmann-Halle zunächst ausgebremst: Die Gremienvertreter fühlten sich offenbar überrollt, um im Bild zu bleiben. Um sie abzuholen, bedarf es noch einiger Erklärungen. So gingen bei Anette Abel von den Freien Wählern die „Alarmglocken“ an. Sie befürchtete, die Verwaltung habe ohne Zustimmung des Parlaments bereits weitreichende Vereinbarungen getroffen und Planungen beauftragt. „Bei einem Volumen von 2,1 Millionen Euro und einer detaillierten Entwurfsplanung kann man doch nicht mit einer Mitteilungsvorlage kommen“, kritisierte Abel.

RMV mit 50 Prozent an Planungskosten beteiligt

Vogel und Adams erläuterten daraufhin, wie es zu dieser Planung gekommen war. Demnach habe die Deutsche Bahn der Stadt das Bahnhofsgelände zum Kauf angeboten, nachdem eine avisierte Versteigerung im vergangenen Jahr vonseiten der Bahn kurzfristig abgesagt worden war (wir berichteten). Zugleich bestehe seitens Hessen Mobil die Aussicht auf eine finanzielle Förderung von bis zu 85 Prozent für den barrierefreien Ausbau von Haltestellen.

Um jedoch noch in diesem Jahr in das Förderprogramm aufgenommen zu werden, habe bis zum 1. Juni eine detaillierte Planung eingereicht werden müssen, so die Verwaltungsvertreter. „Zu unserem großen Glück hat auch der RMV die Wichtigkeit des Projekts erkannt und angeboten, sich mit 50 Prozent an den Planungskosten zu beteiligen“, erläuterte Adams.

Deshalb hatten Vogel und Ex-Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) einen entsprechenden Vertrag mit dem RMV für die Überplanung des Geländes geschlossen, „um zu schauen, was geht“.

Eine Chance für den Stadtteil

„Wir wissen nun: Es ist möglich, den Haltepunkt barrierefrei zu gestalten, inklusive Bushaltestelle, E-Ladesäule, Fahrradboxen etc.“, stellte Vogel zu der Planung fest, die aber natürlich noch nicht in Stein gemeißelt sei. „Wir wollten heute lediglich den Entwurf und die finanziellen Auswirkungen samt Fördermöglichkeiten vorstellen. Die Politik muss sich nun Gedanken machen, ob sie unter dieser Perspektive das Gelände ankaufen und in den nächsten fünf Jahren den Bahnhof zu einem modernen Haltepunkt umbauen will.“

Die Bahn jedenfalls werde einen solchen Ausbau bei einem Bahnhof dieser Größenordnung nicht durchführen, wie Adams betonte. Im Gegensatz zu dem Staatskonzern hätten jedoch die Kommunen die Auflage, ihre Haltestellen eigentlich schon bis 2022 mobilitätsgerecht umzubauen. „Die sich jetzt bietende Chance ist ein großes Glück für Nidderau und den Stadtteil“, warb Adams noch einmal für das Projekt.

Die Anwesenden, darunter auch Mitglieder des Ortsbeirats Ostheim, zeigten sich dennoch reserviert. Sie bestanden zunächst auf den schon länger gefassten Beschluss, die Bushaltestelle aus der Eisenbahnstraße auf einen provisorisch herzurichtenden Schotterplatz vor dem Bahnhofsgebäude zu verlegen, um Fahrgästen die 200 Meter Fußmarsch zu ersparen. Immerhin: Die große Planung soll parallel dazu weiterverfolgt werden. (Jan-Otto Weber)

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