Ende einer Institution: Die „Hochmühle" in Nidderau macht dicht

Gaststätte in Nidderau-Windecken
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Die Traditionsgaststätte „Zur Hochmühle“ an der Ostheimer Straße in Windecken erlebte während der Ära der Wirtsfamilie Wolff ihre Blütezeit. Die jetzigen Pächter der Gaststätte haben die Wirtschaft nach sieben Jahren geschlossen und gehen nach Schöneck. Damit endet die Gaststättentradition.

Nidderau – Wann genau sein Urgroßvater die Gaststätte „Zur Hochmühle“ übernommen hat, kann Rainer Wolff nicht sagen. „Aber im Jahr 1906 war Friedrich Wolff jedenfalls der Hochmüller“, erklärt sein Urenkel. „So ist es in der Chronik des Schützenclubs festgehalten, der dort seine Gründungsversammlung hatte

Über Jahrzehnte hatten die Schützen ihren Schießstand auf dem weitläufigen Gelände der Hochmühle, parallel zum Hang, gleich hinter der Gartenwirtschaft unter den mächtigen Kastanienbäumen.

Hochmühle in Nidderau stand im Zentrum des öffentlichen Lebens

Rainer Wolff ist ebenfalls im Schützenclub aktiv. Doch die Zeiten, in denen die Hochmühle den Schützen, Fußballern, Tischtennisspielern und anderen Vereinen als Vereinsgaststätte diente und im Zentrum des öffentlichen Lebens Windeckens stand, sind lange vorbei.

Rainer Wolff, Jahrgang 1959, kann sich nur noch vage daran erinnern. Etwa, wie er als Kleinkind im Cowboykostüm im großen Saal Fasching feierte. Aus Erzählungen weiß er, dass in früheren Zeiten das Stangeneis aus der Frankfurter Bindingbrauerei zur Kühlung der Zapfanlage und der Bierfässer mit Pferdefuhrwerken über die auf dem Hang über der Hochmühle gelegene Eicher Straße angeliefert wurde. Dort warfen die Brauereikutscher das Eis in den 14 Meter tiefen Schacht in den Felsenkeller.

Nidderau: „Hochmühle" wurde auch als Kino genutzt

Der Saal wurde auch als Kino genutzt. Der Raum für die Filmvorführungen war im Obergeschoss eines Anbaus untergebracht. Bei Vorstellungen wurde auf der Empore im Saal eine Wand zur Seite geschoben und gab dem Projektor den Weg auf die Saalwand frei. „Der Saal wurde in den 70er Jahren verkauft und abgerissen“, erzählt Wolff. „Seitdem steht dort der Wohnblock.“

Doch die Gaststätte lief weiter. Die Bürger des Städtchens versammelten sich dort, etwa zum Pfingst- oder Herbstmarkt. Buden und Fahrgeschäfte wie Karussell und Autoscooter standen auf der Straße direkt vor der Gaststätte. Und auch drinnen ging es hoch her. Wolf selbst stand an solchen Tagen als Kind gern hinter der Theke, auf einem Bierkasten, damit er an den Zapfhahn kam. „Dass ich die Gaststätte übernehme war aber nie Thema“, erklärt der Steuerberater, „das wäre nichts für mich gewesen.“

Gaststätte „Hochmühle" in Nidderau war seit Ende der 90er Jahre verpachtet

Nachdem seine Cousine früh verstorben war, mussten sein Patenonkel Reinhard Wolff und dessen Frau Sonni Ende der 90er Jahre aus Altersgründen die Gaststätte verpachten. Der Vater von Rainer Wolff hatte inzwischen nebenan auf dem Gelände ein Wohnhaus gebaut. Rainer Wolff, der in Heldenbergen wohnt, hat hier bis heute sein Büro.

„Bei allen Pächtern bestand mein Onkel darauf, den Namen der Gaststätte fortzuführen“, erklärt Wolff. Dass aber die Pächter nun den Namen in ihre neue Gaststätte nach Büdesheim mitnehmen wollen (wir berichteten), ist für den letzten männlichen Nachkommen der Familie unvorstellbar. „Der Name hängt am Gebäude und seiner Tradition. Weder mein Großvater noch mein Onkel hätten dem zugestimmt.“

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