Nidderaus Kulturbeirat spricht über Herausforderungen bei der Planung

„Es fehlen Veranstaltungsplätze“

„Das Publikum ist extrem vorsichtig geworden“, sagt Jürgen Reuling, der Vorsitzende des Nidderauer Kulturbeirats.
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„Das Publikum ist extrem vorsichtig geworden“, sagt Jürgen Reuling, der Vorsitzende des Nidderauer Kulturbeirats.

Corona ist ein drastischer Schlag für die Kultur. Auch der Nidderauer Kulturbeirat hat um die Durchführung seines Programms im Jahr 2020 gezittert. Einige Veranstaltungen mussten abgesagt werden, da das gesundheitliche Risiko zu groß war. Vorsitzender Jürgen Reuling (78) stieß jedoch auf Verständnis bei Künstlern und Agenturen. Ursprünglich waren etwa zwölf Veranstaltungen geplant.

Nidderau - Fünf davon mussten abgesagt werden. In diesem Jahr seien alle zu Beginn sehr optimistisch gewesen, hätten jedoch dort weitermachen müssen, wo sie Ende 2020 aufgehört hätten.

„Weltklassik am Klavier“ musste für das erste halbe Jahr komplett abgesagt werden. In der Zwischenzeit wurden Videokonzerte für die Zuhörer konzipiert. „Diese wurden sehr gut angenommen und haben auch den Künstlern über die Durststrecke hinweggeholfen“, sagt Reuling. Die Konzertreihe wird mittlerweile im sechsten Jahr weitergeführt, mit etwa 60 Besuchern. Das Publikum sei jedoch extrem vorsichtig geworden und wäge ab, welche Veranstaltungen sie besuchen.

„In der Vorbereitung hat Corona für mich nicht existiert“

Die erste Veranstaltung des Kulturbeirates für das Sommerhalbjahr fand am gestriegen Freitag im Bürgerhof mit kreolischem Jazz in Anlehnung an New Orleans statt. Ideengeber war eine Kulturmesse in Freiburg. In Nidderau fehle es an geeigneten Veranstaltungsplätzen. „Leider sind die Bürgerhäuser technisch desaströs ausgestattet“, sagt Reuling.

Bis kurz vor Corona seien die Kosten für Technik und Beleuchtung insgesamt teurer gewesen als die Gagen für die Künstler. Kosten für eine Veranstaltung lägen dann schnell im vierstelligen Bereich, was sich jedoch bei Großveranstaltungen mit mehreren Hundert Besuchern wie etwa bei „Klassik unter Sternen“ rechne. Reuling spricht hier von bis zu 600 Besuchern in der Vergangenheit. Die Veranstaltung sei 2022 wieder geplant.

Jahresbudget von 17 300 Euro für Kultur

Auch die keltische Tanzgruppe „Celtic Rhythms“ möchte Reuling erneut nach Nidderau holen, ebenso wie die Buchmesse und „Café del mundo“, die Open-Air im Pfaffenhof spielen. „Von Seiten des politischen Kabaretts ist es mir gelungen, ‘Die Distel’ aus Berlin zu verpflichten“, sagt Reuling. Er möchte Kabarett nicht mit einem Solokünstler, sondern mit einem Ensemble anbieten, weil das mehr Anspruch habe.

Mit den Planungen zum politischen Kabarett befinde er sich bereits im Jahr 2024. Reuling spricht auch über ein Barockbläser-Quintett aus Berlin. Er mixt bewusst Klassik, mit Kabarett und weiteren kulturellen Nischenangeboten, in denen auch erstklassige Organisten und Harfenistinnen als Pendant zur Kultur in Schöneck und Altenstadt eine Rolle spielen. „In der Vorbereitung hat Corona für mich nicht existiert“, sagt Reuling.

Für die Kultur steht ihm ein Jahresbudget von 17 300 Euro zur Verfügung. Dem gegenüber stünden Kosten für die Veranstaltungen in Höhe von 80 000 Euro. Der Rest kommt aus dem Ticketverkauf und Spenden. „Das Budget ist viel zu niedrig für eine Stadt wie Nidderau“, sagt Reuling. Den Neujahrsempfang möchte er moderner und weniger zeitintensiv und auch weiterhin ohne Parteipolitik gestalten. Der Kulturbeirat selbst, sei ursprünglich anders definiert gewesen, in fünf, sechs Sachbereiche wie Theater, Schauspiel, Kino oder Ausstellungen gegliedert. Jedes einzelne Mitglied sollte für seinen Sachbereich verantwortlich sein. Das habe so nicht funktioniert.

In punkto Kultur fehle ihm eine ausreichende Lobby. Nidderau definiere sich eher über Sport, Klamauk, Fußball, Kerb. Der Zuzug und die Erweiterung der Stadt habe ihm Hoffnung gemacht. Umfragen hätten ergeben, dass Leute deshalb nach Nidderau ziehen, weil das kulturelle Angebot so gut ist.

Der Kulturbeirat wird für fünf Jahre gewählt. Reuling ist im zehnten Jahr Vorsitzender. In diesem Jahr stehen Neuwahlen an, in denen er sich zur Wiederwahl stellen möchte. (Von Georgina Lori)

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