Nidderau

Essensbank der Brückengemeinde versorgt ein Jahrzehnt Bedürftige

Ein starkes Team: Pfarrer Markus Heider hat im Lauf der Jahre viele Ehrenamtliche für die Essensbank um sich versammelt. Inzwischen sind es rund 30 Helfer. Fotos: Jan-Otto Weber (2)/Privat

Nidderau. „Wo kommen denn die leeren Brotkörbe hin?“, „Ist hinten noch was im Kühlschrank?“, „Heute gibt's auch wieder Kaffee“. Im Saal des Gemeindezentrums der Brückenkirche herrscht Hochbetrieb. Ein gutes Dutzend Helfer, viele erkennbar an den pinkfarbenen Shirts, ist damit beschäftigt, Körbe mit Lebensmitteln zu packen.

Von Jan-Otto Weber

Listen geben Auskunft darüber, welche Familie was bekommt. Diabetes, Allergien, Veganer oder religiöse Vorgaben – bei der Zusammenstellung gilt es einiges zu beachten. Ganz zu schweigen von der Einhaltung der Kühlkette oder den sonstigen hygienischen Vorschriften. „Abgelaufene Lebensmittel dürfen wir noch anbieten, müssen sie aber separat deklarieren“, erklärt Sonja Balz. Und Birgit Romanowski ergänzt: „Wir geben nur Sachen raus, die wir auch selbst essen würden.“

Unter den 300 Bedürftigen sind 100 Kinder

Die beiden Frauen gehören zu den inzwischen etwa 30 Ehrenamtlichen, die sich unter Leitung von Pfarrer Markus Heider Woche für Woche darum kümmern, dass bedürftige Nidderauer mit Grundnahrungsmitteln, Frischeprodukten, Obst und Gemüse versorgt werden. Von den 300 Menschen sind allein etwa 100 Kinder. Menschen, die am Existenzminimum leben, nach einem Unfall berufsunfähig geworden sind, Alleinerziehende oder Asylbewerber sind die Zielgruppe der EssensbankInitiative.

„Jeder Kunde zahlt einen Euro pro Lebensmittel-Korb, für weitere Familienangehörige werden 50 Cent berechnet“, erläutert Franz Lenhard, der ein Jahr nach der Gründung zum Team gestoßen ist. „Wer die Unterstützung der Essensbank in Anspruch nimmt, muss seine Einkommensverhältnisse offenlegen und zu den Abholzeiten stets den Essensbank-Kundenausweis vorlegen.“

Damit bei der Essensbank die Lebensmittelvergabe stets reibungslos abläuft und weder Nudeln, Mehl oder sonstige haltbare Vorräte je ausgehen, muss im Hintergrund ein Rad ins andere greifen. Jeden Donnerstagmorgen trifft sich das Pack-Team, um die Körbe für die Familien individuell zusammenzustellen. Mittags gibt das Ausgabe-Team das Essen an die Kunden heraus. Mehrere Fahrer sind in Nidderau und Umgebung unterwegs und sammeln bei Bäckern, Supermärkten und anderen Lebensmittelhändlern die Essensspenden ein, über die wie auch bei den Geldspenden genau Buch geführt wird. Fehlt es an etwas, wird es zugekauft.

Die Hälfte der Kunden sind Deutsche

„Wir haben im Monat ein Budget von etwa 600 Euro zur Verfügung“, erklären die Helfer. 250 Euro stammen allein aus den Briefkästen an Leergutautomaten, wo Spender ihre Bons einwerfen können. Weitere Gelder nehmen die Helfer über Catering-Dienste bei Feiern, Verkäufe über den eigenen Ebay-Account oder durch Flohmärkte ein. „Jeder Cent kommt bei den Bedürftigen an“, betonen die Ehrenamtlichen, denen ihre Unabhängigkeit wichtig ist. Dennoch müssen sie sich auch immer wieder kritische Fragen gefallen lassen.

„Manche meinen, dass es Aufgabe des Staates ist, sich um die Leute zu kümmern. Andere sagen, dass zu uns ja jeder kommen könnte, egal ob er es nötig hat oder nicht. Wir müssen immer wieder erklären, was wir tun und wie wir die Bedürftigkeit überprüfen.“

Gegründet wurde die Essensbank im Jahr 2009 von vier Frauen des Diakonieausschusses. „Damals klingelten immer mehr Menschen an der Haustür von Pfarrer Heider und haben um etwas zu essen gebeten“, erklärt Sonja Balz. „Da haben wir Holzkisten in Geschäften aufgestellt und gesammelt.“ Damals waren es zehn Familien. Heute sind es 130. Etwa die Hälfte der Kunden sind Deutsche. Zum Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung 2015 waren etwa 70 Prozent der Menschen Migranten. Es gab lange Wartelisten. „Viele Flüchtlinge haben heute unsere Hilfe nicht mehr nötig“, berichtet Birgit Romanowski. „Einige Ex-Kunden kommen extra noch mal vorbei und bedanken sich für unsere Hilfe.“

"Es ist traurig, dass es die Essensbank geben muss"

Nicht nur die Zahl der Bedürftigen ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Auch die Anzahl der Helfer wächst. „Viele der Ehrenamtlichen sind Rentner, die sich für die Gesellschaft einbringen und zugleich etwas gegen die Lebensmittelverschwendung tun möchten“, so Balz. „Bei uns bleibt nichts liegen. Was wir nicht mehr an unsere Kunden rausgeben können, geht an die Food-Sharing-Initiative in Bruchköbel. Obst- und Gemüsereste holt ein Bauer für seine Tiere.“

Dabei helfen die Ehrenamtlichen der Essensbank nicht nur mit Lebensmitteln weiter. Sie stehen auch für Gespräche und Hilfsangebote für jeden Kunden zur Verfügung. Zu Beginn eines neuen Schuljahres besorgen sie für die Kinder ihrer Kunden Hefte, Stifte und andere Materialien. Die Rechnung übernimmt der Lions Club. Zum Adventskaffee gibt es Geschenke für die Kinder, die von den Eltern der evangelischen Kita gespendet werden.

Und auch zum zehnjährigen Bestehen der Essensbank haben die Ehrenamtlichen sich etwas ausgedacht. Die Kunden erhalten einen Einkaufsgutschein über zehn Euro. Und es gibt Dinge im Sortiment, die wir sonst nicht haben.“ Zur Feier am 20. Oktober hat die Gemeinde in fünf verschiedenen Sprachen eingeladen. Neben einem Gottesdienst und einem Empfang wird es auch einen Blick in die Geschichte geben. „Es ist traurig, dass es die Essensbank geben muss“, sind sich die Helfer einig. „Aber wir sind auch stolz auf unsere Arbeit und dankbar für die vielen Ehrenamtlichen und Unterstützer.“

Feiern und helfenAnlässlich des zehnjährigen Bestehens der Essensbank ist ein Festgottesdienst mit anschließender Feierstunde am 20. Oktober um 10 Uhr geplant. In der evangelischen Brückenkirche in Heldenbergen an der Bahnhofstraße wird das kleine Jubiläum mit dem Auftritt einer Clownin, der Flötengruppe und einem gemeinsamen Imbiss gefeiert. Wer die Essensbank unterstützen will, kann spenden. Bankverbindung: Pfarramt evangelische Brückengemeinde, VR Bank Main-Kinzig-Büdingen, Verwendungszweck: Essensbank, IBAN: DE35 5066 1639 0007 3965 62, BIC: GENODEF1LSR

Quelle: Hanauer Anzeiger

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