Nidderau

Facebook-Gruppe organisiert freiwillige Müllsammelaktionen

Die Initiatoren der Müllsammlungen sind die Heldenbergener Antonia Gutberlet, Tobias Hartmann und Raphael Jung. Fotos: Jan-Otto Weber/Privat

Nidderau. „Super Aktion!“ „Danke! Danke! Ihr macht unsere Stadt liebenswerter!“ Es sind Kommentare wie diese, die Antonia Gutberlet (26), Tobias Hartmann (37) und Raphael Jung (28) bei Facebook oder unterwegs ernten, wenn sie mit Greifzangen und Säcken zum Müllsammeln in Nidderau ausschwärmen.

Von Jan-Otto Weber

„Wir erfahren viel positive Resonanz“, bestätigt Antonia, „die Leute sind von unserer Aktion sehr angetan.“ Dass sich die drei gefunden haben, ist eher Zufall. Alle drei wohnen in Heldenbergen und haben vorher schon jeder für sich mit dem Gedanken für eine solche Initiative gespielt. „Da passiert schon ganz viel“, sagt Raphael, Leiter der Stadtbücherei am Windecker Marktplatz. „Viele Leute sammeln Müll beim Gassigehen oder Joggen.“

Auch Programmierer Tobias hatte im letzten Winter bei einem Foto-Spaziergang mit Freunden schon einmal Müll gesammelt. Die aktuelle Initiative ergriff jedoch Antonia. Die Bürokauffrau erstellte im Oktober einen Facebook-Post, ob jemand Interesse hätte, mitzumachen. Viermal haben sich die freiwilligen Müllsammler seither an der Willi-Salzmann-Halle getroffen, um auf den nahe gelegenen Wegen hinter der Bertha-von-Suttner-Schule, an der Nidder oder am Bahnhof Windecken Unrat aufzusammeln.

Feuerlöscher und Mikrowelle als Ausnahme

Ein Feuerlöscher und eine Mikrowelle waren bisher die Ausnahme an wild entsorgtem Schrott. Größere Mengen an Hausmüll, wie sie immer mal wieder in politischen Debatten um das städtische Müllentsorgungssystem angeführt werden, seien ihnen bisher noch nicht begegnet. „Es ist eher das typische Littering“, erklärt Raphael, „Plastikverpackungen von Essen und Zigaretten, Flaschen und Getränkedosen, die direkt nach dem Konsum weggeworfen werden.“

„Wir entscheiden spontan, wo wir lang gehen“, berichtet Antonia. „Am Bahnhof in Windecken waren wir zuletzt gezielt unterwegs, weil es darüber oft Beschwerden bei Facebook gibt.“

Bei ihren Aktionen werden die jungen Leute von der Stadt unterstützt. Der Bauhof stellt Greifzangen und Säcke zur Verfügung und entsorgt den Müll. Ein Bollerwagen zum Transportieren der Säcke wurde der Gruppe vom Ortsverein der Grünen gesponsert.

Die drei betonen aber in diesem Zusammenhang, dass sie keinen politischen Hintergrund oder Ambitionen haben. „Der Umgang mit dem Müll ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, stellt Raphael fest, „das geht uns alle an. Wir alle sind für den Müll verantwortlich. Wir möchten darauf aufmerksam machen und für das Problem sensibilisieren.“ Das antworten sie auch kritischen Zeitgenossen, die darauf hinweisen, dass das Müllsammeln ja Aufgabe der Kommune oder im Fall des Bahnhofs der Deutschen Bahn sei. „Die Stadt kennt ihr Müllproblem“, sagt Tobias. „Wir stehen im Dialog mit dem Rathaus. Aber der Bauhof hat noch andere Dinge zu tun. Auch die Bahn ist an der Sache dran und hat sich schon bei uns bedankt.“

Nachhaltigkeit in kleinen Schritten

Ob sie denn angesichts der immer wiederkehrenden Vermüllung nicht die Motivation verlieren? „Für mich ist Nachhaltigkeit die Philosophie der kleinen Schritte“, antwortet Raphael. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Es geht darum, bewusster und achtsamer zu konsumieren. Das heißt nicht, dass ich Veganer werden soll oder alles perfekt machen muss.“

„Man muss eben irgendwo anfangen“, sagt Tobias. „Wenn wir nur einen Menschen mit unserer Aktion erreichen, dann ist es schon ein Erfolg.“

Die nächste Müllsammel-Aktion ist für Sonntag, 19. Januar, vorgesehen. Die Gruppe trifft sich um 12 Uhr an der Willi-Salzmann-Halle in Windecken. Nähere Informationen gibt es bei Facebook in der Gruppe „Nidderau Umwelt“ oder auf der eigens eingerichteten Homepage. ›› nidderau-umwelt.de

Quelle: Hanauer Anzeiger

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