Arbeitskreis Stadtgeschichte

Fotos, Karten und Dokumente bald digital? Geschichtsdatenbank für Nidderau geplant

Viel Material vorhanden: Der Arbeitskreisvorsitzende Helmut Brück vor einer kleinen Auswahl von Texten und Büchern, die in einer möglichen Geschichtsdatenbank Aufnahme finden sollten.
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Viel Material vorhanden: Der Arbeitskreisvorsitzende Helmut Brück vor einer kleinen Auswahl von Texten und Büchern, die in einer möglichen Geschichtsdatenbank Aufnahme finden sollten.

Die Geschichten und Anekdoten fußend auf historisch belegten Quellen oder überliefert von Mund zu Mund über viele Generationen zusammengefasst in einer Datenbank – geht so etwas?

Nidderau – Diese Frage hat sich der Vorsitzende des Nidderauer Arbeitskreises Stadtgeschichte Helmut Brück (SPD) oftmals gestellt angesichts der vielen Sammlungen zur Geschichte der Stadt und auch zu deren einzelnen fünf Ortsteilen. Er hat das Problem dann immer wieder vor sich hergeschoben bis er im vergangenen Jahr bei einem Büchermarkt plötzlich von Peter Gschwilm, einem Bad Vilbeler Verleger, der seit 19 Jahren in Nidderau lebt, angesprochen wurde.

Gschwilm hatte nicht nur eine Idee, wie die vielen Geschichten und historischen Fakten in eine Datenbank zusammengefasst werden können, sondern konnte auch gleich die passende Lösung mit Bad Vilbel dazu präsentieren. „Besonders Stadtgeschichte sollte eigentlich allen Interessierten zu jeder Zeit zugänglich sein“, erklärt der inzwischen 80-Jährige, aber immer noch sehr agile Inhaber des Druck- und Verlagshauses Bad Vilbel Peter Gschwilm.

Gerade der Zugang, beispielsweise zu alten Archiven mit wertvollen Dokumenten und einzigartigen Originalen stelle oftmals ein Problem dar, denn der könne meist nur unter Aufsicht erfolgen. Das aber sei besonders zeitraubend, vor allem da, wo die Archivarbeit meist nur ehrenamtlich erfolge. Gschwilm hat dafür aus eigener Erfahrung im Umgang mit wertvollen Dokumenten eine praktikable Lösung gefunden – nämlich eine digitale Geschichts-Datenbank. Seine Wunschmusik könne man heute aus dem Internet herunterladen und anhören. Bankgeschäfte könnten online erledigt werden und Briefe könnten als E-Mails in Sekundenschnelle über weite Strecken verschickt werden. „Aber wie sieht es aus, wenn man einen Blick in die Stadtgeschichte werfen will?“, stellt Gschwilm die rhetorische Frage.

Auf den Internetseiten der Kommunen ist deren Geschichte zumeist knapp zusammengefasst. Die Suche nach weiteren Quellen ist oftmals schwierig und gestaltet sich darüber hinaus auch oft sehr langwierig. Zumal die Stadtarchive, soweit vorhanden, auch meist nur eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten bieten. Und deshalb habe er die Datenbank für Stadtgeschichte entwickelt.

„Man muss sich diese Datenbank wie eine große Box vorstellen, in die man alle seine Geschichten, historischen Urkunden, Fotos oder auch nur mündlich überlieferten Anekdoten hineinwirft. Das System ordneten dann selbstständig die eingegebenen Dinge nach Datum, Schlagwort oder Personen“, erklärt Gschwilm die Vorgehensweise seiner Geschichts-Datenbank. In ihr können aber nicht nur Texte aufgerufen und am Bildschirm gelesen werden, sondern es können auch Fotos, Zeichnungen und Landkarten gespeichert werden.

Alle Daten können dann beliebig oft aufgerufen, ausgedruckt oder über das Internet versandt werden. Auch wenn jeder Außenstehende Zugriff zu der Geschichtsdatenbank hat, so ist sie trotzdem sicher, versichert Gschwilm. „Neu aufnehmen in die Datenbank oder einzelne Passagen löschen kann nämlich nur ein dafür autorisierter Administrator“. Der Verlag von Gschwilm steht nicht nur während der Aufbauphase hilfreich zur Seite, sondern bietet auch später Hilfestellung bei möglichen Programmerweiterungen oder Updates, damit das Programm den Erfordernissen der Zeit Schritt hält.

Weil bei der Kostenfrage der Arbeitskreisvorsitzende Brück sofort dazwischen grätscht: „Ganz schwieriges Thema. Die Stadt ist momentan sehr klamm. Und da die Sache sowieso politisch entschieden werden muss, wird es in nächster Zeit wohl nichts mit dem digitalen Stadtarchiv werden“. Doch als ob Gschwilm diesen Einwand vorausgesehen hätte, präsentiert er gleich die passende Antwort: „Bad Vilbel war sozusagen das Versuchskaninchen. Jetzt brauche ich noch drei bis vier Kommunen, in denen ich zu quasi Selbstkostenpreis eine solche Geschichts-Datenbank einrichten kann. Erst dann kann ich das Produkt vermarkten“. Das soll wohl so viel heißen, als dass die Stadt die Datenbank für wenig Geld eingerichtet bekommen kann.

Im Arbeitskreis Stadtgeschichte, in der Gschwilm seine Geschichts-Datenbank vorstellen wird, dürfte die Zustimmung der Arbeitskreismitglieder fast schon sicher sein. Zu verlockend ist das Angebot für den Arbeitskreis. Doch die letzte Entscheidung fällt im Stadtparlament, wenn es um die einzelnen Details geht.

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