Fröhliche Weihnacht in Nidderau

Nidderau: Musikvideos des Blasorchesters an über 80 Orten zu hören

Musikgenuss für unterwegs: BON-Vorsitzender Winfried Luig präsentiert das Plakat mit den QR-Codes, über die man mit Hilfe des Handys auf die Musikvideos des Blasorchesters Nidderau zugreifen kann. Katja Künsken und ihre Tochter Friederike haben bereits einige Stationen, wie hier hinter dem AGO-Seniorenheim, ausprobiert.
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Musikgenuss für unterwegs: BON-Vorsitzender Winfried Luig präsentiert das Plakat mit den QR-Codes, über die man mit Hilfe des Handys auf die Musikvideos des Blasorchesters Nidderau zugreifen kann. Katja Künsken und ihre Tochter Friederike haben bereits einige Stationen, wie hier hinter dem AGO-Seniorenheim, ausprobiert.

Am Adventskranz brennt die zweite Kerze. Sonst geben sich die Nidderauer Chöre und Musikvereine in diesen Tagen vor Weihnachten die Türklinken der Kirchen und großen Veranstaltungshallen in die Hand, um dem Publikum ihre traditionellen Weihnachtskonzerte darzubieten. Doch dieses Jahr ist eben alles anders. Gut, dass es da Vereine gibt, denen es an kreativen Ideen nicht mangelt, um ihren Mitmenschen trotz aller Einschränkungen eine Freude zu bereiten.

Nidderau – Katja Künsken steht mit ihrer Tochter Friederike an diesem Dezembernachmittag am Gehweg, der vom Parkplatz der Willi-Salzmann-Halle aus hinter dem AGO-Seniorenzentrum die Nidderwiesen entlangführt. Ihr Smartphone hat sie auf ein Schild gerichtet, das neben der dortigen Ruhebank mit einem Holzpfahl im Boden steckt. Auf dem Bildschirm sind Musiker des Blasorchesters Nidderau zu sehen, teilweise mit Nikolausmützen, die Weihnachtslieder spielen. Gespannt lauscht Friederike den warmen Klängen, die die Winterkälte an diesem Nachmittag für einen Moment vergessen machen.

„Das ist eine unheimlich tolle Aktion“, freut sich Katja Künsken. „Wir haben bereits an mehreren Stationen in der Stadt Halt gemacht und uns die kleinen Filme und Lieder angesehen. Es ist wie ein Konzert zum Mitnehmen.“

Über 400 Stunden Arbeit investiert

Künsken war eine der ersten, die schon kurz nach der Aufstellung des Schildes vor einigen Tagen den QR-Code, ein besonders gemustertes Feld auf dem Plakat, mit dem Handy gescannt und abgehört hat. „Ich hatte das Schild gerade aufgestellte und kam noch einmal zurück, um etwas zu kontrollieren, da stand sie schon davor“, berichtet Frauke Blum, eine der vielen BON-Aktiven, die das Projekt verwirklicht haben. „Wir haben mal überschlagen, dass es etwa 400 Stunden Arbeit waren, allein die Filme, die wir während der Tonaufnahmen von den Musikgruppen gemacht haben, zu sichten und zu schneiden“, berichtet Blum. „Zudem haben wir Dia-Shows mit Fotos von weihnachtlichen Motiven erstellt oder ältere Aufnahmen von Auftritten beim Hanauer Weihnachtsmarkt und anderen Konzerten integriert. Ein Problem war unter anderem, dass die Musik und die Bewegung der Musiker beim Spielen natürlich zusammenpassen müssen.“

Auf diese Weise sind Musikvideos mit zahlreichen traditionellen Weihnachtsliedern aber auch modernen Stücken sowie amerikanischen Klassikern entstanden. Alle Musiker der verschiedenen BON-Gruppen haben mitgewirkt.

Aufnahmen kurz vor dem Lockdown eingespielt

So bringen die Jüngsten ihre Blockflöten zum Klingen, das Jugendorchester unter Leitung von Björn Grün versprüht Weihnachtszauber und auch das Stammorchester, die Blechbläser von BON-Brass oder die BONsingers sind auf dem „Adventspfad“ an über 80 Stellen in Nidderau zu hören (siehe Kasten).

Konzert zum Mitnehmen: Die BON-Musiker haben mit mehreren Kameras und Mikrofonen Advents- und Weihnachtslieder eingespielt und zahlreiche Videos produziert.

„Wir haben die Aufnahmen noch kurz vor dem Lockdown eingespielt“, berichtet der BON-Vorsitzende Winfried Luig. „Eigentlich hatten wir dafür extra einen Termin im November in der Katholischen Kirche in Heldenbergen gemacht. Aber wir haben zum Glück auch schon bei Proben im Oktober mitgeschnitten, die wir dann verwenden konnten.“ Weitere Aufnahmen sind coronakonform mit genügend Abstand in der KuS-Halle Heldenbergen oder der evangelischen Brückenkirche in Heldenbergen entstanden.

Die Grundidee zu der aufwändigen Aktion hatte Luna Leipold, die sich beim BON seit Jahren um den Nachwuchs kümmert. Sie war es auch, die während des ersten Lockdowns fast täglich den Kontakt zu den Kindern zuhause gehalten hat und über das Internet unterrichtete.

„Finanziellen Ausfälle sind beträchtlich“

Auch die Erwachsenen haben sich mit Theorieunterricht zu Themen wie Atmung oder Probentechniken im Netz befasst oder donnerstags zum digitalen Stammtisch getroffen „um einfach mal dummes Zeug zu schwätzen“, schildert Luig.

Konzert zum Mitnehmen: Die BON-Musiker haben mit mehreren Kameras und Mikrofonen Advents- und Weihnachtslieder eingespielt und zahlreiche Videos produziert.

Überhaupt sei der Verein bislang verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen, so der Vorsitzende, obwohl die finanziellen Ausfälle beträchtlich seien. „Immerhin hatten wir für dieses Jahr mindestens zwei Konzerte geplant. Hinzu kommen die Absagen von Grillfesten, gebuchten Auftritten wie sonst zum Beispiel bei Weihnachtsmärkten oder von Vermietungen des Vereinsheims für Familienfeiern. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir als einer der wenigen Vereine Hilfszahlungen vom Land bekommen haben.“

Dafür geben die Musiker der Allgemeinheit nun auch etwas zurück. Doch auch für den Vereinszusammenhalt war der BON-Adventspfad wichtig. „Wir hatten wieder ein gemeinsames Ziel und man bleibt bei den Leuten im Gespräch.“

Katja Künsken jedenfalls will sich noch viele Musik-Stationen anhören – beim Spaziergang mit der Familie oder auch mal mit der besten Freundin und einem Glühwein aus der Thermoskanne.

Der BON-Adventspfad

Der BON-Adventspfad wird den kompletten Advent aushängen. Er umfasst Strecken in allen Stadtteilen. Stationen findet man im Familienpark, am Wartbaum sowie an der Hohen Straße, die besonders zum Wandern einlädt. In Ostheim führt die Strecke von der Firma Dillmann über den Ortskern, den Heldenberger Weg, der Reitanlage Höhenhof bis hin zum Hof Buchwald. In Eichen findet man klingende Schilder im Ortskern sowie an anderen Stellen und in Erbstadt rund um den Pfaffenhof und ebenfalls im Ortszentrum. An der Katholischen Kirche Heldenbergen, der Oberburg sowie in der Saalburgstraße sind weitere Stationen zu finden, in denen sich Musikliebhaber Werke vom Blasorchester Nidderau anhören können. Ein zweiter QR–Code auf den Plakaten verweist auf alle über 80 Stellen in Nidderau, an denen man auf den mobilen weihnachtlichen Pfad des Vereins stößt. Viele Punkte laden je nach Wetterlage zum Verweilen ein, da sich dort Bänke befinden. jow

» blasorchester-nidderau.de/adventspfad

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