Spaziergänger zu Vorsicht angehalten

Nidderau: Gefahren in Wäldern nehmen zu - Stundenbank symbolisiert nachwachsenden Wald

Stehen an der neuen Stundenbank im Wald bei Eichen: Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß, Forstamtsleiter Lutz Hofheinz und Revierförster Udo Kaufmann (von links).
+
Stehen an der neuen Stundenbank im Wald bei Eichen: Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß, Forstamtsleiter Lutz Hofheinz und Revierförster Udo Kaufmann (von links).

Die Trockensommer 2018, 2019 und 2020 haben dem Wald stark zugesetzt. Bereits seit dem vorletzten Jahr werden im Stadt- und Bürgerwald der Stadt Nidderau vertrocknete, käferbefallene und verpilzte Nadelbäume eingeschlagen.

Auf den entstehenden Freiflächen werden natürliche Verjüngungen oder Pflanzungen klimarobuster Baumarten angestrebt. Auch Laubbäume sterben nun verstärkt aufgrund der zu lang andauernden Dürre ab. Dies führt zu bisher nicht gekannten Gefahren für die Sicherheit aller Waldbesucher und Nutzer. Über die wirtschaftliche Bedeutung der Waldnutzung informiert seit Kurzem eine so genannte Stundenbank im Wald bei Eichen.

Pilzbefall: Äste könnten jederzeit abbrechen

„Die Absterbeerscheinungen sind in den älteren Buchenbeständen besonders gut zu beobachten“, teilt die Stadtverwaltung mit. „Im Herbst ist dies wegen des fallenden Laubes nicht mehr so offensichtlich erkennbar. Das Problem: Der parasitäre Pilzbefall beschleunigt den Sterbeprozess dramatisch und es ist – sogar bei Windstille – mit spontanen Astabbrüchen zu rechnen, weil sich die Stabilität der Bäume und Äste vom Boden aus nicht einschätzen lässt.“

Alle Waldbesucher werden darauf hingewiesen, dass Jeder mit den sogenannten „waldtypischen Gefahren“ rechnen muss, da innerhalb des Waldes und entlang von Waldwegen keine besondere Verkehrssicherungspflicht des Waldbesitzers besteht. „Nur akute Gefahren, wie angebrochene Äste oder aus der Wurzel gehobene Bäume, werden vorsorglich und zeitnah beseitigt.“

Geschädigte Bäume in öffentlichen Bereichen werden gefällt

Die Fällarbeiten konzentrieren sich auf die Bereiche der öffentlichen Plätze und Straßen. Mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt die Stadt Nidderau das Forstamt Hanau-Wolfgang des Landesbetriebes Hessen Forst. „Durch die anhaltende Stresslage im Wald werden auch innerhalb der Waldbestände weitere Holzeinschläge in geschädigten Altbuchen vorgenommen, in denen sonst eine massive Holzentwertung zu erwarten wäre und unter denen sich bereits eine schützenswerte Naturverjüngung als Folgegeneration entwickelt hat“, so die Mitteilung.

„Die Schäden zeigen sich bei den betroffenen Bäumen durch verstärkte Kronentrocknis, Schleimfluss und Sonnenbrand. Dies sind typische Alterserscheinungen und Stresssymptome der Buche, die sich aktuell in einer bisher nicht gekannten Geschwindigkeit fortentwickeln.“

Waldwege werden während der Baumfällarbeiten gesperrt

Durchforstungen in jüngeren Waldbeständen werden weiterhin zurückgestellt, und das nachgefragte Brennholz für die Kunden wird aus dem eher astigen und etwas dickeren Kronenästen herausgeschnitten. Die für Aufarbeitung und Rückung des anfallenden Holzes eingesetzten Unternehmen arbeiten mit leistungsfähigen Maschinen, deren Einsatz eine zeitweilige Sperrung von Waldwegen erforderlich macht. „Wir bitten die Waldbesucher dringend, die aufgestellten Schilder, Absperrbänder und -banner entsprechend wahrzunehmen und diese Bereiche zur eigenen Sicherheit zu meiden“, appelliert die Stadtverwaltung.

„Natürlich wird hier immer versucht, die Absperrzeiträume so kurz wie möglich zu halten. Leider nicht immer vermeidbar ist die Verschmutzung der Wege durch Waldboden, welcher sich aus den Reifenprofilen der Traktoren löst.“ Nach abgeschlossener Arbeit werden die Wege abgeschoben, das heißt, grob von der Erde befreit, sodass es meist nur wenige Tage dauert, bis sich das bisherige gewohnte Wegebild wieder einstellt.

„Auf das Verständnis der Waldbesucher hoffen wir, auch wenn in der Zeit von Oktober bis März gelegentlich vermehrt Motorsägengeräusche und Autoverkehr auszuhalten ist. Dies ist neben den Fahrten durch Jagd und Forst dem – gewünschten – Einsatz von privaten Brennholznutzern geschuldet, die zeitlich begrenzt wochentags von 9 Uhr bis 16 Uhr und im Dezember bis 15 Uhr unterwegs sein können“, informiert die Stadt.

Bank verdeutlichte Menge an Holz, die nachwächst

Mehr Verständnis erhoffen sich Bürgermeister und Forstleute von der Aufstellung einer Stundenbank. Der rechteckige Holzklotz aus bestem Eichenholz aus dem Wald bei Eichen steht direkt gegenüber der Vogelschutzhütte an einer von Spaziergängern, Wanderern, Joggern und Radfahrern viel benutzten Kreuzung. Eine Infotafel macht darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um eine Stundenbank handelt. Was im Falle der klobigen Sitzgelegenheit mit einem Volumen von 0,9 Kubikmeter nichts anderes bedeutet, dass der Klotz genau der Menge Holz entspricht, die pro Stunde im Nidderauer Wald nachwächst.

„Wir wollten damit ganz einfach zeigen, dass der Wald insgesamt nicht nur einen großen Wert für den Naturschutz und für die Naherholung hat, sondern auch ein wichtiger Lieferant für das Produkt Holz und damit ein Wirtschaftsfaktor – auch für die Stadt – ist“, erläutert der Initiator der Stundenbank, Revierförster Udo Kaufmann.

Stadt erwirtschaftet mit Holz einen fünfstelligen Betrag

„Wir sprechen von multifunktionaler Forstwirtschaft“, fügt Forstamtsleiter Lutz Hofheinz hinzu, Chef des Forstamts Hanau-Wolfgang, zum dem auch das Nidderauer Revier gehört. „Wir streben ein gesundes Gleichgewicht zwischen zielgerichtetem Naturschutz, Erholungswert und Nutzung als Wirtschaftswald an, wobei in Nidderau zum Beispiel acht Prozent der Waldfläche komplett aus der Bewirtschaftung heraus genommen worden sind“, betont Hofheinz.

„Die Stadt erwirtschaftet aus dem Holzverkauf jedes Jahr einen mindestens fünfstelligen Betrag, der in den Haushalt einfließt“, verdeutlicht Bürgermeister Gerhard Schultheiß die Bedeutung der Waldwirtschaft für die Finanzen der Kommune. Durch den Klimawandel werde es allerdings immer schwerer, eine Biodiversität zu erhalten.

Auf Importe angewiesen: Deutschland kann eigenen Holzbedarf nicht decken

Um die Bedeutung einer sinnvollen Waldwirtschaft zu verdeutlichen, wurde neben der Stundenbank eine Infotafel angebracht, auf der zum Beispiel ersichtlich ist, dass im Nidderauer Wald pro Jahr mehr Holz nachwächst als geerntet wird.

Dort erfahren Waldbesucher auch, dass der jährliche Einschlag nur den Bedarf an Holz von rund einem Fünftel der Nidderauer Bevölkerung deckt. „Deutschland ist in Sachen Holz ein Importland“, stellt Revierförster Kaufmann fest, „der Bedarf durch eigenes Holz kann nicht annähernd gedeckt werden.“  fmi

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare