Serviceabbau

Hammersbach / Nidderau: VR Bank streicht Angebote in Marköbel, Erbstadt und Eichen

Kein Personal mehr vor Ort: Die Filiale in Eichen fungiert ab kommender Woche nur noch als SB-Stelle.
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Kein Personal mehr vor Ort: Die Filiale der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen in Nidderau-Eichen fungiert ab kommender Woche nur noch als SB-Stelle.

Seit einigen Jahren leiden zahlreiche Ortschaften unter einem Rückgang der Infrastruktur: Ärztemangel, Ladensterben, unzureichende Verkehrsanbindung. Dabei ist nicht nur der ländliche Raum betroffen. Erst vor wenigen Tagen berichteten wir, dass in Hanaus kleinstem Stadtteil Mittelbuchen die Sparkassenfiliale zum Ende des Jahres schließt.

Nidderau/Hammersbach – Doch nicht nur die Sparkasse Hanau spart Kosten. Bereits zum Ende dieser Woche baut die VR Bank Main-Kinzig-Büdingen in gleich mehreren Zweigstellen in Hammersbach und Nidderau Serviceleistungen ab. Dies bestätigte André Peter, Abteilungsleiter Marketing, auf Anfrage unserer Zeitung. „Wenn man weiterhin in der Fläche vertreten sein will, es sich in der bisherigen Form aber wirtschaftlich nicht mehr darstellen lässt, muss man die Strukturen ändern“, so Peter.

Konkret bedeutet dies, dass die Filiale in Hammersbach-Marköbel geschlossen wird. Auch die Hoffnung auf den Verbleib eines Geldautomaten, die der Gemeindevorstand um Bürgermeister Michael Göllner (SPD) noch in der jüngsten Gemeindevertretersitzung geäußert hatte, wird enttäuscht.

Nutzung von Geldautomaten ist rückläufig

„Automaten sind kostspielig“, so Peter. Durch die Möglichkeit des mobilen Bezahlens über Smartphone oder des Geldabhebens an der Supermarktkasse sei die Nutzung von Automaten rückläufig. „Direktbanken bieten eine solche Infrastruktur ja gar nicht an“, stellt Peter fest. „Dafür bleibt in Langen-Bergheim unsere Geschäftsstelle bestehen. Die Frequenz dort ist aufgrund der ansässigen Einkaufsmärkte einfach höher.“

Es bleibt auch kein Automat: Ab Montag müssen Marköbler VR-Bank-Kunden nach Langen-Bergheim fahren.

Auch in Nidderau ist diese Marktstrategie zu beobachten. Zuerst hat die Sparkasse Hanau ihre Filiale ins stark frequentierte Einkaufszentrum Nidder Forum verlegt, im Januar 2020 zog die Frankfurter Volksbank ihre Filialen aus dem Ortskern Heldenbergen und vom Windecker Marktplatz am Stadtplatz in der Neuen Mitte zusammen.

Die VR Bank Main-Kinzig-Büdingen hängt nun ihren Geldautomaten in Erbstadt ab und spart sich damit die Raummiete. Dabei wurde der Automat aus Kostengründen bereits im Verbund von Sparkasse und VR Bank betrieben. Den Service nun endgültig abzubauen sei „eine gemeinschaftliche Betrachtung“ der beiden Institute gewesen, kommentiert Peter.

Persönliche Beratung nur auf Termin

In Eichen wird es ab Montag nur noch eine Selbstbedienungsstelle (SB) mit Geldautomat und Auszugsdrucker geben. „Eine persönliche Beratung vor Ort wird nach Terminvereinbarung angeboten“, so Peter. „Denkbar ist auch, dass unsere Mitarbeiter den Kunden für eine Beratung zuhause aufsuchen, was durch Corona zuletzt aber erschwert wurde“, räumt der Marketingleiter ein. Umgekehrt habe Corona den Trend zum Online-Banking noch einmal verstärkt. Dass durch die Schließung von Zweigstellen und die Fokussierung auf Automaten und das Internet die Schwelle für ältere Kunden einmal mehr erhöht wird, nehmen die Institute dabei offenbar in Kauf.

Dieser allgemeine Strukturwandel zulasten der kleinen Ortschaften stößt vor allem der CDU Nidderau sauer auf, wie Fraktionschef Thomas Warlich, der selbst aus Erbstadt kommt, in der Stadtverordnetensitzung vor einer Woche deutlich machte. Mehr noch: Die Christdemokraten sehen diese Entwicklung durch die Verwaltung und die rot-grüne Koalition sogar noch bestärkt. Etwa durch die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts der Stadt, das vergangene Woche gegen die Stimmen der CDU verabschiedet wurde. In dem Beschluss heißt es: „Die Ansiedlungen von Einzelhandelsunternehmen mit zentralrelevanten Angeboten soll zur Stärkung der Nahversorgung in Nidderau in den Ortsrandlagen verhindert und den Kernbereichen gefördert werden.“

CDU Nidderau kritisiert Einzelhandelskonzept

Für die CDU, die sich seit Jahren für ein Mischgebiet jenseits der Bundesstraße 521 in Eichen einsetzt, „zementiert“ das zugrunde liegende Gutachten die „katastrophale Infrastruktur“ in Erbstadt, Eichen und auch Ostheim. „Eine Zentralisierung bedeutet mehr Verkehr und eine Abkopplung älterer Menschen“, so Fraktionschef Warlich in der Stadtverordnetensitzung. „Das kann man als unsozial bezeichnen.“

SPD-Fraktionsführer Vinzenz Bailey hielt dagegen, das Gutachten liefere zunächst eine Bestandsaufnahme der gewerblichen Situation in Nidderau und beschreibe die Marktentwicklung, die sich an Kundenströmen orientiere. „Das Büro hat auf dieser Grundlage das Konzept professionell weiterentwickelt“, so Bailey. „Aber es ist auch nicht in Stein gemeißelt. Diese Analyse als unsozial zu bezeichnen ist mir zu flach.“

So oder so: Die Kunden der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen in Erbstadt, Eichen und Marköbel müssen sich ab Montag mit weniger Service abfinden. (Von Jan-Otto Weber)

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