Delegierte wählen 27-jährigen Nidderauer zum Kandidaten im Wahlkreis Hanau / „Freue mich sehr über Vertrauen“

SPD schickt Lennard Oehl ins Rennen um den Bundestag

Lennard Oehl
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Lennard Oehl

Lennard Oehl aus Nidderau wird bei der Bundestagswahl am 27. September für die SPD im Wahlkreis 180 (Hanau und westlicher Main-Kinzig-Kreis) antreten. Der 27-Jährige setzte sich am Donnerstagabend im zweiten Wahlgang deutlich mit 58 zu 29 Stimmen gegen Abdullah Unvar aus Hanau durch. „Ich freue mich sehr über das Vertrauen“, sagte Oehl gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Region Hanau - Bei der ersten Wahlkreiskonferenz des SPD-Unterbezirks Main-Kinzig hatte keiner der Kandidaten die im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit erhalten. Neben Oehl und Unvar war am 27. März noch Yasmin Schilling angetreten. Oehl lag nach der ersten Abstimmung mit 33 Stimmen vorne. Unvar kam auf 31, Schilling auf 24 . Die Neubergerin habe die Bewerbung zur Kandidatur jedoch am vergangenen Mittwochabend zurückgezogen, erläuterte Christoph Degen, der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks, gestern auf Nachfrage. Sie sei aber stolz auf ihr gutes Ergebnis als Drittplatzierte gewesen.

„Ich gratuliere Lennard Oehl herzlich zu seiner Wahl und freue mich auf einen engagierten Wahlkampf“, so Degen. Oehl wird gegen Dr. Katja Leikert (CDU) antreten. Der zweite Wahlgang fand wie schon der erste im Hanauer DGB-Haus unter strengen Hygienemaßnahmen statt. Die Delegierten hatten Zeiten zugewiesen bekommen, zu denen sie das Wahllokal betreten konnten. Die Wahl digital abzuhalten wäre laut Degen sehr aufwendig und teuer geworden.

Oehl ist „dankbar“ für das Vertrauen

Oehl, den der HA gestern auf dem Ostermarsch in Bruchköbel telefonisch erreichte, zeigte sich dankbar für das Vertrauen der Delegierten. Dass er mit 27 Jahren ein so gutes Ergebnis erreicht habe, sei „nicht selbstverständlich“. Inhaltliche Schwerpunkte will der Ökonom in der Finanz- und Wirtschaftspolitik setzen. In der kommenden Legislaturperiode werden seiner Einschätzung nach die ökonomischen Folgen der Pandemie ein großes Thema sein. „Es wird darum gehen, wie die Lasten verteilt werden.“

In den kommenden Monaten will sich Oehl in der Region bekannter machen. Ohne Veranstaltungen und Feste sei das zwar schwierig. „Ich setze daher auf Hausbesuche“, sagte der 27-Jährige. Er wolle nahbar sein. „Und ich will verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.“ Oehl erklärte, auch die Ziele des Zweitplatzierten Unvar aufnehmen zu wollen. „Die Aufarbeitung der Ereignisse des 19. Februar ist mir ebenso wichtig.“ Abdullah Unvar ist der Cousin des beim Anschlag ums Leben gekommenen Ferhat Unvar.

Dr. Sascha Raabe gratuliert

Dr. Sascha Raabe (Gründau), der aus persönlichen Gründen nicht mehr für den Bundestag kandidiert, gratulierte Oehl in einer Mitteilung. Der Nidderauer bringe die besten Voraussetzungen mit: „Er ist jung und trotzdem kommunalpolitisch bereits sehr erfahren. Er ist sympathisch, beruflich kompetent und weiß als Kreisvorsitzender der Jusos, wie man Wahlkampf macht. Einen großen Dank auch an Yasmin Schilling und Abdullah Unvar, die ebenfalls ausgezeichnete BewerberInnen gewesen sind“, so der 52-Jährige.

In diesem Jahr sei für die SPD das Direktmandat „erstmals seit langer Zeit wieder realistisch gewinnbar“, ist Raabe überzeugt. Mit Oehl habe die SPD einen „hervorragenden Kandidaten, der das schaffen kann“.

Raabe selbst hatte im Juni 2018 angekündigt, dass er nach 25 Jahren hauptberuflicher Politik (sechs Jahre Bürgermeister, 19 Jahre Bundestag) aus persönlichen Gründen nach fünf Legislaturperioden nicht noch einmal für den Bundestag kandidieren werde. 2002 war Raabe mit 34 Jahren direkt in den Bundestag eingezogen, 2005 holte er erneut das Direktmandat im Wahlkreis 180. Danach war er jeweils über die Landesliste der SPD ins Parlament gewählt worden.

Von Christian Dauber

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