Corona-Pandemie

Hoteliers in Nidderau und Schöneck beklagen hohe Umsatzeinbußen

Der Nidderauer Hotelier Siegfried Fritz hat kurzzeitig ans Aufhören gedacht, macht aber in Heldenbergen mit dem Hotel Zum Ritter weiter und hofft auf bessere Zeiten.
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Der Nidderauer Hotelier Siegfried Fritz hat kurzzeitig ans Aufhören gedacht, macht aber in Heldenbergen mit dem Hotel Zum Ritter weiter und hofft auf bessere Zeiten.

Über ein Jahr wütet das Coronavirus inzwischen in Deutschland und weltweit. Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wurden ergriffen und immer wieder der Situation angepasst. Geschäfte, Pensionen und Hotels sind hingegen – mit eher kurzen Unterbrechungen – seither geschlossen. Wie geht es Hoteliers in der Region, wie kommen sie durch den Lockdown? Wir haben mit drei Hotelbesitzern gesprochen.

Nidderau/Schöneck – „Der Lockdown ist eine schiere Katastrophe. Wenn die Immobilie mit dem Hotel hier kein Eigentum wäre, dann hätte ich längst das Handtuch werfen müssen“, beklagt sich Siegfried Fritz, Eigentümer des Hotels Zum Ritter in Nidderau. Rund 60 Prozent seines Umsatzes sind durch die Coronapandemie weggebrochen. „Und das nicht nur für ein oder zwei Monate, sondern schon seit über einem Jahr“, berichtet der Hoteleigentümer.

Und dabei liegt er sogar günstiger als die meisten anderen Kollegen aus dem Bereich, wie der Präsident des Hotel- und Gaststättengewerbes Guido Zöllick vor Kurzem mitteilte. Noch hat Fritz Geschäftsleute, die auch während der Krise noch Übernachtungen buchen dürfen. Aber auch deren Anzahl ist rapide zurückgegangen.

Wenn es doch endlich mal Licht am Ende des Tunnels gebe und man abschätzen könne, wie lang die Situation noch dauere, aber das ist eher ein frommer Wunsch aller Geschäftsleute und natürlich auch der Hoteliers.

Angestellte in Kurzarbeit

Seine beiden Angestellten hat Fritz zwar noch nicht entlassen müssen, aber sie befinden sich schon seit Monaten in Kurzarbeit – mit den entsprechenden Lohneinbußen. Sicherlich habe auch er staatliche Hilfe bekommen und zwar bis Dezember vergangenen Jahres. Doch das reiche hinten und vorne nicht. Und in diesem Jahr sei trotz rechtzeitigem Antrag noch kein Cent geflossen. Eigentlich müsste der Staat die Gastronomie wesentlich stärker unterstützen, schließlich seien die Betriebe zwangsweise wegen des Virus geschlossen worden, beklagt sich Fritz Im Dezember habe er deshalb in Anbetracht der Lage sogar einmal kurzzeitig über ein Aufhören nachgedacht. Doch was dann? Was soll aus der Immobilie werden? Jetzt macht er weiter und hofft auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie.

Ähnlich geht es seinem Kollegen nur ein paar Straßen weiter. Manfred Goy, Mitinhaber des Hotels Adler, klagt ebenfalls über einen verheerenden Umsatzeinbruch. Bei ihm seien mit Blick in die Bücher sogar fast 80 Prozent weggefallen. Die deutlich höhere Zahl liegt vermutlich daran, dass er in seinem Hotel auch ein Restaurant betreibt. „Selbst unsere Stammkunden, fast alles Geschäftsleute, die eigentlich auch jetzt noch Übernachtungen buchen dürften, fragen nicht einmal mehr an“, meint Goy sichtbar ratlos. Seine sechs Festangestellten hat er bereits Ende September vergangenen Jahres entlassen, und auch die sechs Aushilfen kommen nur noch sporadisch zum Zuge. „Dabei reicht deren Verdienst nun wirklich mehr zum Leben.“ Auch über ein Catering, also eine Essenslieferung außer Haus habe er nachgedacht, die Überlegung dann jedoch wieder verworfen, weil die Kosten für Personal und Energie davon nicht gedeckt würden.

Zeit genutzt, um zu investieren

Das dritte der zufällig ausgewählten Hotels steht in Schöneck, und zwar das Hotel Lauer. Auch dieses Haus, ebenfalls im Familienbesitz, hat eine lange Tradition und deshalb ist für seine Besitzerin Marianne Lauer Aufgeben keine wirkliche Alternative. „Nein, irgendwann werden die Zeiten auch wieder besser. Nur es wird sich vieles ändern“, glaubt Lauer. Homeoffice und Videokonferenzen werden zukünftig stärker genutzt. Die Konsequenz ist, dass Geschäftsreisen weniger werden. Auch die Zeit der großen Messen in Frankfurt sei vorbei, die ansonsten auch in den umliegenden Kommunen stets für gute Belegung der Hotels gesorgt hätten. „Wir werden mittelfristig ein anderes Publikum bekommen“, ist sich die Hotelbesitzerin sicher.

Sie hat deshalb die Zeit des Lockdowns dazu genutzt, kräftig in ihr Hotel zu investieren. Alle 20 Zimmer wurden klimatisiert und renoviert. Zur Energiegewinnung erhielt das Haus darüber hinaus eine eigene Solaranlage. Und wie sieht es mit der staatlichen Hilfe aus?

Forderung nach Öffnungsstrategie

„Nein, im vergangenen Jahr habe ich keine finanzielle Unterstützung beantragt. Man kann den Staat doch nicht für alles verantwortlich machen“, so Lauer. In diesem Jahr sei das anders, da ihre Umsätze noch einmal deutlich zurückgegangenen seien. „Ich habe jetzt nur noch ein Drittel meines sonstigen Umsatzes, und da brauche ich wirklich nun jede Hilfe.“

In dieser finanziell schwierigen Lage ist Marianne Lauer nicht alleine. Deshalb fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) auch „einen Strategiewechsel hin zu einer evidenzbasierten Öffnungsstrategie auf, denn die Hygienekonzepte und Abstandsregeln im Handel hätten sich bewährt.

(Jürgen W. Niehoff)

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