Nidderau

Initiative für Erhalt des Spielplatzes Höchster Straße

Viel Platz zum Toben: Der Spielplatz an der Höchster Straße zwischen Nidderhalle (im Hintergrund) und Kindergarten ist bei Familien in Eichen sehr beliebt. Sollte hier ein Seniorenzentrum gebaut werden, könnte er in dieser Form nicht erhalten bleiben. Archivfoto: Jan-Otto Weber

Nidderau. Es soll ein Vorzeigeprojekt für Eichen werden, ein Begegnungsort der Generationen: Die Alten- und Pflegezentren (APZ) des Main-Kinzig-Kreises, ein öffentlicher Träger ohne Gewinnorientierung, will eine Seniorendependance an der Höchster Straße errichten, zwischen der neuen Nidderhalle und dem Kindergarten.

Von Jan-Otto Weber

Neben 40 Wohnplätzen wäre Platz für eine Tagespflege, einen Laden oder ein Restaurant. Eventuell könnten sogar zwei Kita-Gruppen in dem Neubau unterkommen, wodurch sich eine kostspielige Erweiterung des bestehenden Kindergartens erübrigen würde.

Die Mehrheit von SPD und Grünen (eine Enthaltung) sprach sich mit einer zusätzlichen Ja-Stimme aus der CDU-Fraktion Mitte Dezember für eine grundsätzliche Zusammenarbeit mit den APZ zur Umsetzung des Dependance-Modells an der Höchster Straße aus. Die übrigen CDU-Abgeordneten stimmten dagegen. Die FWG enthielt sich aufgrund einer anhängigen Klage die Nidderhalle betreffend.

Protest der Elternschaft

In der Eicher Elternschaft stoßen die Pläne indessen auf Protest. Der Knackpunkt: Für die Errichtung der Seniorendependance könnte der auf dem Areal befindliche Spielplatz in seiner jetzigen Form nicht erhalten bleiben. Dies bestätigt auch Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) auf Anfrage unserer Zeitung: „Egal, ob die Kita erweitert wird oder wir zwei Gruppen in der Dependance bekommen, die Spielplatzgrenze müsste in jedem Fall versetzt werden. Allerdings wird der Bereich am Graben öffentliches Areal bleiben und neu gestaltet. Hier können sich auch die Eltern mit ihren Ideen einbringen.“

Die SPD beeilt sich ebenfalls, den Unmut der Eltern zu beschwichtigen. „Auch für die Zukunft ist immer noch ein Spielplatz an der Höchster Straße vorgesehen“, heißt es in einer Mitteilung, die der Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Andreas Bär am Donnerstag auch im Namen des Ortsbezirks Eichen–Erbstadt verschickte. „Dieser soll sowohl einen beträchtlichen Teil der jetzigen Fläche, als auch die neu gestaltete, 1400 Quadratmeter große Fläche an der Nidderhalle umfassen. Zurzeit liegen noch keine Pläne seitens der Alten- und Pflegezentren über die konkrete Bebauung vor. Ebenso ist noch unklar, ob neue Kita-Gruppen an die bestehende Kita angebaut oder im neuen Alten- und Pflegezentrum angesiedelt werden. Die derzeitigen Gerüchte sind also reine Spekulation.“

Viele Eltern wollen sich mit solchen Erklärungen jedoch nicht zufriedengeben. Unter dem Motto „Rettet den Abenteuer-Spielplatz in der Höchster Straße“ laden deshalb Andrea Knapp und Jennifer Kurz-Malkmus für Montag, 3. Februar, um 19.30 Uhr ins evangelische Gemeindehaus Eichen ein. „Wir möchten der Diskussion in der Bevölkerung einen Rahmen bieten“, erläutert Knapp im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir fänden es schön, wenn auch Vertreter der Parteien und der Verwaltung kommen, auch um ein paar Informationen mit reinzubringen. Aber es soll keine politische Veranstaltung werden, das ist uns wichtig“, betont Knapp, deren Vater CDU-Stadtverordneter ist. „Wir wollen nicht instrumentalisiert werden.“

Eltern fühlten sich "überrumpelt"

Die Eltern fühlten sich „überrumpelt“, meint Knapp. Dass das Thema bereits seit einem entsprechenden Antrag von SPD und Grünen im Jahr 2016 auf der Tagesordnung steht und zu dem Standort eine Machbarkeitsstudie durchgeführt wurde, hätten die meisten im Alltagsstress nicht mitbekommen.

„Wir haben nichts gegen Senioren“, betont Knapp. „Aber für uns stellt sich die Frage, warum das Altenheim ausgerechnet dort hinmuss. Warum nicht zum Beispiel am Junkernwald oder in einem anderen Stadtteil?“Das fragt auch die CDU-Fraktion, die in der Dezember-Sitzung dafür plädiert hatte, den Standort offen zu halten. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thomas Warlich hatte unserer Zeitung eine Reihe von Gründen genannt, die aus Sicht seiner Partei gegen die Höchster Straße sprechen. Neben dem Verlust des jetzigen Spielplatzes führte der Erbstädter die Parkplatz- und Verkehrssituation verbunden mit der Lärm-belästigung für die Senioren, die Hochwasserlinie der nahen Nidder und eventuelle Bodenbelastungen an, wie sie auch beim Umbau der Nidderhalle festgestellt worden waren.

Der Standort Junkernwald und das diskutierte Mischgebiet jenseits der B 521 seien keine offiziellen Alternativvorschläge der CDU-Fraktion, betonte Warlich im Dezember. „Ein solches Seniorenzentrum mit Aussicht auf Arztpraxis und eine Gastronomie wäre auch in Erbstadt denkbar“, erklärte er. „Daran mangelt es zurzeit ja bekanntermaßen extrem bei uns.“

Standort an Höchster Straße

Die örtlichen Vertreter der SPD hingegen bekennen sich in ihrer Mitteilung von Donnerstag klar zum Standort Höchster Straße. „Zwischen Kindergarten und Nidderhalle soll ein weiterer Meilenstein im Ort entstehen und die neu geschaffene Begegnungsachse an der Höchster Straße weiter stärken“, wird etwa Ortsvorsteher Sam Pfeifer zitiert. „Durch den Bau der Seniorendependance lässt sich nicht nur die derzeitige Pflegeplatzsituation in Nidderau verbessern, sondern es ermöglicht auch den Eichern, in vertrauter Umgebung alt zu werden. Der Standort an der Höchster Straße bietet den künftigen Bewohnern die Möglichkeit, am aktiven Dorfleben teilzunehmen und in einem Miteinander der Generationen zu leben. Genau diese Chancen sehen wir bei den anderen in der Diskussion genannten Standorten, beispielsweise jenseits der B 521 oder am Wiesengrund neben dem geplanten Feuerwehrhaus, nicht.“

Für Andrea Knapp und viele weitere Eicher Familien bedeuten diese Pläne einen großen Verlust. „Der Spielplatz ist wirklich sehr beliebt, gerade weil er so weitläufig ist. Die Kinder verstecken sich in den Büschen und rennen die Hügel rauf und runter. Es ist eben ein richtiger Abenteuerspielplatz, der ohne designte Spielgeräte auskommt, mit denen die Kinder nichts anfangen können.“

Auch die Grundschule würde den Spielplatz nutzen, etwa für die Nachmittagsbetreuung. „Hier können sich auch Viertklässler richtig austoben“, erklärt Knapp, die wegen des Lärms eine Konfliktgefahr mit den Senioren sieht. „Wir möchten den Spielplatz so erhalten und wollen uns nicht später vorwerfen, dass wir es nicht versucht haben.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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