Auch Jugendarbeit leidet

Jubiläumsjahr endet ohne Fest: 100-jähriges Bestehen der Ostheimer Feuerwehr fiel Corona zum Opfer

Können inzwischen wieder lächeln: Zweiter Kassierer Samuel Prokop, Wehrführer Markus Schmid und Frank Frischkorn, stellvertretender Vorsitzender des Feuerwehrvereins (von links), mit Fahnen, die während der Festtage „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ostheim“ eigentlich die Straßen des Stadtteils zieren sollten.
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Können inzwischen wieder lächeln: Zweiter Kassierer Samuel Prokop, Wehrführer Markus Schmid und Frank Frischkorn, stellvertretender Vorsitzender des Feuerwehrvereins (von links), mit Fahnen, die während der Festtage „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ostheim“ eigentlich die Straßen des Stadtteils zieren sollten.

Es hätte ein bemerkenswertes Jahr für die Freiwillige Feuerwehr Ostheim werden können. Denn die Floriansjünger hatten alle Vorbereitungen getroffen, um ihren 100. Geburtstag würdig zu feiern. Doch dann kam das Virus – und sowohl die akademische Feier Ende April als auch die viertägigen Festtage im Juni fielen ins Wasser.

Nidderau – „Über eine Wiederholung im kommenden Jahr haben wir nur kurz nachgedacht, aufgrund der derzeitigen Lage glauben wir nicht, dass größere Veranstaltungen stattfinden können“, stellt Wehrführer Markus Schmid vor Weihnachten im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER fest.

Bereits im Jahr 2017 stellte die Wehrführung erste Überlegungen an, wie das große Jubiläum aussehen könnte. Ein Jahr später nahm man die Feuerwehrmannschaft mit zwei Befragungen mit ins Boot. Mit großer Mehrheit sprachen sich die Feuerwehrleute für ein großes Fest mit akademischer Feier aus. Weiterhin sollten neben einer Beachparty am Eröffnungstag Großübungen und die offizielle Festeröffnung durch Landrat und Bürgermeister mit anschließendem Festabend stattfinden.

Festumzüge und Konzerte: 60 Mitglieder waren an Planungen beteiligt

Eine Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Main-Kinzig war geplant und ein großer Festumzug sollte durch die Ostheimer Straßen ziehen, gekrönt von Konzerten der teilnehmenden Spielmannszüge und Blaskapellen. Nach einem Dämmerschoppen stand zum Abschluss der Festtage ein Großer Zapfenstreich auf dem Programm, berichtet Frank Frischkorn, stellvertretender Vorsitzender des Feuerwehrvereins.

Um die umfangreiche organisatorische Arbeit in den Griff zu bekommen, wurden sechs Gruppen gebildet: Fest-, Finanz-, Werbe-, Bau-, Dekorations- und Wirtschaftsausschuss. Über 60 Mitglieder von Einsatzabteilung und Feuerwehrverein sowie Angehörige und Freunde engagierten sich bei den Vorbereitungen.

Feuerwehr wollte mit dem gesamten Stadtteil feiern

„Wir waren alle sehr motiviert“, berichtet Samuel Prokop, der maßgeblich an der Erstellung der Festschrift beteiligt war. „Gerade in den letzten Jahren war die etwas eingeschlafene Festkultur in Ostheim wieder neu erwacht, und wir wollten beweisen, dass die Feuerwehr – wie bei vorigen Jubiläen – auch 2020 ganz groß mit dem gesamten Stadtteil, mit allen Nidderauer Bürgern und befreundeten Wehren aus dem Umland feiern kann“, fügt der zweite Kassierer hinzu.

Verträge mit einem Festzeltverleiher, Musikgruppen, Caterer und Getränkelieferanten wurden geschlossen, die Vereinsgemeinschaft ins Boot geholt, Spielmannszüge und Feuerwehrkapellen eingeladen, Teilnehmer am Festzug rekrutiert, Werbemittel wie Bierdeckel, Banner, Flyer und eine Facebookseite waren geschaltet, sogar die Thekendienste waren schon eingeteilt – kurzum, das Projekt „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ostheim“ lief auf Hochtouren.

Um finanziellen Schaden zu vermeiden: Alle Veranstaltungen abgesagt

Alles war angerichtet, als das Virus sich verbreitete und der Vorstand der Feuerwehr zunächst schweren Herzens die für den 30. April – in Verbindung mit der Aufstellung des Maibaums – geplante akademische Feier absagen musste. „Schon da ahnten wir, dass es mit den Festtagen Ende Juni sehr eng werden würde. Um möglichst wenig finanziellen Schaden zu erleiden, sagten wir dann Anfang Mai die komplette Veranstaltung ab“, stellt Wehrführer Schmid fest.

Ist noch zu haben: Die Festschrift zum großen Jubiläum.

Erst einmal seien alle Beteiligten in ein großes Loch gefallen, denn die Vorfreude auf ein tolles Feuerwehrfest sei im Stadtteil spürbar gewesen. Überlegungen, den Geburtstag 2021 nachzufeiern, habe man aber recht frühzeitig begraben, denn nach dem Auftakt 2019 bei der Feuerwehr Roßdorf wollen 2021 die Wehren von Nieder- und Oberissigheim jeweils groß ihren 100. Geburtstag feiern, „da hätten wir terminlich gar nicht reingepasst“, berichtet Frank Frischkorn.

Und so habe man sich darauf beschränkt, die Festschrift in Geschäften in Ostheim auszulegen, damit die Bürger zumindest einen schriftlichen Beweis für „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ostheim“ in Händen halten konnten. „Wer noch kein Exemplar hat, kann bei den Feuerwehrkameraden Festschriften ordern, wir haben noch welche zum Verteilen“, fügt Prokop hinzu.

Gedenktafel erinnert an verstorbene Feuerwehr-Mitglieder

Aber ganz ohne einen dauerhaften Hinweis auf das ausgefallene Jubiläum wollte die Freiwillige Feuerwehr Ostheim das Jubiläumsjahr nicht ausklingen lassen. Man hatte bereits Recherchen über Gedenksteine angestellt, denn in den vergangenen Jahren hatten die Floriansjünger einige, die Geschichte der Wehr prägende Mitglieder verloren.

Ehrenvolles Gedenken: Der jüngst auf dem Ostheimer Friedhof aufgestellte Findling erinnert an verstorbene Mitglieder der Feuerwehr.

Über einen befreundeten Feuerwehrmann in Roßdorf organisierte die Wehrführung einen Findling. Und nun ziert auf dem Ostheimer Friedhof seit Kurzem eine Gedenktafel diesen mächtigen Stein und erinnert an verstorbene Kameraden. „Das war eine Aktion von zwei Wochen“, fügt Markus Schmid hinzu, „aber die Idee dazu hatten wir schon länger.“

Zahl der Mitglieder geht zurück

Was bleibt nun nach dem ausgefallenen Jubiläum? „Corona macht alles schwieriger“, so Frischkorn. Die Brandschutzerziehung sei fast zum Erliegen gekommen, deshalb gehe auch die Zahl der Mitglieder der Jugendwehr zurück, was langfristig Auswirkungen auf die Zahl der Einsatzkräfte haben könne. Noch sei man in der komfortablen Situation, eine zahlenmäßig gut aufgestellte Einsatzabteilung aufweisen zu können – auch im Hinblick auf die Tagesbereitschaft.

Allerdings habe man das auch durch Neubürger geschafft, die sich bei der Feuerwehr engagiert haben. Generell werde es aber schwerer, Menschen für die Mitarbeit in Einsatzabteilung und Verein zu begeistern, so das Fazit von Wehrführer Markus Schmid, der trotzdem für die 100-jährige Freiwillige Feuerwehr Ostheim zuversichtlich in die Zukunft schaut.

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