„Steaks von unseren Bullen“

Neues Restaurant „Farmhouse“ eröffnet bald

Familie Kester, hier mit Laressa, Arndt und Sohn Milan, die Eröffnung verschieben stehen in ihrem uneingerichteten neuen Haus.
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Noch fehlt die Einrichtung im neuen Restaurant in Nidderau. Deshalb musste Familie Kester, hier mit Laressa, Arndt und Sohn Milan, die Eröffnung verschieben.

Familie Kester will in ihrem eigenen Restaurant in Nidderau Gäste bewirten und Zimmer vermieten. Dafür muss noch einiges erledigt werden.

Nidderau – Noch ist das Wiehern der Pferde und das Schnauben der Zuchtbullen auf dem Gehöft am Fernweg in Ostheim fast genauso laut wie die Rufe der Handwerker, die am Rande des landwirtschaftlichen Betriebs mit der Einrichtung der neuen Gaststätte beschäftigt sind. „Wenn alles gut geht, dann eröffnen wir unser ‘Farmhouse’ am 1. Juli“, zeigen sich Wolfgang Kester (60) und Sohn Arndt (31) zuversichtlich. Denn eigentlich sind nur noch Innenarbeiten zu verrichten, wie die Einrichtung der Küche und das Aufstellen von Tischen und Stühlen für den Gastraum. Dann bietet die neue Gaststätte Platz für zirka 60 Gäste im Innenbereich und 80 Plätze im Freien.

Die sechs Appartements im Nebenhaus, alle einheitlich 24 Quadratmeter groß und gleich eingerichtet, sind bereits fertig. Auch sie sind rustikal eingerichtet und verfügen über jeweils eine eigene Küche, einen eigenen Fernseher und einen WLAN-Anschluss. „Für die Appartements haben wir bereits erste Anfragen“, berichtet der Junior. Abgelehnt werden Dauermieter, denn die Gaststätte inklusive den Appartements zielt auf den Tourismus ab, der im Sommer in kleineren oder größeren Gruppen an dem Fernweghof vorbeizieht.

Nidderau: Neues Restaurant am Fernweg hat viel hinter sich

Der Hof liegt an dem Wander- und Radweg, der auf der Strecke zwischen Windecken und Eichen die Hohe Straße mit dem Vulkanradweg, und der Bonifatiusroute verbindet. In der siebenten Generation bewirtschaftet die Familie Kester bereits ihren 80 Hektar großen Hof. Ursprünglich lagen seine Wohn- und Betriebsgebäude am Rand von Ostheim an einer viel befahren Straße. „Damals hatten wir noch Milchwirtschaft und waren durch die Straße und die zunehmende Wohnbebauung sehr beengt“, erinnert sich Wolfgang Kester.

Er ist gelernter Landwirt, Agrartechniker und wie seine Freunde von ihm behaupten, sehr umtriebig. So hat er trotz vieler Schwierigkeiten mit den Behörden die Umsiedlung seines Hofs in den Außenbereich durchsetzen können. Das war im Jahr 2005. Ein Jahr später beteiligte er sich bereits an einer Biogasanlage zur Herstellung von regenerativer Energie in Ostheim. Aus der Biogasanlage ist er mittlerweile wieder ausgetreten, dafür engagiert er sich jetzt im Immobiliensektor, wie beispielsweise mit der Eröffnung der Gaststätte und dem Appartementhaus.

Da auch der Sohn Arndt gelernter Landwirt ist, der in Gießen Agrarwissenschaften studiert hat, sowie staatlich geprüfter Wirtschafter, ergänzen sich die Generationen prächtig.

Restaurant in Nidderau will auf regionale Produkte setzen

Wolfgang Kester hat noch eine andere Leidenschaft: So engagiert er sich in der Kirche, hilft ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe mit und als Ortslandwirt ist der Weg zur Politik nicht weit. „Meine Motivation bei allen diesen Tätigkeiten ist weniger das Geldverdienen als vielmehr der Gedanke, Menschen in Not helfen zu wollen“, antwortet Kester auf die Frage, was ihn so antreibt.

Seine christliche Einstellung wird innerhalb der Familie geteilt. Seine Ehefrau Andrea ist Religionspädagogin, doch hat sie ihren Beruf mit der Zeit ganz der Familie mit den drei Kindern und einem Pflegekind gewidmet und versorgt nun die Pferde auf dem Hof. Schon früh hat Kester die Chancen des Standortes mitten in einem schönen Ausreitgelände und nur 1,5 Kilometer vom nächsten Ort entfernt, erkannt. Mit dem Umzug an den Fernweg hat er die Milchwirtschaft aufgegeben und kümmert sich stattdessen mehr um den Tourismus und die Pferdehaltung. Doch die Landwirtschaft kommt dabei nicht zu kurz, denn die sorgt für das Futter für die Pferde und die Mastbullen. Nach seinen Einschätzungen teilt sich seine Arbeit in zwei Drittel für die Landwirtschaft und ein Drittel für das Gewerbe auf.

Neben dem Restaurant eröffnet auch ein neues Appartmenthaus in Nidderau, welches über sechs gleich große Wohnungen zu je 24 Quadratmetern verfügt.

Denn auch die Gastwirtschaft wird einem Pächter übergeben. „Da gab es gleich mehrere Interessenten“ verrät Kester. Wichtig für ihn bei der Vergabe ist, dass der Pächter überwiegend regionale Produkte verarbeitet. „Beispielsweise die Steaks können von unseren Bullen kommen“, unterstützt Arndt seinen Vater.

Und auch die Schwiegertochter Laressa, eine gebürtige Brasilianerin und gelernte Konditorin, ist in die neue Geschäftsidee eingeplant. Sie soll sich um die Vermietung der Appartements kümmern. Alles, was jetzt noch fehlt, ist die Lieferung der Inneneinrichtung und das gute Wetter. (Jürgen W. Niehoff)

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