Sicherheit

Mehr als eine Beruhigungspille: Nidderau nimmt an KOMPASS-Programm teil

Wollen enger zusammenarbeiten: Der Leitende Polizeidirektor Jürgen Fehler, Ordnungsamtsleiterin Alexandra Laubach, Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) und Erster Polizeihauptkommissar Rainer Kraus, Leiter der Polizeistation Hanau Land, bei der Aufnahme Nidderaus in das Präventionsprogramm KOMPASS.
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Wollen enger zusammenarbeiten: Der Leitende Polizeidirektor Jürgen Fehler, Ordnungsamtsleiterin Alexandra Laubach, Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) und Erster Polizeihauptkommissar Rainer Kraus, Leiter der Polizeistation Hanau Land, bei der Aufnahme Nidderaus in das Präventionsprogramm KOMPASS.

2902 – dies ist für die Verantwortlichen beim Polizeipräsidium Südosthessen die Schlüsselmarke für Nidderau. Diese sogenannte Häufigkeitszahl beschreibt die Anzahl der erfassten Straftaten pro 100 000 Einwohner. Demnach wurden im Jahr 2019 in der 20 000-Einwohner-Kommune 590 Delikte erfasst. Das waren 2,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Damit liegt Nidderau deutlich unter dem Durchschnitt des Main-Kinzig-Kreises mit 4134 Straftaten pro 100 000 Einwohner und steht besser da als beispielsweise Bruchköbel (2991), Hammersbach (3051) oder Langenselbold (4721).

Nidderau – „Wir leben in einer sicheren Region“, konstatierte der Leitende Polizeidirektor Jürgen Fehler am Mittwoch im Nidderauer Rathaus mit Blick auf die allgemein sinkenden Fallzahlen bei steigender Aufklärungsquote. „Doch wir wollen die Sicherheitslage weiter festigen und freuen uns deshalb, dass sich nun auch Nidderau dazu entschieden hat, am Präventionsprogramm KOMPASS des Landes teilzunehmen.“

Das Programm setzt auf eine langfristige enge Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Kommune und Polizei (siehe auch Infokasten). Sorgen und Ängste der Bürger sollen in einem ersten Schritt über eine Befragung erfasst und analysiert werden. Anschließend entwickeln Polizei und Kommune passgenaue Konzepte zur Lösung der Probleme. Bei erfolgreicher Umsetzung von drei Projekten steht am Ende die Verleihung eines Sicherheitszertifikats an die Kommune.

Man will herausfinden, wo bei den Menschen aus Nidderau „der Schuh drückt“

Für Jürgen Schmatz, Leiter des Stabsbereichs Prävention im Polizeipräsidium Südosthessen, ist dieses Programm weit mehr als nur eine Beruhigungspille für die Bürger der teilnehmenden Kommunen. „Es geht darum herauszufinden, wo die Bürger der Schuh drückt. Es gibt immer Dinge, die nicht angezeigt werden, die aber das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen beeinträchtigen.“

So könnten etwa „Angsträume“, an denen sich die Menschen bei Dunkelheit nicht mehr sicher fühlen, identifiziert und entschärft werden, etwa durch zusätzliche Beleuchtung, Umzäunungen oder Videoüberwachung. Bahnhöfe oder unbeleuchtete Fuß- und Radwege könnten solche Orte sein. „Wichtig ist der enge wechselseitige Austausch zwischen Bürgern, Kommune und Polizei“, erklärt Polizeidirektor Fehler. Schon bei der Verkehrsplanung oder der Ausweisung von Neubaugebieten, könne die Polizei beratend tätig sein, um Angsträume oder Gefahrenstellen von vornherein zu vermeiden. Die Erfahrung zeige, dass sich der Aufwand für die Kommunen lohne: „Die Bürger fühlen sich ernstgenommen, das Vertrauen in Polizei und Verwaltung wächst.“

Mehrere Präventionsprojekte in Nidderau laufen bereits

Dabei fange Nidderau in Sachen Prävention nicht bei Null an. Die monatliche Sprechstunde der „Schutzfrau vor Ort“, 26 Leon-Hilfeinseln für Kinder im Stadtgebiet, Elternlotsen für die Schulwege in Heldenbergen und Eichen, drei Sicherheitsberater für Senioren sowie die City-Streife könnten sich sehen lassen, so Fehler.

„Der Ruf nach Ausweitung der Verkehrsüberwachung wird größer“, benannte Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) am Mittwoch ein weiteres Handlungsfeld. Das Ordnungsamt habe mit der Fortbildung eines eigenen Mitarbeiters auf das „Blitzer-Urteil“ von 2019 reagiert, wonach Kommunen die hoheitliche Aufgabe der Verkehrsüberwachung nicht an private Dienstleister vergeben dürfen. Hinzu komme die Mehrbelastung des Ordnungsamtes durch die Umsetzung der Corona-Verordnungen. „Wir müssen nun zusätzlich Betriebe, Gaststätten oder Spielplätze überwachen und Hygienekonzepte prüfen und genehmigen“, beschreibt Ordnungsamtsleiterin Alexandra Laubach.

Ordnungsamt in Nidderau soll aufgestockt werden

Deshalb befasse sich der Magistrat in seiner Haushaltsklausur in der kommenden Woche auch mit der Forderung der Politik nach einer Aufstockung des Ordnungsamtes, so Schultheiß. Dort gebe es seit Jahren drei Ordnungspolizisten und zudem eine halbe Stellvertreterstelle für Laubach, die neben dem Ordnungsamt auch für das Standesamt und das Bürgerbüro zuständig ist.

Ob die zusätzliche Einführung einer „Stadtpolizei“ nötig und hilfreich sei, wollten die Polizeivertreter am Mittwoch nicht pauschal beantworten. SPD-Bürgermeisterkandidat und Fraktionsvorsitzender Andreas Bär hatte Anfang Juli die Einrichtung einer „Stadtpolizei“ zur „hilfsweisen Wahrnehmung bestimmter polizeilicher Aufgaben“ gefordert, um die Sicherheit zu erhöhen und Vandalismus und Verschmutzung zu reduzieren.

„Ob Nidderau eine Stadtpolizei hat oder nicht, lässt uns kalt“, so Fehler. „Natürlich greifen wir gern auf örtliche Sicherheitsträger zurück, etwa bei Versammlungsgeschehen. Aber ob eine Kommune eine Stadtpolizei braucht, muss sie selbst entscheiden.“

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